Monatsarchiv: Oktober 2011

Much worry with curry

Schlechte Nachrichten aus der alten Heimat. Halles Innenstadt soll nach der Schließung des Sargdeckels nun auch einen weiteren, allerdings viel jüngeren, Szenetreff verlieren. Und ausgerechnet den, der die alte mit der neuen Heimat verbindet. Denn wer oder was, wenn nicht die Currywurst, ist DIE Verbindung zwischen Halle in Berlin. Doch mit Curry ist nun Schluss, sagt das Ordnungsamt Halle, wie die dort erscheinende Tageszeitung MZ berichtet. Der “Don´t worry be Curry”-Treff vom alteingessenen Fleischermeister Barner soll künftig schon ab Mitternacht schließen. Eine Uhrzeit, zu der es doch, laut MZ, erst so richtig losgeht, in der Saalestadt. Ausgerechnet dann, wenn andere angeblichschlafen wollen, soll nun Barner keine Currywürste mehr auf den Rost legen dürfen. Zu laut sei es den Anwohnern.

Das ist noch so eine, allerdings traurige, Sache, die Halle und Berlin verbindet. Immer wieder schaffen es auch in Berlin einzelne Anwohner, ganze Märkte zu verlegen (wie jetzt den am Kollwitzplatz) oder für die Schließung von zu Kult gewordenen Clubs zu sorgen. Und bekommen vor Gericht auch noch Recht. Das verstimmt nicht nur meinen Magen, sondern vermiest die Stimmung in der ganzen Stadt. Warum ziehen die da in Halle neben dem Currywurststand und die hier in Berlin am Kollwitzplatz nicht woanders hin? Sollen sie doch rüber gehn, in die Sowjetuniuon (die Klägerin vom Kollwitzplatz ist Russin). Oder nach Morl ziehen. Brandenburg soll auch schön sein.

Nur bitte, bitte geht. Gut, Halle ist auf dem Weg zur Metropole noch ein bisschen unterwegs. Auch Berlin muss noch an sich arbeiten, um so richtig international mithalten zu können. Aber Curry-21-Kämpfer und Wochenmarkt-Kläger brauchen beide Städte nicht. Wer in der City wohnt, hat eben nicht nur ein bissel Fluglärm. Der muss eben mit dem Sound der Stadt leben können. Wenn nicht, hat er diese Musik der Großstadt nicht verdient.

Warten auf Niemand

Ich habe ja nur gewartet. Weiter war es nichts. Ehrlich. Schreibsperre im Kopf? Nix da. Hab einfach nur gewartet, dass nix mehr passiert. Gewartet auf den Tag Null. Der Tag an dem sich niemand mehr für den Kram hier auf berlinpankowblogger interessiert. Der Tag, an dem ich es hätte abschalten können. Einfach ausmachen, das Blog löschen, alles vergessen. Ohne, dass es jemand mitbekommen hätte. Einfach aus und weg. Wäre doch ein Grund gewesen. Doch der Tag kam nicht.

Klar. Es ging schon bergab. Mit jedem Tag ohne Post wurden es weniger Leser, weniger Besucher. Also weniger Visits & Pages. Um es mal so zu sagen. Aber jeder Tag ohne Post brachte mich näher zum Ziel. Näher zum Ziel Null. Ich wollte es halt mal sehen. Und vor allem spüren. Wie es so ist. Wenn niemand mehr vorbeikommt. Wenn´s keinen mehr interessiert. Wie damals. In Erfurt. Ein ähnliches Experiment. Aber im Leben, eben. Nur anders herum. Bin zuhaus geblieben. Ohne Arbeit, ohne Geld. Keine Kneipe, kein Kino, kein Ausgang, nichts. Nur daheim gesessen. Gelesen. Und gewartet. Auf den einen. Oder die eine?

