Politinformierte SS 20

Das meiste, was damals gesagt, gesprochen, ausposaunt, publiziert und verbreitet wurde, ist uns und auch mir noch in bester Erinnerung. Agit-Prop zum Beispiel. Oder Jugendklub, FDJ, SED und GST,  Stabü und 1. Mai-Demonstration.

Vergessen hatte ich jedoch einen Begriff, der eine immer wiederkehrende Veranstaltung an allen DDR-Schulen betraf: POLITINFORMATION. Politinformation, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Polit und Information. Information ist ja noch eindeutig, lässt keine Zweifel offen. Aber POLIT???

Mit ein wenig Schaudern wurde ich gestern wieder an jene Veranstaltungen   erinnert. Wir hatten uns, in Oster-Zusammenkunft-Familie, gemeinsam „Boxhagener Platz“ angesehen. Und mittendrin stand dann dieses Wort an der Tafel: POLITINFORMATION. Und die Erinnerungen kamen wieder. Na klar. Immer vor großen (sozialistisch-kommunistischen) Ereignissen oder auch nach besonders schlimmen Verleumdungen des Imperialismus, gab es selbige Treffen. Natürlich Pflicht für alle Schüler. Und auch für Lehrer, denn auch die waren nicht alle SED-konform (obwohl es heute immer wieder verbreitet wird).

POLITINFORMATION. Was für ein Wort. Nicht wirklich Politik, aber VIEL Information. So hab ich´s auch in Erinnerung. Hoch, Die, Internationale, Solidarität. Freiheit Für Luis Corvalan. Und Angela Davis. Nieder mit den imperialistischen Kriegstreibern und ihren Pershing-Raketen. Hoch lebe die SS20. Dabei frage ich mich heute noch, warum diese Sowjet-Raketen ungestraft SS 20 heißen durfte. SS, das war selbst beim Buchstabieren verboten und hieß gefälligts Doppel-S. Aber die Russen durften ja alles. Waren ja unsere Waffen-Brüder und -schwestern. So wurde es zumindest in der Politinformation gelehrt. Wenn das auch heute keiner mehr kennt. Noch nicht einmal Google.

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Eine Antwort zu “Politinformierte SS 20

  1. Danke für die Erinnerung.
    Habe auch im WWW nach dieser abartigen Pflichtversanstaltung aus meiner Schulzeit gesucht. Aber: Fehlanzeig!
    Heute beginnen ja viele einen recht schwammigen Blick auf die DDR zu entwickeln. Plötzliche war ja gar nicht alles schlecht. Alle hatten sich lieb und die Solidäritit in der Hausgemeinschaft (man könnte es auch Zwangs-vereinigung-zur-Überwindung-des mangels nenen) war ja auch so toll (auch wenn min. der „Hausvertrauensmann“ gute Verbindungs zum MfS/VP hatte).

    Beste grüße aus der Mark Brandenburg

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