Reiseblog

One World Observatory

Natürlich muss man, kann man, in einem NYC-Alternativ-Urlaub trotzdem touristische Pfade betreten. Zumindest dann, wenn es etwas neues Spannendes gibt, das man zuor noch nicht gesehen hat. Dazu zählte in diesem Jahr der Blick aus 380 Meter Höhe auf New York und das umgrenzende Land. Der Besuch auf dem One World Observatory verprach viel – und hielt alles. Allein die Lift-Fahrten im Freedom Tower rauf und runter sind spektakulär. Sogar unsere Befürchtung der langen Wartezeit wegen war umsonst: von Ankunft unten bis zum Ausblick oben vergingen keine 20 Minuten. Etwas mulmig wurde uns nur, als gar nicht so weit entfernt immer wieder Flugzeuge vorbei flogen, auf ihrem Weg zum LaGuardia Airport. Die Erinnerungen an 9/11 werden spätestens dort oben bei jedem wieder wach. Und – wer etwas feinfühlig ist wie ich – der spürt, wie sich der Turm im Wind leicht bewegt… Auch etwas gewöhnungsbedürftig. Auf jeden Fall auch bei einer Alternativ-Reise immer wieder einen Besuch wert.  owo_01 owo_03 owo_04 owo_05 owo_06 owo_07 owo_08 owo_09owo_10

NYC alternativ V: Mit der East River Ferry von Long Island City nach Dumbo

Wer mit der Tram nach Roosevelt Island gefahren ist und nicht den gleichen Weg zurück nehmen möchte, der kann mit der Subway Richtung Queens fahren. Zunächst geht es tief hinunter – die Station auf dem Island liegt über 30 Meter unter der Erde, schließlich muss die Bahn hier den East River unterqueren. Die Bahn fährt parallel zur Queensboro Bridge, die erste Station nennt sich jedoch 21 Street Queensbridge/41 Ave. Wir steigen aus, weil wir ein weiteres Ziel haben, das sich direkt am Ufer des East River befindet und wir uns nicht soweit davon entfernen wollen. Das erste, was auffällt: Alle Wohnhäuser hier, die meisten sehen nach Sozialbauten aus, werden gerade saniert, fast jedes Gebäude verschwindet hinter einem Gerüst. Dann ein angepinnter Hinweis an einem Lampenmast – hier wurden Szenen für eine auch bei uns beliebte Serie (mit Tom Selleck) gedreht. Ah… ja. Hier also spielt das…lic01Zwischen Sozialbauten und East River ist alles grün und sauber und sehr ordentlich. Ein nicht zu übersehender Kontrast zu den Straßen dahinter. Durch einen Blick auf Plakate, die ein Festival ankündigen, wissen wir nun auch, wo wir uns genau befinden: In Long Island City (nach einer Woche auf Long Island nun endlich in der City), kurz LIC genannt. LIC ist nicht unbedingt die Gegend, wo man gern wohnen würde, dafür aber um so interessanter anzusehen. Zum einen wäre da der Blick hinüber nach Manhattan, den man so eben nur von hier hat (und was wiederum ein sehr cooler Blick aus dem Wohnzimmerfenster wäre). Zum anderen brodelt hier das (neue) Leben. Zwischen heruntergekommenen Bauten, Wohnhäusern und Industrieanlagen entwickelt sich auch hier die neue New Yorker Szene mit Kneipen, Restaurants und Bars.lic02DSC_9575lic04Kommt man der „City“ von LIC näher, fühlt man sich eher wie in einer amerikanischen Kleinstadt denn in einem Stadtteil New Yorks. Hinten links ein Kirchturm, eine Hauptstraße mit Kneipen und Läden, reger aber kein hektischer Verkehr. Nur ein paar Geschäftsleute in weißen Hemden und Krawatten hetzen zwischen den Einwohnern (meist südamerikanische Herkunft) hindurch. lic03 lic05Am Ende der Straße, kurz bevor es nach rechts zur East River Ferry abzweigt, lockt uns der Hunger in ein Deli. Drinnen eine große Auswahl an kalten und heißen Sandwiches. Für mich gibt es natürlich keine Frage: Ein Pastrami Sandwich soll es sein und wird es sein. Und es wird sehr lecker sein (es war sehr lecker). Inzwischen sind wir dann auch eine Stunde unterwegs und vor uns liegt noch ein Erlebnis der besonderen Art: Für vier Dollar kann man von hier aus mit der East River Ferry bis zur Pier 11 in Manhattan fahren, oder aber vorher in Brooklyn, genauer gesagt in Dumbo, aussteigen. Genau das haben wir vor und auf dem Weg dahin genießen wir die rasante Fahrt des Schnell-Katamarans und natürlich den Blick auf die Skyline Manhattans.lic06 lic07 lic08Dumbo liegt mehr oder weniger unter zwei Brücken: Unter der Brooklyn und der Manhattan Bridge. Auch hier etabliert sich die New Yorker Szene immer mehr. Kopfsteinpflaster und Schienen erinnern noch an die alten Industrie- und Hafenanlagen, die hier einst das (Arbeits)Leben bestimmten. Später zerfiel das alles mehr oder weniger und Dumbo war lange Zeit kein schöner Ort, sondern Treffpunkt zwielichtiger Gestalten, um es mal nett auszudrücken. Das ist noch gar nicht so lange her. Aber jetzt werden hier Filme gedreht, in tollen Industrie-Ateliers Kust ausgestellt und nebenan gibt es schicke Klamotten und schicken Läden, in denen schicke Verkäufer/innen T-Shirts für 150 Dollar anpreisen. Es gibt aber auch Straßenkunst (die Paparazzi Dogs) und Kneipen, die am nachmittag zur Happy Hour das Bier (u.a. Brooklyn Lager) für vier Dollar anbieten. Das ist natürlich genau unser Ding und so endet dieser Nachmittag unter der Manhattan Bridge mit einem gekühlten Lager vom Fass.dumbo_04dumbo_03dumbo_05dumbo_01 dumbo_02

