柏林潘科博客 – Blogchinesisch

Nun hat es der Google-Translater auch in die Bloggerei geschafft. Ein kleiner Klick auf der Seitenleiste, und schon können die Chinesen mein Blog lesen. Oder die Maori. Die Weißrussen. Und wer sonst noch hier landen sollte. Blogchinesisch bekommt nun eine ganz neue Bedeutung 😉

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Alles neu macht der November

Ein kleiner aber einfacher Lesetest auf dem Smartphone brachte das Desaster zu Tage: Mein Blog-Thema funktioniert nicht so, wie ich mir das immer vorgestellt habe. Weder auf Phone noch auf Tablet konnte man mein altes Blog ordentlich lesen. Grund: es ist hornalt, aus Sicht der Blog-Entwicklung der letzten Jahre. Anfang 2007 ging ich mit berlinpankowblogger an den Start und seitdem stand mein Layout unabänderlich da wie in Stein gemeißelt. Eine Änderung? Wozu? Warum? Wieso die Stammleser verunsichern? Aber das ist natürlich alles Quatsch. Denn hauptsächlich soll so ein Blog funktionieren und lesbar sein. Auf allen Geräten. Also habe ich getan, was getan werden musste. Ein neues Design, die neusten Tools und Widgets und schon hat bpb ein neues Gesicht, mit vertrauten Zügen jedoch. Ein paar gewisse Wiedererkennungsmerkmale wollte ich schon haben, wie zum Beispiel das Header-Bild vom S-Bahnhof Pankow.

Aber noch ist nicht alles fertig, ich feile immer noch hier und da. Das Menü oben ist nun aufgeräumter und übersichtlicher als vorher. Anstatt alle Blogseiten zu zeigen, erreicht man sie jetzt über den entsprechenden Button. Neuigkeiten über mein Buch, wie auch zu meinen Lesungen (tba) haben nun auch einen eigenen Link in der Menüleiste. Die Seitenleiste tritt dafür etwas in den Hintergrund, solange man nicht darüber fährt oder etwas anklickt. In den nächsten Tagen wird sich auch da noch einiges ändern, um das Blog schneller lesbar und bedienerfreundlicher als bisher zu gestalten. Also, auf ein Neues!

Dagegen

Heute Morgen, also gerade, bekam ich eine E-Mail eines „Kämpfers“ für Volksentscheide. Dabei eine Aufforderung, mich doch auch für diese einzusetzen. Darin heißt es u.a.: „Ja, ich will Volksentscheide, nicht, weil alle Probleme dann gelöst sind, sondern weil wir dann ein Instrument haben über die Probleme lange, sachlich und ausführlich zu reden. Weil Volksentscheide, alle Menschen mit ins Boot nehmen und keiner hinten runterfällt. Und je mehr ich gefragt werde, je mehr ich beteiligt bin, desto weniger wächst die Wut. Wenn wir unsere Politik verändern wollen brauchen wir viele demokratische Erlebnisse.“

Ich bin dagegen. Gegen Volksentscheide. Jedenfalls jetzt. Denn das Volk ist dumm. Nicht nur das Wahlergebnis hat es gezeigt. Und Dummheit geht einher mit dem Nichtvorhandensein der Sachkenntnis. In den meisten Fällen gibt es eine kleine Gruppe mit Kenntnis. Diese initiiert dann das Begehren, den Entscheid. Dann gibt es noch eine Menge Leute, die kennen sich damit aus. Weil sie beruflich damit zu tun haben. Weil sie privat betroffen sind. Diese stimmen dann dafür oder dagegen. Nachvollziehbar.

Viele andere aber stimmen nur ab, weil es die Möglichkeit zur Abstimmung gibt. Frei von jeder Kenntnis finden sie es demokratisch cool, dabei sein zu können. Ob sie das Thema betrifft oder nicht. Egal. Hauptsache abstimmen.  Ob mit oder ohne Sinn. Ob betroffen oder nicht. Beispiel Tegel. Ganz Berlin durfte abstimmen. Die meisten sind für die Offenhaltung. Die meisten sind nicht vom Fluglärm betroffen. Da lässt es sich gut abstimmen. Oder noch besser: Das Volksbegehren für mehr Videoüberwachung. Klar, dort und dort muss eine Videokamera stehen. Hauptsache nicht in meiner Straße. Überwachung ja, aber nicht in meine Privatsphäre eindringen. So haben wir das gern.

