Dit is mein Spind

Nach etlichen frühmorgendlichen Bahnen in meiner Schwimmhalle wollte ich dieser Tage mal ein anderes Bad ausprobieren. Jenes liegt näher an meinem Arbeitsweg, so dass ich morgens Umweg und Zeit sparen könnte, dachte ich mir. Es ist genauso groß (50-Meter-Bahnen), genauso warm (28 Luft, 27 Wasser) und die Vor-acht-und-nach-zwanzig-Uhr-Dauerkarte gilt da auch.

Es öffnet ebenso um 6.30 Uhr und zu dieser Zeit war ich auch da. Nichts wie rein, schnell umziehen und unter die Dusche. Doch als ich gerade meine Straßenschuhe (die man dort im Gegensatz zum anderen Bad bereits an der Eingangstür gegen die Badelatschen tauschen muss) in den Spind gestellt hatte, merkte ich, dass etwas nicht stimmte. Neben mir standen auf einmal drei Herren älteren Jahrgangs und sahen mich entsetzt an.

Ein Opa lief sogar recht rot an unter seiner Brille und auch darüber. Er holte mehrmals tief Luft und sprach in meine Richtung: „Ja jibts denn sowas? Dit ist mein Spind. Seit Jahren schon is Spind Null Zwo Acht meiner!“ Ja, ja, sagte ich und flüchtete halb ausgezogen mit Sporttasche und Schuhen in der einen sowie mit Ein-Euro-Spind-Münze und Badehose in der anderen Hand in den nächsten Spind-Umzieh-Gang. Hoffend, einen nicht reservierten Spind zu finden.

Ich fand ihn. Und während ich mich in Spind Eins Vier Sieben häuslich einrichtete, hörte ich auf einmal wieder Opa. Dieser rief mit krächzender Stimme über die Spindreihe hinweg: „Und Bahn zwo, Bahn zwo is ooch meine. Die Bahnen hier sind nämlich alle uffjeteilt.“ Okay, dachte ich, das fängt so richtig gut an hier, hier sind die Balina unta sich, da haste nüscht verlorn. Als Ex-Thüringer. Aber ich schwamm trotzdem noch meine zwanzig Bahnen (natürlich nicht auf der Zwo) und kam unbehelligt wieder hinaus.

Einen Tag später ein zweiter Versuch. Denn die Ersparnis von Umweg und Zeit war doch beträchtlich. Ich kam gerade auf meinen Badelatschen in die Umkleide, da hörte ich Opa schon von Weitem: „Stellt euch vor, jestern hatte eena seine Schuhe in mein Spind jestellt. Dem ha ick´s aba jejebn, wa Justav? Der kommt bestimmt nich so schnell wieda.“ Mit einem lautem „Guten Morgen, da bin ich doch wieder“, schlenderte ich um die Ecke und zog mich an einem (scheinbar nicht reservierten) Spind eine Reihe weiter um, schwamm wieder meine Bahnen, ohne weitere Wortlaute aus der Senioren-Fraktion.

Nun habe ich mich trotz Umweg und mehr Zeitaufwand doch wieder für meine alte Schwimmhalle entschieden. Die ist sowieso schöner und da ist es auch viel leerer. Bahn zwo ist frei und Irmgard und Trudchen sind ebenso da. Alle grüßen freundlich, jeden Morgen. Aber wehe, wehe es stehen Schuhe in meinem Spind Eins Sechs Zwo! Oder war es die Zwo Sechs Eins?

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