Saubere Geschäfte

Okay. Priv hatte ihn für immer verlassen. Damit konnte er sich zwar nicht abfinden. Aber so war es nun einmal. Es ging einfach nicht mehr. Kein Stück vor und auch nicht mehr zurück. Also musste er sich neue Geschäftspartner suchen, die das für ihn erledigen würden. Er wusste, gleich um die Ecke gab es diesen Laden. Sollte er es dort versuchen? Natürlich, er konnte auch jetzt sofort noch einmal viel investieren. Und somit einen gleichwertigen Ersatz für Priv schaffen. Aber war das ausgerechnet jetzt gut? Eher nicht. Schon in einer Woche würde er das Land verlassen haben. Wenn das Geschäft bis dahin nicht zustande kommen würde, wäre es rausgeworfenes Geld, verschwendete Zeit.

Also der Laden um die Ecke. Fünf Stufen führen hinauf, bis zur Pendeltür. Auf ihnen zwei Typen, mit denen er lieber nichts zu tun haben wollte. Sie hatten sich ihre Hüte tief ins Gesicht gezogen, pafften Zigarillos und unterhielten sich leise. Doch sie beachteten ihn nicht, so dass er ohne Probleme die Tür erreichen konnte. Der Laden war fast leer. Vorn stand eine junge Lady an den Türpfosten gelehnt. Sie sah kurz herüber und vertiefte sich dann wieder in ihre Zeitung. In der Mitte des Ladens ein alter Mann. Er war dabei, sein Kleingeld zu zählen, das er einzeln aus seiner Jackentasche holte. Vier, fünf Stücke vielleicht. Er ließ den Man stehen und ging durch bis nach hinten. Dort, wo er vielleicht zu seinem Geschäft kommen konnte. Er musste nur aufpassen, dass er hier nicht ins Schleudern geriet.

Hinten in der Ecke war es schummrig, das Tageslicht reichte nicht bis hierher. An der Decke glimmte lediglich so eine neumodische Sparlampe vor sich hin. Er wollte gerade den Vorhang zum Hinterzimmer beiseite schieben, da hörte er ein hüstelndes Räsupern. Eine ältere Dame mit Hut und Brille mit dicken Gläsern tippte ihn auf die Schulter. Im Reflex spannten sich seine Muskeln, er machte einen Ausfallschritt zur Seite. Doch die Dame schien harmlos. „Alles schön durchlesen, mein Kleiner“, sagt sie zu ihm gewandt. „Und nicht vergessen: Passend zahlen, kein Wechselgeld.“ Er nickte ihr kurz zu und bedankte sich mit einem Lächeln. Dann ging er nach hinten, warf seine Münzen ein. Na bitte, dachte er, wenn das immer so einfach geht. Hier kann man Geschäfte machen. Saubere Geschäfte.

Nun hieß es nur noch Warten. Um die Zeit zu überbrücken, ging er hinaus, steckte sich eine Zigarette an. Die Sonne schien ihm brutal ins Gesicht, doch er spürte das kaum. Denn er wusste: Auch wenn Priv nicht mehr da ist, geht es weiter. Auch ohne sie würde er in Zukunft sauber durchs Leben kommen. Dreißig Minuten später war es dann auch soweit. Ein erneutes Knacken und einer kurzer Piepton kündigten an, dass nun seine Sachen für die Reise fertig waren.

So endete sein (mein) Tag doch noch ohne Zwischenfälle. Der Tag, an dem mich meine Waschmaschine Priv(ileg) verließ. Die Trommel bewegt sich nicht mehr. Keinen Millimeter. Glücklicherweise ist da der Laden um die Ecke, der Waschsalon.

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4 Antworten zu “Saubere Geschäfte

  1. hähähähä!

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  2. Ooooch, ich dachte, jetzt kommen noch die restlichen 300-Seiten zum Ausrucken. Schade, daß dir nach einer Seite schon die Puste ausgegangen ist.

    Daß da Panik entsteht, kann ich sehr gut nachvollziehen, hatte das Problem Anfang November letzten Jahres.

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  3. @Die Anmerkung: Keine Panik, auf der Titanic. Denn auch hier gilt: Fortsetzung folgt…

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  4. Den Chandler wollte ich mir eigentlich ausdrucken, nicht ausrucken.

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