Mein Favorit aber heißt „Berlin werbefrei“. Aber sicher doch. Da weiß man gleich, mit wem man es zu tun hat. Selbstständige Klein- oder Großunternehmer können das nicht sein. Auch niemand vom Handwerk. Niemand, der sein Geld mit einem Produkt verdient, das sich auf dem Markt behaupten muss. Also, wer? Im Impressum steht ein Anwalt, der auf etlichen Onlineseiten verlinkt ist und natürlich selbst niemals Werbung machen würde…

Ich bin dagegen, dass jemand dagegen oder dafür sein darf. Erst wählen sie AfD und dann initiieren sie ein Volksbegehren gegen Rechtspopulisten im Bundestag. Sie jagen das Kind, bis es in den Brunnen fällt. Und ertrinkt. Hinterher wollen sie das Brunnenwasser abschaffen.

DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN

Die, die die Welt verändern, sind keinesfalls die Langweiler. Es sind die Vordenker, die anderen, die Kurzweiler. Die unfreiwilligen Helden, deren Scheitern in der Luft liegt und das sie trotz dessen zu jenen macht, die sie sind: mutiger als andere, ein bisschen besser – ja auch, schlauer – nicht unbedingt. Und über jene schreibt Marion Alexa Müller in dem Buch DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN. Ein Buch zum Staunen über sich und andere und zum Stolpern über die oft unterschätzte Banalität unseres Lebens. Auch über allzu oft überraschende und zu früh endende Leben. Denn so mancher Held bezahlt einen hohen Preis für sein Tun. Aber besser eben so, als gar kein Preis fürs nichts tun. So scheint es jedenfalls all den große und kleinen Lebewesen angetan zu sein.

Bei den Kurzgeschichten staunen Frau und Mann über so manche Wandlung und Überraschung mittendrin. Oft glaubt man, seinen Nachbarn, den Freund oder den Verwandten zu erkennen. Plötzlich wird aus jenen jedoch ein Bulle, ein Hamster, ein Vogel. All jene haben ihre Probleme mit der Welt, vor allem aber mit dem alltäglichen Normal- und Wahnsinn, weswegen sie sich absondern und den Langweilern den Rücken kehren. Sie preschen vor, sie machen es anders, sie denken größer. Ein Hamster Konrad kennt sich mit der Quantenphysik aus, die Erdkröte Artus greift zu Grube und Schild, um den Dachs zu verjagen, ein Schwan namens Hans-Friedrich ist unter den Enten die hässliche Ausnahme. Und wenn dann Bulle Bernd so seine Probleme mit den Fliegen auf der Weide hat, weil „man ein sehr entspanntes Verhältnis zu seinem Schließmuskel hat“ dann klappt man auch schon mal das Buch zu, um seine Lachmuskeln wieder zu entspannen. Nur aber, um es sogleich wieder aufzuschlagen. Denn es warten noch mehr TierMenschGeschichten, die alle so anders sind, dass man mit dem Lesen und Lachen erst am Ende aufhören kann. Und auch Weinen ist erlaubt, denn, und das ist ja hinlänglich bekannt, wer anders ist als all die anderen, ist eben oft zum Scheitern verurteilt. Aber das macht dieses Kleinod um so interessanter und lesenswerter. Am Ende der Geschichten warten kleine wissenschaftliche Aufklärungen über das Vorangegangene oder anderes. Interessant! 100prozentige Weiterempfehlung und zudem das einzige (mir) bekannte Buch mit Daumenkino!

MARION ALEXA MÜLLER: „Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren“, Softcover, 170 S., 19 x 13,5 cm, ISBN: 978-3-95996-070-0, Periplaneta, Edition Drachenfliege, 12,50 € (D) http://www.periplaneta.com/