Imperialistische Essenshetzkampagne

Es hat nicht alles schlecht geschmeckt. Damals. In der DDR. Und schon gar nicht in Gaststätten. Dies aber behauptet Katharina Schickling in ihrer Fernsedokumentation Mahlzeit Deutschland, die derzeit wieder einmal am Wochenende zum Nachtisch gereicht wird. Schickling redet von Fastfood in West. Und von Weißkohl in Ost. Von Bioläden in Essen. Von Mangelware in Cottbus. Und dann sagt sie: „Besonders in den Gaststätten der DDR war das Essen immer schlecht.“ Da weiß man sofort: Frau Schickling war nie in der DDR. Und schon gar nicht in einer Gaststätte. Und recherchiert hat sie auch nicht. Oder sie hat. Und will nicht wahr haben, was nicht wahr sein kann.

Zugegeben. Nicht in jeder Kneipe hat´s geschmeckt. Aber das ist ja auch heute noch so. Ich meine sogar, heute ist es noch schlimmer. Damals gab es schlechtes Essen besonders und vor allem in Selbstbedienungsrestaurants. Und in Bahnhöfen. Aber das wusste jeder. Da konnte man sich drauf einstellen. Auf warmes Bier und kaltes Schnitzel. Dünnen Kaffee und trocknen Kuchen. Heute aber weiß man oft nicht, ob in der Küche vom Italiener, der bis letzte Woche noch ein Grieche war, ein Türke, ein Vietnamese oder ein Araber am Herd steht und mit welchen Zutaten sie was zusammenkochen.

Schlimm war es damals im Zentral in Halle zum Beispiel. Oder in der Saaleaue auf der Peißnitz. Da aßen wir nur in der Not. Oder in der Bahnhofs-Mitropa. Die waren für Bier gut. Und manchmal für eine Bockwurst mit Brot. Auf nem Pappteller. Wo schon am frühen Morgen ein Kleckchen Senf drauf getan wurde. Damit es Mittags schneller geht. Dafür war der Senf dann schön eingetrocknet. Wenn sich dann die Brotscheibe wegen der trockenen Luft zusammenkrümmte, war das Essen perfekt. Und ungenießbar. Aber in der Not. Und des Nachts. Wenn alle anderen Lokale geschlossen hatten. Dann ging auch so ne Wurst vom Pappteller.

In den meisten anderen HO-Gaststätten und Konsum-Gaststätten und privaten Lokalen war das Essen jedoch Spitze. Ich denke da nur allein an eine unserer Stammkneipen in Halle – der Sargdeckel. Rolf „Rolli“ Valerius am Tresen, Ehefrau Bringfriede in der Küche. Manchmal, ich glaube Donnerstag und Freitagabend, gab es noch eine Küchenhilfe. Geschmeckt hat es immer. Es gab Sülze, Bockwurst, Knacker oder Rührei. Mit Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat. Ich hab alles gern gegessen. Besonders aber die Sülze mit Bratkartoffeln. Mhm, da läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen.

Oder in unserem Stammtisch-Lokal Pirouette in der Eissporthalle. Wo wir Sonntag für Sonntag einkehrten. Zum Trinken hauptsächlich, ja. Aber auch zum Essen. Da gab es das leckere Steak Champignon oder das Steak au four, die Schinkenplatte oder das Würzfleisch, die Champignoncremesuppe oder die Soljanka. Manches Mal auch ein Rumpsteak. Toast Hawaii. Alles immer gut. Und bezahlbar. Ganz zu schweigen vom guten Essen in den anderen DDR-Lokalitäten. Wie z.B. die Nordsee-Vorgänger des Ostens „Gastmahl des Meeres“. Oder die Goldbroiler-Gaststätten in jeder Bezirksstadt. Wer´s kennt, weiß, wie es geschmeckt hat. Aber eben nur, wer es kennt, Frau Schickling!

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2 Kommentare zu “Imperialistische Essenshetzkampagne

  1. oder denk mal an die Goldene Rose in Halle, da hast du immer geschwärmt für gebackenen Camembert mit Preiselbeeren – und wir auch :=)

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