Monatsarchiv: Februar 2013

Desert Lights Trading Co.

DSCN8035Ich bin dann mal weg. Also nicht wirklich. Aber nach eingehenden Studien des Energiermarktes in Deutschland und Abu Dhabi habe ich mich selbstständig gemacht. Zumindest fast. Denn mir ist ein Licht aufgegangen. In Kooperation mit zwei ranghohen und vor allem reichen Sheiks (Scheichs) vor Ort haben wir heute die Desert Lights Trading Co. gegründet (Foto oben kurz nach der Vetragsunterzeichnung). Hauptbetätigungsfeld: Ex- und Import von Glühlampen.

Richtigen Glühlampen. Nicht der Energiespar-Dreck, den man in Deutschland kaufen muss. Sondern ehrliche und echte Glühlampen. 40-, 60-, 75- oder und 100-Watt-Lampen. Alles da. Wie früher bei uns. Und weil das Wort Sparen hier nicht existent ist, schon gar nicht in Zusammenhang mit Energie oder Strom oder Benzin oder Wasser oder überhaupt Irgendetwas, glauben wir alle an ein lohnendes Geschäft.

1,25 Dirham kostet die gute alte Lampe oder Birne hier im Supermarkt. Das wären dann etwa 25 Euro-Cent. Im Großmarkt gibt es natürlich ganz andere Preise. Geschätzte zehn Cent soll dort ne Birne kosten. Bei einem Weiterverkaufspreis von einem Euro je Lampe wird es sich für alle lohnen. Die Sheiks meinen, wir sollten gleich zwei Euro nehmen. Die Birnen würden auch dann noch wie warme Semmeln weggehen.

Recht haben sie. Denn der Deutsche wird sich freuen,  wenn er wieder ne echte Birne in seiner Fassung hat. Da muss er nicht mehr durchdrehen. Bei geschätzten 40 Millionen Deutschen, denen die Energiesparlampen genauso auf den Keks gehen wie mir, rechnet die Desert Lights Trading Co. im ersten Jahr mit einem Umsatz von 240 Millionen Euro. Davon ausgehend, dass jeder nur drei Glühbirnen kauft. Das Doppelte ist eher wahrscheinlich. Und dann holen wir uns die ganze EU.

Aber es geht noch weiter. Weil man sich in Abu Dhabi einen Dreck um die Umwelt schert, werden wir selbstverständlich defekte und verbrauchte Lampen hier entsorgen. Irgendein Platz in der Wüste oder im Meer findet sich in den Emiraten immer.  Da freut sich dann auch wieder das Umweltbundesamt. So, jetzt muss ich in den Großmarkt, die ersten Birnen abholen. Man sieht sich. So lange es hell ist. Übrigens: Suche noch Handelspartner. Die auch gerne mal ein gutes altes Ding in die Fassung drehen wollen.

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Moderne zwischen DDR & Mittelalter

P1070381Es ist schon erstaunlich. Da fliegt man knappe sechs Stunden und schon ist man nicht nur in einem komplett anderem Klima, sondern auch noch in einer anderen Welt. Abu Dhabi. Es ist heiß hier. Am Tag möchte man eigentlich nur im Schatten sein. Am Abend kann man dafür aber lange draußen sitzen. Mit Blick auf die Skyline der Stadt. Die einem vorgaukelt, man wäre in einer modernen City. Stimmt auch. Was die Wolkenkartzer angeht. Die Supermärkte. Die Straßen. Die Shopping-Malls. Den Hafen. Den Strand. Die Promenade, die Corniche. Alles hypermodern. Alles schneller, höher, weiter.

Für Fußgänger wurde die Stadt nicht gebaut. Aber dafür kostet Taxi fahren ja (fast) nichts. 30 Cent pro Kilometer. Da kommt man sich einigermaßen blöd vor, wenn man von der einen auf die andere Seite der Stadt gefahren worden ist und der Taxikutscher will umgerechnet drei Euro. Und Busfahren. 40 Cent innnerhalb der Stadt. 80 Cent für die Außenbezirke. Etwa 15 Dirham, also keine drei Euro, kostet die Busfahrt ins 80 Kilometer entfernte Dubai. Machen wir morgen.

Klingt alles gut, sieht alles gut aus. Nur tiefer hineinblicken darf man nicht. Medien? Wie in der DDR. Berichte über die Königsfamilie, Reportagen über die Königsfamilie, Nachrichten aus der Königsfamilie. Und Berichte über die Erfolge des Landes. Wo stehen wir am besten da? Wo sind wir die schnellsten? Planerfüllung aller Orten. Natürlich, ein wenig Crime ist auch dabei. Und da landen wir dann im Mittelalter. Blutgeld. Steinigungen. Polygamie. Scharia. Ein Fall, der uns erzählt worden ist: Ein Mann verätzt das Gesicht seiner Frau mit Säure. Die Scharia entscheidet: Sie darf das nun auch bei ihm tun. Doch die Frau will das nicht. Daraufhin hat es ihre Mutter getan…