NYC alternativ IV: Bushwick Collective

Der Brooklyner Stadtteil Bushwick ist inzwischen besonders für seine rege Künstlerszene bekannt. Hier gibt es Werkstätten und Galerien an fast jeder Ecke. Besonders um die Jefferson/Wyckhoff Avenue haben sich viele Kunstschaffende angesiedelt. Einer der Höhepunkte dort ist die Street Art Gallery Bushwick Collective. Der ganze Stadtteil ist sehenswert, die Graffiti-Werke aber besonders.us16192 us16189 us16193 us16194 us16197 us16198 us16199

NYC alternativ III: Roosevelt Island

tram_01Eigentlich gehört dieses Ziel zu den „normalen“ Touri-Plätzen in New York. Wir stufen es aber aus unserer Sicht dennoch in die alternative Ecke ein, da sich nicht jede(r) NYC-Gast bis zur 59./Ecke Lexington wagt. Der Central Park ganz in der Nähe ist zwar eines der beliebtesten Treffpunkte aller Anwohner und Gäste, führt aber oft dazu, dass man die Umgebung vergisst/bzw. vernachlässigt. Und damit auch alle weiteren Ziele in der näheren Umgebung. Dazu zählt ohne Zweifel die sogenannte „TRAM“, die eigentlich eine Seilbahn ist und alle, die es wollen, nach Roosevelt Island bringt. Am Seil. Der Ausblick ist berauschend und einmalig.  Die Gondel schwebt neben der Queensboroughbridge über den East River. Irre. Sollte man gesehen/erlebt haben. tram_02Trotz besten Wetters warteten nur überschaubare 50 Touristen aus aller Welt auf die nächste Seilbahn, und so konnten wir direkt in die nächste einsteigen und losfahren. Am Ende der Fahrt ein steiler Abstieg und schon ist man auf Roosevelt Island. tram_03Drüben angekommen, wird es derzeit etwas hektisch. Gefühlt hunderte Baufahrzeuge sind unterwegs, um ein Projekt/Bauwerk auf die Beine zu bringen.  Es fühlt sich etwas seltsam an, auf diesem Island. Aber am Ende erfährt man, dass es ein gutes Ende ist. Denn hier baut Cornell den neuen Campus… Wow. Hier studieren – das wäre mal ne coole Sache. Am Ende des Roosevelt-Islands stehen übrigens Mauern links und rechts. So dass einem der Ausblick verwehrt wird. Irgendwie erinnert mich das an… Nun ja, Mr. Roosevelt ist zu sehen. Sein Kopf.tram_04tram_06rooseveltJedenfalls hat man einen schönen Blick hinüber nach Queens – und da gehts natürlich hinterher hin… Auf Roosevelt Island geht es dazu erst einmal 30 Meter hinunter zur Subway. Die Bahn muss ja schließlich unter dem East River fahren. Und das ist tief. Wirklich tief. Von da ist man dann sehr schnell in Queens – in Long Island City. Doch dazu später mehr.pepsi_01roosevelt_01