Die ersten Tage gingen noch. Wer soll schon kommen? Und, vor allem, warum? Tag fünf war schon schwer. Freitag. Wochenende. Keiner klingelte. Das Schlimmste war das Klingeln an der Nachbarstür. Oder Gäste gegenüber. Geburtstag über mir. Und Hund-und-Frauchen-Besuch beim Hundenarr gegenüber.  Gäste kamen und gingen. Nur nicht zu mir. Da kamen und gingen sie nur noch im Traum. Und klingelten dann doch an der Tür. Samstag früh um vier. Hey Ole, hatse noch n Bier?  Bin also noch da, auch hier.

White Limo & Lemmy

Cooooole Mucke…

Abnehmen mit Sarrazin

“War ick doch letzen Dienstag bei die Vabrauchazentrale beim Abnehmkurs”, sagt Herbert zu Trudchen und Irmgard. “Abnehmen? Beim Verstand oder wat”, antwortet Trudchen während sie sich weiter mit ihrer Schwimmbadgymnastik (Unterwasser-Beine-Treten) beschäftigt. “Na dit och. Aba ma im Ernst. Da jehsde zu so nem Abnehmkursus und wat siehste als erstet? Ne Dicke Kursusleiterin. Mann, die hat wenichstens hundat Kilo uff de Waaje jebracht. Da musst ick mir janz scheen zusammenreißen.”

Dienstagfrüh um 7 Uhr im Stadtbad Tiergarten. Wie immer um diese Zeit haben sich die örtlichen Rentner, Senioren sowie jede Menge junger Menschen zum morgendlichen Frühschwimmen versammelt. Für 2.50 Euro ist es um diese Zeit “einsfuffzich” billiger als nach acht Uhr. Dementsprechend voll ist es im Bad. Auf den hinteren Bahnen machen sich die Sportschwimmer Konkurrenz. Einer schlägt den anderen und die Frauen sind noch schneller. Schlechte Zeiten für Otto-Normal-Schwimmer. Die ersten drei Bahnen voller Möchtegern-Profis, die anderen Bahnen versperrt von Seniorengruppen, die sich langsam aber sicher von einem zum anderen Ende bewegen, meistens schräg, immer aber sich dabei unterhaltend. Da gehören die drei vom Moabiter Kaffeekränzchen noch zu den harmlosen Blockierern.

Sie stehen meist in “ihrer” Ecke und klatschen und tratschen. Wie auch heute wieder. Herbert, für seine offene Berliner Schnauze sowie für seine superengen Tanga-Leoparden-Badehosen im ganzen Schwimmbad (und in Moabit) bekannt, erzählt weiter vom Abnehmkurs in der Verbraucherzentrale. “War janz scheen schwer, der Dicken nich ins Jesicht zu sagen, dat sie janz scheen schwer für n Abnehmkurs ist. Aba ick hab janz ruhich imma bis drei jezählt und dann jings.”  “Und, wie viel mal haste bis dreie jezählt?”, fragt Irmgard, die sich ihrerseits nun der Gymnastik von Trudchen angeschlossen hat, immer darauf achtend, dass ihr die Lesebrille nicht von der Nase rutscht und ihre Haare nicht nass werden. “Na imma, wenn die Dicke anfing, von Sport zu erzählen, und Diät und so. Die weeß vielleicht, wie Sport jeschriem wird. Aba wie´s funktioniert, weeß die jarantiert nich. Ick sach nur eins, zwei drei. Imma wieda eins, zwei drei.”

“Na Herbert, warum jehsde och zu nem Abnehmkurs? Haste doch jar nich nötich. Oda willste uns etwa untreu werden?” Irmgard prüft den Sitz ihrer Frisur sowie ihres mit goldenen Ranken verzierten Badeanzuges. Ihre Blümchen-Badekappe hat sie heute wohl nicht dabei. Sicher steht Schwimmen heute nicht auf der Frühtagesordnung. Gymnastik geht auch ohne Kappe. “Nee, nee. Ick wollte eijentlich in die Vabrauchazentrale wejen die Rentensteuer. Aba da ham so viele jewartet. Und beim Abnehmkurs im Nachbarzimma warn noch freie Plätze. Da dacht ick mir, bevor Du jetze zwee Stunden im Wartezimma vabringst, kannste och im Abnehmkursus warten.”