Sonst aber ist alles gut. Der Pool auf dem Dach mit 29 Grad warmen Wasser. Daneben die Poolbar, die entgegen aller Erwartungen neben Bier und Wein auch alkoholische Cocktails aus aller Welt anbietet. Und dahinter der Blick über die Stadt. Beeindruckend. Nach einem Rundgang gestern durch die City und die Mittagshitze (über 30 Grad) sollte es dann heute Ferrari-World werden. Die haben Montags geschlossen. Also gehts in die Marina Mall und zum Emirates Palace. Außerdem ist es leicht windig heute. Und Wind heißt hier, wenn er vom Land kommt, auch immer Sand. Also auf zum Shoppen. Denn auch da gibt es einen mächtigen Unterschied zu allen anderen Ländern, die wir bisher auf unseren Resien gesehen haben. Steuern? Was sind Steuern? Gibt´s hier nicht. Das Gehalt kommt Brutto aufs Konto. Und bei Zigaretten z.B. bezahlt man die Ware und nicht den Staat: Für ne Stange verlangen die hier neun Euro.

Beerige Verarsche

P1070186Manchmal freue ich mich über Sonderangebote. Oft lasse ich sie aber auch links liegen. Da ich ihnen nicht trauen will. Oder nicht kann. Wie gestern. In einem großen Supermarkt in den Schönhauser Allee Arkaden. Aktion! Aktion! Aktion! Erdbeeren. 8 Schalen für 1,75 Euro. Oder eine 250-Gramm-Schale für 22 Cent. Zwei.Und.Zwanzig Cent. Für 250 Gramm Erdbeeren. Das kann nicht sein. Das können keine Erdbeeren sein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich im Februar keine Erdbeeren essen will. Und deshalb auch keine kaufen werde. Aber davon mal abgesehen. Wenn ein Kilo Erdbeeren 88 Cent kostet, dann MUSS da was faul sein. Sicher nicht die Nuss (zu denen die Erdbeeren gehört). Denn bei einem geschätzten sehr hohen Wasseranteil kann bei diesen Dingern, die als Erdbeeren verkauft werden, kaum etwas faulen.

Aber etwas anderes stinkt gewaltig. Bei 88 Cent für ein Kilo Obst ist ja noch nicht einmal Aufzucht und Ernte bezahlt. Geschweige denn Transport, Verpackung, Bereitstellung. Allein das Schild, auf dem die 22-Cent-Aktion angekündigt wurde, hat mehr gekostet. Nun kann man spekulieren, dass dies lediglich ein Köder ist, um den Kunden in den Markt zu locken. Klappt vielleicht auch bei Manchen. Bei mir nicht. Beeerige Verarsche, dachte ich mir. Und bin zur Konkurrenz gegangen. Tiefkühl-Lasagne koofen.

Fast Food Pony Express

pferdEs ist wirklich zum Wiehern. Anstatt dass sich die Menschen freuen, endlich mal ein bisschen Delikates in ihrem Essen zu haben, beschweren sie sich nun auch noch. Sollen sie doch froh sein. Denn, machen wir uns nichts vor, wer Tiefkühllasagne kauft um sie zu essen, der kann doch froh sein, dass überhaupt noch Fleisch darin ist. Und wenn es dann auch noch vom Pferd ist – Hallelujah, ein himmlisches Vergnügen für den Gaumen. Gibt es doch ganz andere Überraschungen in Lebensmitteln, die längst nicht so lecker und schmackhaft daher kommen wie gutes Pferdefleisch. Milchzucker in der veganen Schokolade,  Ei im Kuchenmehl,  Schweineborsten im Brot, Gelatine im Multivitaminsaft.

Und, was haben wir damals nicht für Zeit in Schlangen vor Fleischerfachgeschäften verbracht, um eine echte Knobländer-Bockwurst aus Pferdefleisch zu bekommen. Jeden Donnerstag der erste Job für Azubis und Angelernte: Ab zum Fleescher („Aber im Galopp, mein Freund!“) und Knobländer für die jesamte Brigade holen. Zwar stand man da bis zu einer Stunde an, aber es war eben eine Stunde keine Arbeit. Auf dem Rückweg gleich noch zum Konsum geritten und ein paar Helle mitgenommen. Dienstag und Freitag gab´s frisches Jehacktes uffs Brötchen, Montag und Mittwoch Stulle von daheeme. Und Donnerstag war eben Pferdetag. Nur Helles gab´s jeden Tag.

Manchmal war allerdings auch der Sonntag Turniertag. Wenn ganze Heerscharen im Trab in ausgesuchte Thüringer Lokale stürmten um zu den obligatorischen Thüringer Klößen Sauerbraten vom Ross zu speisen. Das war ein Fest. Ist übrigens eine meiner Ideen für ein neues lukratives Geschäft. Pferdefleisch to Go. Also Pferdefleisch to Trab. Und einen Namen habe ich auch schon: Fast Food Pony Express.

Wir waren Papst. Wir nicht.

kirche_berlin_mitgliederNa? Wo stand die Mauer?