 

NYC alternativ II: Die IKEA-Fähre

Jedem NYC-Besucher bestens bekannt ist die Staten Island Fähre, die man kostenlos nutzen kann. Und somit ist auch so ziemlich jeder Besucher einmal mit der Fähre gefahren. Eine weitere kostenlose Fähre ist die sogenannte IKEA-Fähre. Sie gehört zum New York Water Taxi und ist (nur) am Wochenende kostenfrei. Ziel der Fähre – das sagt der Name schon – ist IKEA. IKEA Brooklyn. Das schwedische Möbelhaus hat hier – was auch sonst – selbstverständlich sieben Tage in der Woche geöffnet. Damit auch am Wochenende genug Kunden den Weg zum Geld ausgeben finden, zahlt der Konzern die Wochenendtouren der Taxi-Fähre. Natürlich kann man – und das haben wir gemacht – die Fähre auch zunächst auf dem Rückweg nutzen und die eigentliche Hinfahrt zur Rückfahrt (ein Tipp unserer Freunde in Brooklyn).ikea_01Eigentlicher Start ist am Pier 11/Wall Street in Manhattan, Ziel ist IKEA in Red Hook/Brooklyn. Da wir in diesem Jahr etwas alternativ unterwegs waren, haben wir es also anders gemacht. Zuerst ging es mit dem Bus von Park Slope (7th Ave/9th St) nach Red Hook. Die Bushaltestelle dort kann man nicht verpassen, steht doch dort das so ziemliche jeder und jedem bekannte blau-gelbe schwedische Möbelkaufhaus. Wenn man dann, den auf gefühlte fünf Grad Celsius heruntergekühlten, Bus verlassen hat, erreicht man (im Juni bei gefühlten 30 Grad Celsius) in wenigen Fuß-Minuten den Fähranleger. Erwischt man die Fähre noch, geht es innerhalb kurzer Zeit los und schon legt der Katamaran wieder an. Denn es gibt am Fairway Market Red Hook eine Zwischenstopp.ikea_02Doch nach weiteren wenigen Minuten setzt die Fähre ein paar Meter zurück, wendet auf der Stelle und nimmt dann (so richtig) Fahrt in Richtung Manhattan auf. So schnell die Fahrt losging, ist sie auch schon wieder vorbei und wir sind inmitten Downtown Manhattans. Eine kurze, aber sehr sehenswerte Fährfahrt, denn man hat sehr gute Blicke auf Governors Island und auf die Skyline von Downtown Manhattan… Was die East River Ferry alles kann – später mehr an dieser Stelle.ikea_03 ikea_04 ikea_05

NYC alternativ: Bedford Stuyvesant

Kein Timesquare, kein Empire State Building, kein Central Park: Unser Urlaub in New York sollte dieses Mal ein anderer werden. Und er ist es geworden. Dank unserer vorangegangenen Reisen in die Stadt der Städte hatten wir genug von all den „normalen“ Zielen aus den Reiseführern. Es wäre Zeitverschwendung, das alles noch einmal zu machen. Also mussten Alternativen her. Die erste hieß Bedford Stuyvesant – der Kürze wegen in NYC einfach Bed Stuy genannt.

