Tschüss, Schorschi

 Das letzte Treffen war lange her. Vielleicht zwei, drei Jahre. In Halle, auf der Straße. Kurzes Hallo, kurze Unterhaltung. Man könnte doch mal wieder. Sicher, ich melde mich. Dann habe ich von Schorschi nichts mehr gehört. Bis Anfang Januar. Als seine Todesanzeige in der Zeitung war.

 Wir haben zusammen Musik gemacht. Nicht nur das. Schorschi hat mich zum Musiker gemacht. Auf der Musikschule und im Orchester spielte ich schon vorher. Aber in einer Band, das war schon etwas anderes. Eine schöne Zeit jedenfalls. Fliegenpilz. Manchmal recht abenteuerlich, nicht immer gerade lustig, aber immer ehrlich. Etwas zu viel getrunken haben wir damals. Besonders Du Schorschi. Im Sargdeckel, in Deiner Bude in der Adam-Kuckhoff-Straße mit dem Haarsträube-Studio von Delphi unterm Dach. Man konnte immer bei Dir klingeln. Du konntest zuhören. Und Gitarre spielen. Und Kontrabass.

In diesem Jahr wollten wir zu unserem Sommertreffen eine Mugge organisieren. Mit der alten Band. Mit Fliepi. Also auch mit Dir. Ich habe die Texte schon abgestaubt und angefangen wieder zu lernen. „Der Laubfrosch liegt so matt“, „HR 3 wünscht Guten Morgen“, „Papst und Sultan“, „Es lebt der Eisbär in Sibirien“, „Daughters & Sons“, „Alle meine Lebetag“.

 Nur jetzt müssen wir ohne Dich singen. Dein Herz war zu schwach. Dein Herz war so gut. Am 30. Dezember 2007 hat es aufgehört zu schlagen. Du warst 54 Jahre alt. Tschüss, Schorschi.

 Wir werden trotzdem spielen. Mit dem Rest der Band. Mit Sven. Vielleicht mit Kerstin. Und Du wirst in unserer Mitte sein. Versprochen.

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8 Kommentare zu “Tschüss, Schorschi

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  7. altes sofa unter kleinen fenstern die auf trockene fasaden schauen.kleiner ofen der wärme gab und der zettel an der wand: „hinter diesem zettel ist ein loch“.

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  8. Hast Du wunderbar geschrieben… ich würde es gern übernehmen, fürchte aber, die mitredakteure können damit wenig anfangen. ich denke mal noch nach

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