“Typisch Herbert”, stellt Trudchen fest. “Imma uff alle Hochzeiten tanzen. Aba ick wunda mir, dass Du der Dicken nich die Meinung jesacht hast. Ditte is nich typisch für uns Herbert.” “Naja, ick hab mir och jewundat hintaher. Aba in dem Fall wars vielleicht bessa so. Anders is dit bei die Meinung an sich”, sagt Herbert. “Wie jetze, bei die Meinung an sich?” “Na letztens beim Stammtisch in der Jelben Quelle.  Da jings wieda mal um die Auslända und so. Alle ham jesacht, dat der Sarrazin Recht hat, mit seine Meinung. Und denn is n Reporta von die Zeitung gekommen und wollte dit uffschreiben. Da warnse uff eenmal alle jejen Sarrazin. Dit is doch zum kotzen, oda?”

Herbert klatscht dabei mit seinen Händen aufs Wasser, um seine Meinung zu unterstreichen. Was zu nicht wenigen nassen Spritzern auf den frisch gestylten Köpfen seiner Freundinnen sorgt. “Na nun übatreib ma nich, Herbert. Musst uns nich hier nass machen, nur weil se nich alle so ne große Schnauze ham wie Du.” Damit ist das Thema beendet.  Herbert macht sich für eine Runde Schwimmen bereit, die Damen zieht es in Richtung Ausgang, um ihre benetzten Haare zu trocknen. Als beide aus dem Becken steigen, sagt Irmgard zu Trudchen: “Also Abnehm muss Herbert nun wirklich nich. Aba der Sarrazin, der könnte mal n bissel abspecken.” “Aba den kennste doch jar nich”, antwortet Irmgard auf dem Weg in zu den Damenduschen. “Und außadem ist der schlank. Der muss nun wirklich nich abnehmen.” “Na ick meinte ja nich körpalich”, sagt Trudchen. “Eher so beim Verstand. Wat der so allet von sich jibt. Da könnter wirklich mal wat von weglassen.”

Moderne Indianer (preisgesenkt)

Wir haben damals mit Cowboy und Indianer gespielt. Heute sieht das anders aus. Kann man ja auch verstehen. Indianer und Cowboys haben längst die Friedenspfeife geraucht. Andere hingegen wohl nicht, wie das Blog Nusenblaten entdeckt hat…

Klaus-Peter Thiele (1940-2011)

In Erinnerung an “Werner Holt”…

Abendstimmung

Gerade beim Sortieren der Urlaubsfotos entdeckt: Eine der schönsten Abendstimmungen an unserem Pool auf Korfu…

Hoch. Die. Internationale. Feierahmdbrigade!

Jahrelang war der Garten vor unserem Haus kein Garten, sondern ein Tummelbeet für Unkraut und diverse schnell wachsende Strauchpflanzen. Links und rechts der Eingangstür wucherte alles Mögliche in die Höhe. Im Gegensatz zu den Nachbarhäusern, wo die Vorgärten gepflegt und teils sogar auch schön aussehen, wirkte unser Eingangsbereich immer irgendwie asozial. Das ist nun vorbei.

Vor einigen Wochen begannen (deutsche) Arbeiter die beiden Beete mit Mauern zu umsäumen, das Unkraut und die Sträucher wurden entfernt und die Hoffnung auf einen einigermaßen ordentlichen “Vorgarten” bekam neue Nahrung. Nun, viel mehr ist nicht geschehen. Bis zum Freitag vergangener Woche schien es das gewesen zu sein. Doch gstern, zum Sonnabend dann, schon in aller Frühe, war Krach von unten zu hören. Und siehe da, eine internationale Feierahmdbrigade macht sich an der Hausmauer zu schaffen.