bed_04Viel ist geschrieben worden über diesen Stadtteil Brooklyns, der sich wie ein Keil unter Williamsburg und Bushwick schiebt. Es sei einer der letzten noch nicht gentrifizierten Teile New Yorks. Heißt es. Hier sei doch die Seele der alten Bewohner anzutreffen, weit weg von Luxuswohnen und Restaurants und Bars. Wir waren wohl etwas zu spät. Denn genau das haben wir gefunden: Teures Wohnen und schicke Restaurants. Klar, es gibt sie noch – die alten Bewohner. Man sieht sie in den Fastfoodketten sitzen, vor unsanierten Häusern stehen, auf den Hauptstraßen spazieren und besonders in der Nähe der heruntergekommenen Shoppingmeilen im Zentrum des Stadtteiles überwiegen noch die eigentlichen Einwohner Bedford Stuyvesants.bed_08Wo man sie nicht sieht, ist in den schicken Seitenstraßen mit den endlosen Reihen von Brownstones, den typischen Häusern hier in Brooklyn. Die meisten sind saniert und in den Parkbuchten davor parken deutsche Luxuslimousinen neben großen amerikanischen SUV. Wo man die alten Bewohner ebenfalls nicht sieht, ist in den schicken Restaurants und Bars, die das Viertel erobern. Der Wandel hat hier schon längst begonnen und von den alten und armen Bewohnern wird sich das hier bald keiner mehr leisten können.bed_09Die Geschichte ist am Ende in vielen Teilen der Stadt (und in jedem andren Land) die gleiche: Vor der Gentrifizierung kaufen sich die, die es sich leisten können, für relativ wenig Geld (aus deren Sicht) ein Haus, im Falle Brooklyn ist das meist ein Brownstone. In Bed Stuy soll man so ein Haus vor zehn Jahren für 50.000 Dollar bekommen haben. Häuser, die nun siebenstellige Werte haben. Genauso läuft das in Red Hook oder in Bushwick, zwei weiteren Stadtteilen Brooklyns, in denen sich der Wandel vollzieht oder schon vollzogen hat. Trotz allem oder gerade deswegen war der halbe Tag in Bed Stuy ein besonderer und gehört ab sofort in jeden Reiseführer New Yorks. bed_06bed_01 bed_07bed_03bed_05