Flughafen BER pünktlich eröffnet

flughafen_bbi_002Manchmal frage ich mich, was wäre wenn gewesen passiert sein könnte. Oder so ähnlich. Wenn zum Beispiel unser toller Flughafen pünktlich eröffnet hätte. Damals, am 3. Juni 2012 (oder an den Terminen zuvor, davon mal abgesehen). Ich frage mich, was wir speziell in Berlin alles hätten lesen können. Dürfen. Was hätten wir alles erfahren, das nun für immer im Verborgenen bleibt. Das nie geschrieben worden ist. Weil dieser komische Flughafen nicht rechtzeitig fertig wurde. Und, das kommt noch dazu, was auch in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren nicht ans Tageslicht kommt. Weil einfach kein Platz dafür ist.

Sieben Berliner Tageszeitungen berichten seit nunmehr 270 Tagen über die Nicht-Eröffnung eines Flughafens. Im Schnitt, sagen wir mal, auf durchschnittlich zwei Seiten pro Tag. Manchmal sind es vier, manchmal sechs, an anderen Tagen bekommt die Unfähigkeit, lediglich einen Flughafen zu bauen, nur eine Seite. Aber es wird täglich berichtet. 270 Tage auf zwei Seiten in sieben Berliner Tageszeitungen. Das sind 3780 Zeitungsseiten. 3780 Geschichten über das Versagen der Aufsichtsräte, den Baupfusch deutscher Elitefirmen, Pleiten und Pannen der Planer, Korruptionsverdacht und Rücktritte, Rausschmiss und Millionengehälter, Brand- und Kündigungsschutz, Makel und Debakel, poröses Pflaster und Desaster, Katastrophen und über all die anderen schier unglaublichen Vorgänge auf einer Baustelle des 21. Jahrhunderts.

Hätte der Flughafen pünktlich geöffnet, hätten wir auf jeder dieser 3780 Zeitunsgsseiten wenigstens zwei andere Geschichten lesen können. Das wären 7560 Geschichten gewesen. Vielleicht sogar schöne Geschichten. Über Dinge, die gelungen, Bauvorhaben, die abgeschlossen, Aufsichtsräte, die fähig, Planungen, die gut waren. Über Pleiten, die verhindert, Millionengehälter, die nicht gezahlt, sondern gespendet, Katastrophen , die verhindert worden sind. Über Elitefirmen, die den deutschen Ruf verteidigt, über elektrische Schutzanlagen, die von Anfang an funktioniert haben. Oder einfach nur schöne Geschichten aus den Berliner Kiezen. Über Familien mit und ohne Kinder, über Restauranteröffnungen und tolle neue Läden, über Clubs und Diskotheken, über Bäume und Straßen, über Glück und Ärger. Eben über das Leben. Das wäre schön gewesen. Doch dies blieb leider verborgen.

Und noch so manche schöne Geschichte wird auch weiterhin der seltsamen Baustelle vor den Toren Berlins, wo behauptete wird, dort würden einst Flugzeuge starten und landen können, zum Opfer fallen.

Lufthansa-Service Adé!

Das neue Konzept von LUFTHANSA-GERMANWINGS

Guter Service ab 1. Juli 2013 nur noch gegen Extra-Zahlung:

MacGyver (70)

Die meinen doch MacGyver, oder? (Sie konnten es aber nicht schreiben…)   Marburg-Biedenkopf (ots) –  Erwiesen ist es nicht, aber durchaus möglich, dass sich ein über 70-jähriger Senior ein Beispiel an einem Fernsehserienhelden nahm, der es immer verstand, mit großem Einfallsreichtum zu improvisieren und mit zur Verfügung stehenden Gegenständen ein Problem zu lösen. Im Fall des Rentners führte die aus Tierliebe hergestellte Konstruktion zum Frostschutz des Katzenfutters allerdings am Sonntagabend, 03. Februar zu einem Brand. Irgendwann entstand an der elektrischen Wärmeplatte, die er zur Erwärmung ins Innere eines ausrangierten und im Vorgarten deponierten Kühlschranks gestellte hatte, ein technischer Defekt mit Brandfolge. Das Feuer zerstörte den Kühlschrank und das Katzenfutter und führte zu einem kleineren Schaden am Haus. Eine Fensterscheibe platzte und der Putz verschmutzte und bröckelte stellenweise ab. Zunächst mal funktionierte alles tadellos, berichtete der Senior, der auf diese Weise bereits den ganzen Winter über für wohl temperiertes Tierfutter gesorgt hatte.   Originaltext: Polizeipräsidium Mittelhessen

Thüringer Klöße

Über eine Million Klicks, das muss man feiern.

Big hand, Punk Dave!

Europacity Berlin?

Visualisierung Baumassen Europacity BerlinWarum sich ausgerechnet das Bahnhofsviertel von Berlin „Europacity“ nennt, wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Aber die Häuser ringsum könnten  zumindest ein bisschen Farbe in die triste Gegend bringen. (Foto: CA Immo).