Wie gut die Krise schmeckt

Berliner Unternehmensverbände laden dieser Tage zum Essen und Jammern ins Luxushotel. Im Nachbarhaus speist der Immobilienverband mit Fachjournalisten Kaviar & Lachs. Thema: Der Zusammenbruch des deutsch-europäischen Immobilienmarktes. Zum Krisengespräch mit Spargelessen geht es im Mai ins Nobelrestaurant, geladen hat ein Finanzberater. Bereits letzte Woche hatte der größte Berliner Wohnungsverwalter in die Konzernzentrale zum Krisen-Brunch geladen.

Ja, Berliner (und hier arbeitende aber woanders wohnende) Journalisten lassen sich die Krise richtig gut schmecken. Hier ein Häppchen, da ein Häppchen, so geht der Arbeitstag schneller vorbei. Denn um einen Berliner Journalisten hinter seinem Schreibtisch hervorzulocken, bedarf es schon mehr als nur eine normale Pressekonferenz. Geschätzte 30 bis 50 Firmen, Parteien, Vereine und Institutionen buhlen täglich bei ihren Pressekonferenzen um die Anwesenheit der schreibenden und drehenden Zunft. Da reichen Kaffee und Wasser schon lange nicht mehr aus. Es sei denn, es handelt sich ausnahmsweise mal um ein neues und brisantes Thema. Dann kommen die Damen und Herren Journalisten auch ohne Canapés und frischgepressten Orangensaft aus.
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Saté- und Obstspieße, Lachs- und Salami-Häppchen auf einer Pressekonferenz in Berlin
Doch bei vielen anderen Terminen werden Lachs-Häppchen aufgefahren, Schinken, Salami, Käse vom Feinsten gereicht. Sogar Früchte-Spießchen, Sprossen oder Algensalat gibt es inzwischen für die ökolinke Journaille von taz & Co. So manche der Damen und Herren sind unterdessen gar wählerisch geworden. Da muss es schon ein bestimmtes Wasser, ein frisch gepresster Orangensaft oder ein Öko-Apfelsaft sein. Ja, die Krise schmeckt gut in Berlin.

Erst gestern wurde es wieder so richtig schmackhaft. Das Thema war ja auch schon bitter genug. Der Vorstand von Creditreform sprach über die Krise im deutschen Mittelstand. Und während der Redner die Worte Entlassungen und Insolvenzen in den Mund nahm, nahmen die anwesenden HauptstadtredakteurInnen ganz andere Sachen in den Mund: Obst-Spieße, Tomate-Mozarella, Kalbsfilet-Häppchen, Schinken-Melone und Croissants aller Art. Ja, die Krise schmeckt wirklich gut.

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Noch ein Häppchen, noch einen Schluck: Berliner Journalisten bei der Krisen-PK von Creditreform

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