Ein (un)wahrscheinlicher Kneipenabend

Es ist also wahr und zumindest seit vergangenem Montag auch sehr wahrscheinlich. Wissenschaftler streiten sich auch in Kneipen nicht um Bierpreise, Politik oder Sarrazinsche Thesen. Sondern um die Wissenschaft. Nicht der nächste Urlaub, nicht die Familie, nicht die letzte Geburtstagsparty sind eine Diskussion wert. Obwohl, eine Geburtstagsparty spielte auch am Montag am Kneipentisch ein größere Rolle. Es ging um das sogenannte Geburtstagsparadoxon. Dieses besagt, dass bei einer Party mit 25 Gästen die Wahrscheinlichkeit, dass zwei am gleichen Tag geboren sind, höher als 50 Prozent ist.

Der Mathematiker am Tisch, die vier Damen und Herren der Wissenschaft hatten sich nach unserem dritten Bier zu uns gesetzt, wollte mit Fachwissen und einer aufgestellten Rechnung mit Hilfe meines Notebooks, das ich ihm dafür zur Verfügung gestellt hatte, überzeugen. Was ihm aber nicht ganz gelang. Denn nicht nur ich zweifelte und zweifle immer noch. Auch die Biologin am Tisch hielt diese Wahrscheinlichkeit für sehr unwahrscheinlich. Da halfen auch keine Formeln und Rechenergebnisse via Exel. Und doch muss es wohl so sein. Obwohl für mein Verständnis immer noch mindestens 183 Gäste da sein müssten, um die Voraussetzungen für einen gemeinsamen Geburtstag zweier Personen zu erfüllen? Nun, die Mathematik sagt etwas anderes.

Ich bin dafür von einer anderen Wahrscheinlichkeit überzeugt: Interessante Leute lernt man am besten in der Kneipe kennen. Dafür liegt die Wahrscheinlichkeit meiner Überzeugung bei weit über 50 Prozent. Das hat nicht nur der letzte Montag bewiesen (grüße an die Naturwissenschaftler). Sondern schon etliche Abende in vielen Kneipen dieser Welt in den letzten 30 Jahren. In Halle und Göteborg, in Erfurt und Santa Cruz de La Palma, in Weißenfels und Okeechobee. Bleibt die Frage, die sich am Ende des Kneipenabends am Montag stellte: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mathematiker oder ein Wahrscheinlichkeitsexperte diesen Post lesen werden? Und mich überzeugen? Eher unwahrscheinlich, oder? Bitte melden!

Dabei fällt mir ein: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass man bei einem Spanischkurs in Berlin, wo es geschätzte 500 Sprachkurse gibt, gleich am ersten Unterrichtstag einen Freund trifft, der ebenfalls Spanisch lernt? Eher gering, denke ich. Und doch passiert. Am Dienstag in der Pause, zwischen el nombre und el apellido, sind wir uns über den Weg gelaufen.

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2 Kommentare zu “Ein (un)wahrscheinlicher Kneipenabend

  1. Machs andersrum, dann hauts hin:

    Statistiker berechnen solche Wahrscheinlichkeiten wie das Geburtstagsparadox mit der umgekehrten Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass etwa drei zusammentreffende Menschen verschiedene Geburtstage haben? In so einem Fall hat die erste Person gewissermaßen die freie Wahl aus 365 Tagen. Die zweite Person kann nur noch unter 364 Tagen wählen, die dritte Person nur noch 363 Tagen. Die Wahrscheinlichkeit von drei verschiedenen Geburtstagen bei drei Personen beträgt zwar noch satte 99,1 Prozent. Doch man sieht, dass die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Geburtstage mit zunehmender Menschenanzahl immer weiter abnimmt. Bei 50 Personen liegt die Wahrscheinlichkeit, dass keine zwei Personen den gleichen Geburtstag haben, nur noch bei drei Prozent.

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  2. Ausführlich und sehr unverständlich erklärt ist das mathematisch in der mathedingsda.

    …dass bestimmte Wahrscheinlichkeiten (und auch Zufälle) intuitiv häufig falsch abgeschätzt werden.

    Genau hier liegt das Problem. Es werden zwei Dinge in einem Topf zusammengerührt, die da nicht zusammen hineingehören, die mathematische Logik und das menschliche Bauchgefühl.

    Wahrscheinlichkeit heißt ja immer nur, daß etwas so kommen kann, aber nicht zwingenderweise muß. Schon das wissen die meisten Lottospieler nicht, sonst würden sie die Zettel keines Blickes würdigen.

    Im konkreten Falle heißt es eben nur, daß mit 60%iger Wahrscheinlichkeit zwei Leute von 25 am gleichen Tag Geburtstag haben. Das ist ein Zockangebot, auf das ich nie im Leben eingehen würde, denn 60% ist entschieden zu wenig.

    Der Mathematiker am Tisch, so er mutig gewesen wäre, hätte das aber anbieten können. Jede Wette, daß in dieser Kneipe gerade zwei Leute sind, die am gleichen Tag Geburtstag haben. Bei 25 Leuten in der Kneipe stand die Quote für ihn bei 60:40, und ihr hättet euch alle wegen eures Bauchgefühls mächtig verzockt. Aber für 60% Gewinnaussicht kriegst du bei keiner einzigen Bank einen Kredit, um deine neue Zockeranstalt zu finanzieren, denn da sitzen Leute, die wissen sowas.

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