Das Fenster zum Hof

Das Fenster zum Hof. Es ist das Fenster vom Schlafzimmer, das ich meine. Auch Küche und Bad haben eines hinten raus. Das größte jedoch ist das vom Schlafzimmer. Vom Bett aus kann ich den Baum sehen, das Haus schräg gegenüber. In einem Fenster dort hängt immer noch ein Weihnachtsbaum aus blinkenden Lichtern. Ende Januar. Hinter einem anderen Fenster läuft ein Fernseher. Den ganzen Tag und die halbe Nacht lang.

Und dann die Flugzeuge. Bei Westwind sehe ich die Lande-Anflüge auf Tegel, bei entgegengesetzen Winden die Starts von Tegel. Zwar ist die eigentliche  Schneise noch etwa einen Kilometer entfernt, die Flugzeug-Typen kann ich jedoch schon ausmachen. Nicht alle kenne ich. Nur die, mit denen ich auch schon geflogen bin. Airbus, Boeing.

Wenn ich mich aufstütze im Bett, dann sehe ich auch die Garagen der Anwohner. Einer von ihnen holt jeden Tag sein Auto raus. Irgendsoeine japanische Marke, Mittelklasse. Der Mann fährt das Auto raus aus der Garage, verschwindet für ein paar Minuten in ihr, setzt sich danach hinters Lenkrad und fährt das Auto wieder hinein.

Das ist alles normal hier, alles im grünen Bereich. Nur, dass ich seit ein paar Tagen das Gefühl hatte, beobachtet zu werden. Mindestens zwei Augen richteten sich immer wieder auf mich. Als ich schlief, las oder einfach nur so da lag. Immer wieder hatte ich so ein Gefühl. War es der alte Stasi-Nachbar, der immer noch die DDR-Flagge im Fenster hängen hat? Oder böse Jungs eines anderen gefährlichen Geheimdienstes? Oder war es nur Einbildung im Grippe-Fieberwahn?

Nun, ich habe es rausbekommen. Weder Fieberwahn noch die Stasi steckten dahinter. Es waren die beiden Bewohner des Baumes in unserem Hof. Zwei Eichhörnchen, die während ihrer Winterpause immer mal wieder auf Nahrungssuche gegangen sind. Und zwischendurch, beim Aufbrechen ihrer Nüsse, sahen sie auch ins Schlafzimmerfenster zu mir herüber. So als ob sie nach mir schauen würden, wie es mir geht.

Nun, liebe Hörnchen, es geht schon besser. Es wird noch ein paar Tage dauern , bis auch ich wieder da draußen rumturnen kann. Aber die Grippe hat den Rückzug angetreten. Und ich kann auch schon etwas länger aufstehen. Obwohl es mich doch immer wieder zurück ins Bett zieht. Zu den Fenstern vom Haus gegenüber, zu den Flugzeugen, den seltsamen Nachbarn und den Hörnchen.

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