Food Koop: Shoppingparadies & Arbeitshölle

koop_001Leben in New York ist nicht billig. Das merken nicht nur Touristen wie wir, sondern vor allem New Yorker selbst und im Besonderen jene, die auf Zeit dort wohnen. Unseren Freunden in Park Slope (Brooklyn) geht das genauso. „Es hat Monate gedauert, bis wir herausgefunden haben, wo wir Gutes preiswert einkaufen können“, sagen sie. New Yorker Preise sind schon netto nicht billig und hinzu kommen an der Kasse 8,875 Prozent: vier Prozent erhebt der Bundesstaat, die Stadt möchte 4,5 Prozent und 0,375 Prozent geht an den öffentlichen Nahverkehr MTA. Klingt im Vergleich zu den 19 Prozent Mehrwertsteuer in Deutschland recht gering – aber die Nettopreise an sich sind schon saftig genug. „Für vier Personen kommt man da schnell ans Limit“, erzählen die Auf-Zeit-Brooklyner. koop_04Da kam es ihnen gerade Recht, dass sie Nachbarn kennenlernten, die in der Food Koop PARK SLOPE Mitglied sind. Das ist eine der ältesten Nahrungs-Genossenschaften in den USA. Schnell merkten sie: Hier bekommt man Qualität zu günstigen Preisen. Alles etwa 40 Prozent preiswerter als woanders in Brooklyn oder Manhattan. Hat sich doch tatsächlich ein kleines bisschen Sozialismus nach Brooklyn eingeschlichen. „Außerdem ist das der einzige Laden, wo man zum Beispiel guten Käse bekommt, der auch noch bezahlbar ist“, sagen die Mitglieder. An das „normale“ Käse-Angebot in den „normalen“ Supermärkten Amerikas kann sich ein verwöhnter Deutscher nur schlecht gewöhnen. Das haben auch wir auf vielen Reisen immer wieder festgestellt. Alles Käse. Aber nicht ein guter. Kein Problem mehr: Nun gibt es ja die landwirtschaftliche Kooperation und dort ist das meiste auch noch Bio oder Öko oder beides oder zumindest ähnlich. Außerdem werden hier verschiedene Konzerne boykottiert, die nicht ins Konzept passen oder deren Arbeitsbedingungen/Methoden gegen den Strich der Koop gehen. Darunter Nestlé oder Coca Cola. koop_03Natürlich hat solch ein „sozialistischer“ Laden auch einen Haken. Mindestens. Wer Koop-Mitglied sein möchte, muss dafür etwas tun. Alle 16.000 Mitglieder sind Mitarbeiter und Kunden zugleich. 100 Dollar legt jeder auf den Tisch, die beim Verlassen der Kooperative wider ausgezahlt werden. Einkaufen darf aber nur, wer dort außerdem seine Stunden ableistet. Bei 16.000 Mitgliedern sind das einmal monatlich zwo Stunden fünfundvierzig, die jede(r) in der Koop zum Malochen antreten muss: Ware annehmen und verteilen, Regale auffüllen, Kartons falten und schnüren, Kassen-Lines organisieren, bedürftigen Mitgliedern das Gekaufte nach Hause tragen. Strenge Regeln gibt es dabei: Wer seinen Dienst nicht antritt, kommt auf eine rote Liste („Alert“) und wird beim nächsten Einkauf am Eingang darauf hingewiesen. Wiederholt sich das Fernbleiben von der Arbeit folgt die schwarze Liste („Suspended“) und das Einkaufs- und Zutritts-Verbot. Das Gerücht, beim dritten Blaumachen müsse man eine Woche zur Strafe in Russland arbeiten, wurde bisher nicht bewiesen und immer wieder dementiert. koop_01Auch musste bisher keines der Mitglieder in die Kommunistische Partei eintreten oder sich dem Sozialismus bedingungslos bekennen. Zumindest ist davon nichts bekannt. Bei einigen wird das allerdings stark befürchtet. Mehr Angst haben die meisten jedoch dabei erwischt zu werden, wie sie sich eine Kirsche oder eine Erdbeere in den Mund stecken. Denn eines ist trotz Mitgliedschaft strengstens verboten: Essen vor dem Zahlen. Als Gast darf man übrigens nach Anmeldung mit Reisepass gern mit hinein, in die Kooperative. Kaufen jedoch darf man nichts. Erinnert mich ein bisschen an die Intershops in der DDR, wenn man keine Forumschecks oder kein Westgeld hatte. Dann durfte man staunen. Aber nichts kaufen.

Abschied vom Dach

DSC_9847 (2)Wie schnell doch immer wieder die Urlaubstage vergehen. Acht Tage New York sind vorbei und wir machen uns langsam auf den Weg in Richtung Flughafen Newark. Zum Abschied durfte ich den Brooklynern in Park Slope noch aufs Dach steigen und konnte so dieses Abschiedsfoto schießen. Ein Blick, der ähnlich exklusiv ist, wie das Wohnen hier in diesem Viertel. Wir werden es vermissen und sind uns ziemlich sicher, dass wir zurückkehren werden. Nach einer Woche New York alternativ geht´s nun back to Berlin. Was wir hier noch alles erlebt haben, später an dieser Stelle.

Italien? Frankreich? Nö. New York!

DSC_9018 (2)Im ersten Moment dachte ich, ich träume. Oder bin ich gar nicht in New York? Was ist passiert? Die Aliens haben mich entführt und hernach an einem falschen Ort wieder abgesetzt. So musste es sein. Das konnte ja nicht Manhattan sein. Kopfsteinpflaster und so schicke kleine Häuschen ganz aus Holz. Und doch – wir waren immer noch in N ew York. In Washington Heights, um genau zu sein. Ganz im Norden von Manhattan befindet sich dieses Viertel, gleich hinter Harlem. Und dort, am höchsten Punkt, befindet sich die Morris-Jumel Mansion und eben jene Straße, die uns in Gedanken in den europäischen Süden versetzt hatte. So ein kleines bisschen unglaublich und irre. New York eben.