Der Hauswart hatte einmal erzählt, man müsse zunächst noch die Wand, die “unterirdisch” direkt an das künftige Beet anschließt, ordentlich isolieren und dann neu verputzen. Möglichst vor dem ersten Frost. Nun, der erste Bodenfrost ist angesagt und deshalb hat die Hausverwaltung wohl jene internationale Feierahmdbrigade bestellt. Ihrer sind es vier, die sich am Wochenende lautstark der Hauswand widmen. Der mit der Picaldi-Sportjacke scheint hier der Chef zu sein. Er steht die ganze Zeit herum und versucht immer wieder, den Arbeitern etwas zu sagen. Es klingt polnisch, was er da so erzählt. Der Zweite, der die meiste Zeit auf dem Beifahrersitz des kleinen Transporters sitzt, fragt auf russisch immer wieder nach, was der Pole wohl sagen will. Immer wieder greift er zum Handy und spricht in Russeutsch, nein brüllt in Russeutsch hinein. Antworten scheint er nicht zu bekommen, denn er legt immer wieder mit Wut im Gesicht auf. Zwischendruch inspiziert er immer öfter Teile der bereits verputzte Hauswand. Dann geht er zurück und setzt sich ins Auto. Ist wohl hier der Polier, bzw. Chef Nummer zwei. Ein Dritter ist von unserem Balkon aus nicht zusehen, weil er die gesamte Zeit auf dem Fahrersitz des Transporters sitzt. Nur ein Arm und sein rechtes Bein tauchen ab und an ins Bild. Scheint wohl der Fahrer zu sein.

Und dann, ja dann gibt es noch einen Vierten. Dieser arbeitet tatsächlich. Er hat das Werkzeug dabei, holt Zement und Wasser, mischt den Mörtel (oder den Putz), er verputzt die Wand, er streicht sie glatt, er hat zu tun. Schweigend. Hat wohl nix zu sagen hier. Er sagt auch nichts auf die Fragen und Anweisungen der beiden Chefs. Als ob er sie nicht verstehen würde. Oder wolle. Immer wieder nickt er mal oder schüttelt den Kopf. Dem Teint nach zu urteilen könnte der Arbeiter aus dem Südeuropäischen stammen. Dann kann er wohl weder den Russen noch den Polen verstehen. Ist ja aber auch egal. Hauptsache die Wand wird fertig, vor dem Frost.

Und bei der nächsten Mieterhöhung werde ich den Vermieter wohl mal fragen müssen, ob der höhere Mietzins vielleicht daran liegt, dass eine ganze internationale Feierabend-Brigade nötig war, um die Hauswand zu verputzen. Das wäre doch mal ein nachvollziehbarer Grund für eine Mieterhöhung.

Urlaubampoolammeer

Diashow von unserem Korfu-Urlaub

Schmette

Auf Korfu war´s, in der Hauptstadt Kerkyra. Ein sichtlich aufgeregter und genervter Fahrer einer Schmette brüllte uns aus dem Seitenfenster an. Verstanden haben wir ihn nicht. Er war wohl etwas verärgert, weil wir ihn seiner Meinung nach bedrängt hatten. Wir aber hatten uns ordentlich an die Verkehrsregeln (nach deutscher Art) gehalten. Nun ja, Griechenland ist da etwas anders. Jedenfalls fuhr der Herr in einer alten Schmette. Im Raum Hessen Begriff für eine Schmiede, im Raum Halle an der Saale Synonym für ein heruntergekommenes Fahrzeug. Meist älter und schon mit ein paar Beulen und vielen Kratzern. Zu Ost-Zeiten gab es viele solcher Schmetten in Halle, war doch der Kauf von Neufahrzeugen eine langwierige und schwierige Angelegenheit. Wir hatten im Urlaub übrigens einen Alfa Romeo als Mietwagen. Eigentlich ein schönes Auto. Aber angesichts der vielen Kilometer und Mieter, die das Auto schon hinter sich gebracht hatte, glich es auch eher einer alten Schmette. Und drin war es ganz schön muchtig oder vermucht. Auch zwei schöne Begriffe aus dem Deutschen Demokratischen Wortgut. Doch dazu beim nächsten Mal.

Thüringer Toleranz

Anschlag am Erfurter Rathaus

Erfurter Zeitungskiosk

Unt`n`rum

Das neue Video der Erfurt Band. Unbedingt sehenswert!