Lauter Irre oder Was blieb vom Puppenmord

Das traurige bei schönen Büchern ist nicht (immer) das Ende. Sondern die Vollständigkeit. Wenn man weiß, es ist alles gelesen. Alles gelesen aus jener Reihe. Alles gelesen von diesem Autor. Das ist nicht nur traurig, sondern manchmal ganz schön schlimm.

Lebt der Autor noch, gibt es Chancen auf eine Fortsetzung. Auf einen neuen Roman, ein neues Buch. Ist er oder sie schon verstorben,  sieht es gewohntermaßen eher schlecht aus. Dann muss man mit dem Wissen vom Ende leben. Lebt der Autor noch, schreibt aber keine neuen Bücher, ist es schon schwieriger. Man fragt sich, was wohl dahinter stecken möge.

Unterdessen greift man dann doch mal wieder zu einem seiner Bücher, liest es zum dritten, vierten Mal. So geschehen mit den Büchern von Tom Sharpe. Mit „Puppenmord“ fing es an, mit „Henry dreht auf“ ging es weiter. Es folgten all die anderen: „Ein dicker Hund“, „Tohuwabohu“, „Mohrenwäsche“ und andere mehr. Nicht zu vergessen „Schwanenschmaus in Porterhouse“, welches ich ohne Pause durchgelesen habe. Wie auch manch anderes Buch Sharpes. Bis ich alle gelesen hatte. Dann war Schluss. Wie schmerzlich. Hatte mich doch kaum ein anderer Autor je wieder so zum Lachen gebracht.

Nun, es war nicht wirklich das Ende. Tom Sharpe hat sich aufgerafft und noch einmal zur Feder gegriffen. „Lauter Irre“ ist ab morgen im Handel. Ich muss jetzt hier wohl nicht erwähnen, was ich u.a. morgen machen werde. Kaufen, lesen, lachen. Für alle, die nicht wissen, was ich meine, hier ein kleiner Auszug aus Tom Sharpes unvergessenen Klassiker Puppenmord oder Bis dass ihr Tod ihn scheidet.

Kleine Erklärung: Drei mit einem Boot gestrandete wollen um Hilfe rufen. Sie tun das mit Hilfe von Kondomen, die sie an Seile binden mit den Buchstaben SOS HILFE beschriften. Dann hängen sie das ganze in den Wind, weil hohes Schilf die direkte Sicht ans Land behindert.

„Die Sonne stand hoch am Himmel, und über dem Aalfleet stieg etwas Dunst auf, so dass die Präservative ein gleißender Schimmer umgab, eine Unwirklichkeit, die schlichtweg etwas Geistiges an sich hatte. Schlimmer noch, es zeigte sich, dass etwas drauf geschrieben stand. Die Botschaft war klar, wenn auch unverständlich. Sie lautete HIFISOSE. Hochwürden St. John Froude nahm das Fernglas herunter, griff nach der Whiskyflasche und dachte über die Bedeutung von HIFISOSE nach, das hauchzart und gefühlsecht an den Himmel gemalt war. Als er, immer flott weg, sein drittes Glas ausgtrunken hatte und zu der Überzeugung gekommen war, das am Spiritismus trotz allem doch was dran sei, auch wenn man fast immer bloß mit alten Indianern in Berührung kam, die ihre toten Tanten durch sich sprechen ließen, was erklärte, dass Haifischsoße falsch geschrieben war, weil sie ein paar von den weniger schmackhaften Zutaten aus dem Zeug einfach wegließen, hatte der Wind die Buchstaben umgeordnet. Als er diesmal hinsah, lautete die Botschaft SEIFEHILFLOS. Der Pfarrer erschauerte. Welche Seife war hilflos und wieso.
„Die Sünde der geistigen Getränke“, sagte er vorwurfsvoll zu seinem vierten Whisky, bevor er das Orakel erneut befragte. Auf FIISHOELLE folgte HOHLFISSEL, worauf SLIESLOFF kam, was noch schlimmer war. Hochwürden St. John Froude schob Fernglas und Whiskyflasche zur Seite, kniete nieder und betete um Vergebung oder wenigstens einen Wink, wie die Botschaft zu verstehen sei…“
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6 Antworten zu “Lauter Irre oder Was blieb vom Puppenmord

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  2. Pingback: Berliner Blogs im Wikio Ranking – März 2010 – Von Stefan Stahlbaum

  3. Richtig, mit *Puppenmord* fing es an.

    Es gibt nichts Besseres als einen guten Braten kalt zu genießen. Sehr schön im übrigen der Rorschacht-Test, der (auch) im Film schön dargestellt ist !

    Gefällt mir

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