Badekappe Pflicht

IMAG3244Unser Besuch in New York ist in diesem Jahr nicht nur ein Besuch in New York, sondern vor allem ein Besuch bei Freunden. Die Familie aus Berlin lebt hier seit einem Jahr mit zwei Kindern in einem Brownstonehouse in Park Slope. Das ist ein nette Gegend in Brooklyn, in der Nähe vom Prospect Park. Hier lebt man nicht so hektisch wie in Manhattan, muss aber dennoch auf keine Annehmlichkeiten verzichten. Beide Freunde sind journalistisch tätig, die Kinder gehen zur Schule und Spielen Fuß- und Basketball. An den Wochenenden erkundet die ganze Familie Stadt und Umgebung mit Bahn, Mietwagen oder Fahrrädern.

Und so haben sie natürlich ein ganz anderes Bild vom Big Apple, wovon wir profitieren. Denn statt Timesquare, 5th Avenue, Highline oder Staten Island Ferry gibt es dieses Mal Bed Stuy, Bushwick, Brighton Beach, North Harlem, Bronx, IKEA-Fähre, Red Hook und andere Ziele, die wir allein wohl eher nicht aufgesucht hätten. Die Idee dazu stammt natürlich auch von uns, haben wir doch inzwischen das „normale“ Touristen-New-York zur Genüge gesehen. Da wäre jeder Manhattan-Besuch reine Zeitverschwendung – mit Ausnahmen natürlich. Außergewöhnlich und nur möglich mit Freunden hier aber ist z.B. ein Besuch der Schwimmhalle des YMCA.

Der YMCA hier am Prospect Park längst nichts mehr mit seinem Namen zu tun. Zumindest das Y vorn für youth stimmt auch hinten nicht mehr. Ins YMCA auf der 9th Street geht man Schwimmen, zu Pilatis oder Yoga.Im Umkleideraum steht der muskulöse junge Schwimmer neben dem eher dürren Senioren, der hier zum Wasser-Aerobic angetereten ist. Daneben ein Typ in meinem Alter, wir kommen sofort ins Gespräch. Seine Eltern stammen aus Polen, er wäre aber noch nie dort gewesen. Ich schon, sage ich und er will wissen, wie es dort so aussieht. Vielleicht werde ich es doch noch einmal schaffen, sagt er, nachdem ich ein paar polnische Urlaubserlebnisse ausgekramt habe.Er wünscht mir noch einen schönen Tag und einen sicheren Aufenthalt hier.

Was sofort auffällt – hier hilft jeder jeden. Ob es ein Problem mit dem klemmenden Schloss am Schrank gibt, mit der Dusche oder dem rutschigen Weg zum Pool in den Keller. Jeder ist für jeden da, alle sind freundlich, zuvorkommend und besorgt um den jeweils anderen. Etwas, das den Deutschen dermaßen fremd geworden ist, dass es einen manchmal gruselt.

Handtücher gibt´s beim YMCA aufs Haus, Gäste mit ID dürfen nach Registrierung kostenlos rein und auf den sieben Bahnen im 25-Meter-Schwimmbecken herrscht Ordnung. Nicht wie in Deutschland, wo jeder seine Kreuz-und-Quer-Bahnen schwimmt oder watet. Hier hat jede Bahn ihr Tempo. In der ersten dürfen Erwachsene nach ihrem Gusto schwimmen. Die  nächste Bahn ist für langsame Schwimmer reserviert und so setzt sich das fort bis hin zu den schnellen Sportlern. Jeder kann vorher schauen, welches Tempo zu ihm passt und sich dann entscheiden. Geschwommen wird zu zweit hin und her, jeder auf seiner Seite. Kommt ein Dritter hinzu, wird im Kreis geschwommen, so dass niemand den anderen behindert. Klare Regeln. Und die enden nicht beim Tempo. Badekappe ist hier Pflicht. Wer keine hat, dem wird eine Original-YMCA-Kappe übergeholfen. Springen vom Rand ist verboten wie auch das Kauen von Kaugummi. Aber wer macht das auch schon beim Schwimmen?

