Niveau hochnäsiger Schwaben-Kaschemmen

Der Palast der Republik hat es nun fast geschafft. Dann ist er weg. Endlich, werden alle West-Berliner sagen,  endlich ist Honeckers sozialistischer Asbest-Lampenladen weg. Dann können sie endlich ihr Schloss hinbauen. Oder das, was einmal Humboldt-Forum heißen soll. Mit viel Fassade und wenig dahinter.

Doch das Plattmachen Ost-Berlins geht ja noch viel weiter. In den Hinterstübchen der Senatsverwaltung und bei den bürgerlich-konservativen Stammtischen in Zehlenburg-Charlottendorf hat man doch die Ex-Hauptstadt der DDR längst neu aufgeteilt und verplant. Schon wird öffentlich über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Wieviel bleibt von der Hauptstadt der DDR? fragt Matthias vom Hauptstadtblog. Tja Matthias, wahrscheinlich nicht viel.

Wenn erst auf dem ehemaligen Marx-Engels-Forum das Bürgertum West in seine Ein-Millionen-Euro-Zweit-Eigentumswohnung zieht und der Neptunbrunnen „mit Hofstaat, Putten und Meeresgetier“ auf dem Schlossplatz steht. Dann zieht auch der allerletzte Ost-Berliner aus Prenzlauer Berg und Mitte weg. Naja, die Kneipen dort haben jetzt schon teilweise das Niveau hochnäsiger Schwaben-Kaschemmen: hoch im Preis, niedrig beim Service. Da können sie eigentlich auch ihre alte Bürgertums-Mitte wieder hinbauen. Das ist Gentrification in einer ganz neuen Form. Aber auch schon wieder ein anderes Thema. Und vor allem schwer verdächtig.

Palast ohne Palast

Ein Kommentar zu “Niveau hochnäsiger Schwaben-Kaschemmen

  1. Der Abriß unseres Palastes triebt mir fast die Tränen in die Augen und ich kann gar nicht mehr hinsehen. Alles, was aus der DDR stammt, und nicht unmittelbar mit der Doktrin Mauertote, Stasi oder Mangelwirtschaft zusammenhängt, muss entfernt werden. Typisch für eine Siegermacht. Was bitteschön hätte einen wichtigere kulturhistorische Bedeutung als der PdR, Sitz des Parlamentes der untergeganenen DDR? Jede alte Hütte mit Fachwerk wird 100fach unter Denkmalschutz gestellt und unser Palast? Hier wird eindeutig mit 2erlei Maß gemessen. Man sollte jetzt das Wasserwerk in Bonn (ehem. Parlamentssitz) endlich auch abreißen.

    In unseren Herzen bleibt der Palast jedenfalls erhalten und ich werde meinen Kindern, wenn Sie ein entsprechendes Alter, oft davon und dem tollen Lebensgefühl in der Hauptstadt der DDR erzählen. Die Indoktrinierung der Massen heute, die die DDR auf Stasiterror, Mauertote und Mangelwirtschaft reduziert, bleibt hier auf der Strecke.

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