„Aaaaaus Gggggötz!“

Demo ist nicht ihr Ding. Sie halten sich da besser raus. Gibt es doch am 1. Mai auch Schöneres als sich mit Polizei und den Linken rumzuschlagen. Sie sitzen vor der Dönerbude in Pankow. Beim Türken. Weit genug weg von den Demonstrationen, aber immerhin im gleichen  Stadtbezirk. Einer mit Glatze und Londsdale-Shirt. Vor sich ein tschechisches Bier.

Der zweite versteckt ein T-Shirt mit Eisernem Kreuz unter einer lila Joggingjacke. Die dreckigen Füße in den ausgelatschten Sandalen bräuchten mal etwas Pflege. Der dritte im Bunde ist der Kleinste von den dreien. Er hat einen Hund und einen Sprachfehler. Und weil die Promenadenmischung die ganze Zeit nur weg will, wird der Hund ständig mit einem „Aaaaus! Gggggötz!“ zur Raison gerufen.

Die drei jungen Herren spielen Skat. Mit französischem Blatt. „Aaaaaaachzehn“, sagt der Kleine. „Ha ick“, antwortet Lila Jacke. Der Kleine mischt die Karten in der Hand neu, schaut ins Blatt und sagt zackig „Zwanzich“. „Na jeht doch“, sagt Lila Jacke, „warum mussten sont imma so rumstottan.“ „Nu ärja ma den Kleenen nich“, mischt sich Glatze ein und ruft „Achmed, bring ma noch drei Tschechische!“

Der Kleine nimmt den Skat auf, drückt zwei Karten weg und legt die Karten offen auf den Tisch. „Null oooooovert“, sagt er grinsend während er „Götz“ an der Leine zu sich ranzieht. „Mensch, son Scheiß“, sagt Lila Jacke. „Null, dit hätte da Führa vaboten, son Drecksspiel.“ „Nnnnnna uuuuuuund. Spiel iiiis Spiel“, sagt der Kleine. „Dddddddu kkkkkommst raus“. Lila Jacke kratzt sich erst zwischen den Beinen, dann am Kopf. „Dit kannst vajessen. Da hamma keene Changse“, und wirft die Karten auf den Tisch.

Zum Entsetzen von Glatze. „Biste jetze total behämmat oda wat. Siehste nich die blanke Achte da? So wat Blindet aba och. Mit sowat kömma keene Krieje jewinn.“ Sagt es und haut Lila Jacke mit der flachen Hand auf den Hinterkopf. „Aua“, sagt Lila Jacke. Und: „Ick wollte eh uffhörn. Muss noch zu Muttan, jibt sons wieda Ärja wenn ick zu spät komme.“ Steht auf und wankt davon.

Währenddessen ist der Dönerverkäufer rausgekommen und hat dem Hund eine Schale mit Döner-Resten hingestellt. „Geht aufs Haus“, sagt er akzentfrei und geht wieder hinter seinen Tresen zurück. „Sssssiehste“, sagt der Kleine zum Hund, „eeeees jibt oooooch jute Tttttttttürken.“ Während aus der Ferne die Polizeisirenen heulen nimmt Glatze noch eine Schluck aus der Tschechenpulle, sieht erst den Kleinen und dann den Hund an.

„Son Quatsch ha ick noch nich jehört. Der is vielleicht jut zum Hund, aba nich jut. Und außadem: Wie kannste denn um Jottes Willn dem Hund Döna zu fressen jebn? Wenn das da Führa wüsste.“ Glatze steht auf, geht zum Straßenverkaufsfenster vom Imbiss und ruft „Achmed, zahlen!“ Der Dönerverkäufer kommt vor und sagt: „Zwei mal Döner, eine türkische Pizza, sechs Pilsner Urquell, mach 16.40.“

Advertisements

3 Antworten zu “„Aaaaaus Gggggötz!“

  1. Alltag in Deutschland, wie er in den Fensehnachrichten nicht kommt. Zu kompliziert wahrscheinlich…

    Gefällt mir

  2. volker von münster

    Lieber Ole,

    klasse Beitrag. Macht Spaß ihn zu lesen. Habe sehr geschmunzelt. Go on.

    Gruß Volker

    Gefällt mir

  3. Pingback: Fuß(ball)volk Deutschland « berlinpankowblogger

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s