Schwimmen beim YMCA – mein erstes Alterbativ-Erlebnis in New York 2016. Weitere folgen an dieser Stelle.

LIEBLINGSPLATZ APTERA

Mein Favorit auf Kreta

Festos, Knossos, Gortis – wie sie auch alle heißen mögen, meine  Lieblingsausgrabungsstätte ist noch gar nicht so richtig eröffnet und doch mag ich sie jetzt schon. Kein Beton, nur alte Steine und Zeichnungen, wie es gewesen sein könnte. Aptera. Das gefällt mir. Mal ganz abgesehen vom Blick auf die Bucht von Souda.

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Im Vordergrund Reste der 3000 Jahre alten Stadtmauer, gegenüber das türkische Kastell von Aptera

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Statt Knossos-Beton eine Zeichnung, wie es gewesen sein könnte, vielleicht war hier das Stadt-Tor…

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3000 Jahre alte Steine und ein phantastischer Blick auf die Bucht von Souda

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Der untere Teil der Ausgrabungsstätte

Oberhalb des „Stadt-Tores“ liegt die eigentliche Ausgrabungsstätte von Aptera

 

GESCHICHTEN VOM STIER: KNOSSOS

Warum ich einen Besuch in Knossos nicht empfehle. Es sei denn, man wählt den englischen Führer

Knossos. Da muss man mal gewesen sein. Sagen die meisten. Denken tun das zumindest die meisten. Wieviele schon da waren? Keine Ahnung. Millionen sicherlich. Nun gehöre auch ich zu den Knossos-Besuchern und habe im Nachhinein jede Minute bereut. Hätte ich doch währenddessen am Strand gelegen oder am Pool oder wäre zu anderen Ausgrabungsstätten gefahren, wo man mir nichts vom Pferd, ähm vom Stier, erzählt. Dass im Palast der Minoer nicht alle Steine so aufeinanderstehen wie einst, war mir vorher bekannt. Alte Steine und neue „So-könnte-es-ausgesehen-haben“-Bauten. Muss man nicht mögen. Kann man aber hinnehmen.

Ein angemalte Betonsäule auf 3000 Jahre alten Steinen

Ein angemalte Betonsäule auf 3000 Jahre alten Steinen

Geplant hatte ich ein Besuch Heraklions, während sich die anderen Knossos geben. Doch Heraklion hat mir keinen Parkplatz geönnt. Weder in einem der Parkhäuser, noch auf einem der offiziellen Parkplätze, noch in den Straßen, noch am Stadtrand. Nach einem Kurzbesuch am Flughafen (Freund zum Flieger bringen) gurkte ich eine Stunde lang durch die Stadt, bis aich aufgab und mich der Knossos-Gruppe anschloss. Nach kurzer Diskussion entschieden wir uns für eine deutsche Privat-Guide, eine griechische Dame um die 60 mit Deutschkenntnissen sowie Knossos-Kenntnissen, Stand 1950. Zunächst eine Einführung in die griechische Mythologie, geschenkt. Wenn mich das auch schon nervte. Ich dachte immer, wer nach Knossos fährt, hat sich zuvor über die Geschichte infomiert. Nicht? Dann habe ich mich wohl geirrt. Dann begann der Rundgang über die Reste des Palastes, der wirklich einmal ein ganz großer gewesen sein muss. Beeindruckend die alten Treppen, die 3000 Jahre alte Wasserversorgung, die Zisternen, die Kanalisation, die erhaltenen Ausgrabungsstücke. Erschreckend die mit Sperrholz oder Gittern verrammelten Kellerräume oder was auch immer sich dahinter verbirgt.

