Operation Mimi

Freitagabend am Stadtrand des Berliner Ostens. Draußen ist es, obwohl erst Ende August, grau und nass. Die Plattenbauten im Kiez verschwinden hinter Regenschleiern, im Migrantentreff deutschstämmiger Weißrussen ist es verdächtig ruhig. Sonst dringen hier russische Soldatenlieder ans ostdeutsche Tageslicht. Der bettelnde Flaschensammler hat heute wohl auch etwas anderes vor, sein Platz vor dem Lidl ist leer. Auch von Rudi, dem pfeifenden Trinker mit der großen roten Nase und den prächtigen Zahnlücken, ist heute nichts zu sehen. Nur in der Wohngebietsgaststätte „Frohe Aussicht“ ist alles wie jeden Freitag.

Hinter der Theke Karin. Wie immer mit zuviel Schminke im Gesicht, wie immer sauer auf den Koch („Wat is nu mit dem Schnitzel? Du sollst kochen, nich saufen!“). Am Tresen Paule und Mucki, die sich bei Molle und Korn die neusten Geschichten aus dem Jobcenter erzählen. Vorn an der Tür sitzt der blinde Rentner mit Mischlingshündin Cindy. Den Namen des Mannes kennt hier keiner,  obwohl er auch schon seit 20 Jahren jeden Freitag da sitzt und seine zwei kleinen Pils trinkt. Hinten, am runden Tisch neben dem Tresen, sitzten, auch wie jeden Freitag,  die Herren vom Stammtisch „Operativer Einsatz“.

NVA- Oberstleutnant a.D. Eberhard W. (76),  Herbert K. (68), der alte Führungs-Stratege, Günter P. (73), Major a.D. des Ministeriums für Staatssicherheit, Plattenbau-IM Walter Z. (72) und natürlich Illjuschin, der Kopf der alten Kämpfer. Und diesmal darf ausnahmsweise auch ein Publizist und alter Mit-Kämpfer Platz nehmen. An diesem Freitag diskutierten die Herren lang und ausgiebig über das neue Buch von Thilo Sarrazin, über das Wetter sowie über den immer noch nicht geklärten Sachverhalt mit dem filmenden Internetunternehmen. Bis P. das Wort ergreift: „Jenossen, dat bringt doch alles nix. Wir müssen endlich die Gunst der Stunde nutzen. Lasst uns endlich handeln.“

„Jenau“, sagt K., während er mit den Fingern bei Karin eine neue Runde bestellt. „Wir ham da mal wat ausjearbeitet, dit muss jetze von Euch abjestimmt werden. Operation Mimi.“ „Oparazion Mimi, wat ssolln dass ssein“, fragt der schon leicht angetrunkene Z. „Mimi, das steht für Migration Informeller Mitarbeiter Immigration. Oder um es mal auch für dich verständlich auszudrücken: In jedem Dönerladen ein IM. Die längst fällige Unterwanderung der Migranten in Berlin“, erklärt Illjuschin. „Vorher müssen wir aber noch etwas anders klären“, sagt der Ex-KGBler mit ernstem Blick in die Runde.

„Sozusagen Operation Mimi Teil eins. Also, Du Günter, nimmst Kontakt zu dieser Firma Google auf. Triff Dich mit einem der verantwortlichen Dienststellenleiter dieses Ausspähdienstes. Am besten nutzt Du dazu die konspirative Wohnung in Charlottenburg. Schlüssel am bekannten Ort. Und dann bietest Du ihm an, was wir letzte Woche besprochen haben: Wir liefern für Street View alle angeforderten Zusatzinformationen wie Mieternamen samt persönlicher Daten, das Sexualverhalten der jeweiligen Bewohner, Musikjeschmack und so weiter. Du weißt schon, alles, was wir da haben. Im Gegenzug stellen die uns alle ihre Fotos ungepixelt zur Verfügung.“ Meinsste, dit klappt?“, fragt Z. „Ja sicher“, erwidert Illjuschin, „wenn die mitkriegen, was wir über die alles wissen, haben die gar keine andere Wahl.“ Und denn“, sagt Günter, „denn folgt Operation Mimi zwei. Aba erstma Prost, Jenossen. Uff Mimi eins!“

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Ein Kommentar zu “Operation Mimi

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