Zwischen Helm und Nasenbein…

Sach bloß nich Susanne zu mir. Dit bin ick schon lange nich mehr. Susanne hat sich abjeschafft. Also ick hab Susanne abjeschafft. Ick bin die Susi Kiu. So rufen mich alle hier. Wie alt ick bin? Uninteressant. Ick bin jedenfalls nich alt. Nich so alt, wie der Rest. Der Rest? Na alle andern. Nich so alt, wie die janzen Sklaven hier. Ähm, welche Sklaven meisnt Du? Na die janzen Onkels und Tanten, die für diesen Drecksstaat buckeln jehn. Du doch och, oda nich? Tach für tach. Icke? Nee, ick arbeite nüschd. Dat wärs noch. Arbeit. Und vielleicht noch Steuern zahln, wa? Nee, nich mit Susi Kiu.

Meine Eltern? Keene Ahnung. Dit letzte Mal wollt ick Jeld. Und die wolltn dafür, dat icke wieda zu denen zieh. Ins Spießahaus nach Bonn. Nee. Und wenn det jenau wissen willst: Mein Alta is ne Bonze, Mutta ne Schlampe. Der Alte buckelt seit icke ich ihn kenne im Büro bei die Stadtverwaltung in Bonn. Is Beamta. Da weeste allet. Macht anjeblich Übastunden ohne Ende. Ick denke mir, der jeht in Puff. Oda mit seine Sekretörin, oda so. Meine Alte treibts derweil mit dem Nachbarn. Der Drecksack. Dabei war die mal so hübsch. Aba dit jeht mich nüschd mehr an. Geschwister? Na dit is dit Schlimmste. Meine Keule is Bulle. Naja, eher so´n Möchtejern-Bulle. macht irjendwat im Hafen. Hamburch. hab ihn aba zehn Jahre nich gesehn. Keene Ahnung. Is wohl vaheiratet.

Warum ick in nem besetzten Haus lebe? Weil ick in Freiraum leben will. Nich einjesperrt. Hier bin ick frei. Weeste, wat ick meene?  Und weil ick hier keene Miete zahln muss. Dit is Widerstand. Jejen Staat und Bullen. Und vor allm och jejen den Balina Senat. Der is unsozial, asozial. Macht Jesetze für Reiche. Lässt Arme verhungan. Schickt Bullen jejen friedliche Protestierer. Da jeht mir s Messa inne Tasche uff. Nee, Toletten ham wa nich. Jedenfalls keene, die funzt. Sind ja keen Palast. Wo icke zum pieseln hinjeje? In dit kleene Café uff de Ecke vorne. Dit is son Bäcka mit Tischen drin. Die sind nett. Da kann ick ohne Kohle uff Klo. Wovon ick lebe? Stütze. Und die Alte schickt ab und zu n paar Euronen rüber. Wenn nüschd mehr jeht, Hunde ausführn.

Ob icke schon mal dabei war? Na weeste, wat issn dit für ne Frage. Selbstvaständlich! Ick bin imma in ersta Front dabei. Steine schmeißen bis die Bullen sich in die Hosen machen. Weest doch: Zwischen Helm und Nasenbein, passt immer noch ein Pflasterstein. Dit ist unsa Klassenkampf, sacht unsa Blockwart. Blockwart? Na unsa Hausmeester sozusachen. Der Älteste im Haus, Harry. War schon damals dabei. Damals? Na als Bolle und janz Kreuzberg brannte. Weeste nich mehr? na ick war och nich dabei. Dafür aba letzte Woche.  Als wir nach die Demo wieda mal den Kapitalismus-Schweinen richtich einjeheizd ham. Erst ham wa n paar Luxusschlidden abjefackelt, dann jabs wackere Steine jejen den Imperialismus.

Icke selbst? Klar doch. Ick hab och den Imperialismus jeschadet. Hab n fetten großen Stein in den Bäcka mit die teuren Schrippen jeworfen. Da vorne, uff die Ecke. Aber gehst Du dort nicht immer auf die Toilette? Dit is ja wat andret. Ick hab ja keen Stein jejen die Anjestellten jeworfen. Sondan jejen den Großkonzern, da da hinta steht. Und war ja och keena mehr da, inne Nacht. Und außadem wissen die doch nich, dat ich dit war. Dit würdn die mir nie zutraun.

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6 Antworten zu “Zwischen Helm und Nasenbein…

  1. Vom Künstlerischen her betrachtet: wunderbar.

    Was die Liebigstr. 14 angeht: Da müsste es Klos geben (bzw.bis zur Räumung gegeben haben), immerhin gab es für das Haus ja auch Mietverträge. Vor etwa zehn Jahren wohnte da mal ein Freund von mir, ganz regulär, und mit sämtlichen notwendigen sanitären Einrichtungen.

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  2. „Susi Kiu“ hat nicht in der Liebig gewohnt, sondern in nem Abrisshaus in Pankow…

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  3. aber warum berlinert die so? als bonnerin?

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  4. weil dit schau is. und weil susi schon als baby nach berlin kam… die eltern gingen dann irgendwann zurück, aber ohne sie

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  5. jetzt verstehe ichs. logisch

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  6. Pingback: Readers Edition » Cyberwar: Deutschland gefällt das!

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