Sperrholzverschlag im Palast von Knossos

Sperrholzverschlag im Palast von Knossos

So gar nichts für mich waren dann die Betonbauten, die Mister Evans auf das alte Gestein gekracht hat. In seiner Zeit war er sicher ein Pionier, aus heutiger Sicht hat er jedoch vieles vermasselt. Dafür können natrülich die Knossos-Guides nichts. Aber erwähnen hatte die Dame es doch können. Erwähnen hätte die Dame auch sollen, dass es inzwischen etliche Alternativ-Versionen gibt. Dass das Erdbeben von Santorini und der folgenden Tsunami nicht unbedingt die Ursache der Zerstörung gewesen sein muss. Dass eine fehlenden Palastmauer daraufhin deutet, dass es eventuell gar kein Palast gewesen ist. Dass unter dem Palast Nachweise für neolithisches Leben gibt. Dass das Wort labrys aus Kleinasien stammt und auf Kreta nicht bezeugt ist und damit die Doppelaxt zwar wirklich labrys hieß, jedoch keine Verbidnung mit dem Wort Labyrinthos hat und somit der Palast nicht das Labyrinth des Minotaurus gewesen sein kann/könnte.

Kein Wort darüber. Stattdessen bei jedem Ortswechsel während der Fürung der Satz: „Ja, genauso ist das damals gewesen.“ Eben nicht. So könnte das gewesen sein. So jedenfalls hat dies der englische Guide erzählt, der mehrfach mit seiner Gruppe direkt neben uns stand. So hätte ich mir das auch gewünscht. So hätte es mir vielleicht ein wenig gefallen. Mal ganz abgesehen davon, dass es doch recht voll war. Möchte nicht wissen, was sich zwischen Mai und September täglich dort duchquält.

 

Bootstour

Mit Bootsvermietern auf Kreta ist das so eine Sache. Es gibt ein paar Yachtcharterer, die ihre Segel- und Motoryachten wochenweise vermieten. Tagescharter ist schwierig. Aber dank Susanna, der Verwalterin unserer Ferienvilla, haben wir im Süden der Insel einen Vermieter gefunden, der uns ein Boot vermietet. Morgens um neun starten wir von Plaka aus gen Süden, um elf sitzen wir in Chóra Sfakion im Boot und tuckern mit 30 PS und gemütlichen acht bis 14 Stundenkilometern gen Westen. Vorbei an diversen Buchten und Stränden, die man nur mit dem Boot oder über beschwerliche Wanderwege erreichen kann. Das Ziel heißt Agia Roumélie, wo die Samariáschlucht beginnt oder auch endet.

An der Südküste Kretas entlang Richtung Westen

An der Südküste Kretas entlang Richtung Westen

Am Ziel angekommen entern wir die drittbeste Taverne am Ort und lassen uns Salate und Bier schmecken. Wir sind die einzigen Gästen, die Saison ist hier längst vorbei und die Wanderer, die die Schlucht bezwingen, sind noch nicht angekommen. Rush Hour ist hier eher am Nachmittag. Da könnte man meinen, man würde besonders schnell und zuvorkommend bedient, aber das Gegenteil ist der Fall. Die zwei Kellner und eine Kellnerin versuchen mehrfach, uns zu ignorieren oder vielleicht gehört das hier ja auch zum guten Ton. Glücklicherweise ergeht es uns anderswo viel besser, so dass wir diesen kleinen gastronomischen Fauxpas schnell vergessen. Auf der Rücktour machen wir kurzen Halt im Hafen von Loutro, wo wir unser kleines Sieben-Meter-Boot kurzerleine am Fähranleger festmachen. Die Blicke der anderen Touristen sind uns sicher und wir  legen nach einem kurzen Rundgang wieder ab. Das Nest macht von Weitem einen beschaulichen Eindruck, ist jedoch bei näherer Betrachtung eine touristische Gelddruckmaschine mit einer Taverne neben der anderen. Nicht unser Ding.

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Loutró kann man nur mit dem Boot erreichen, keine Straße führt dorthin. Leider ist es inzwischen etwas Touri überlastet.

Der schönste Teil unserer Tour am dem Libyschen Meer kommt kurz vor dem Ende an einem Süßwasserstrand. Süßwasser? Hier? Natürlich ist es immer noch Salzwasser, auf dem wir fahren und in dem wir schwimmen, aber durch den Kies in Strandnähe strömt eiskaltes Süßwasser. Der Strand ist einmalig, denn auch nur mit dem Boot oder zu Fuß zu erreichen und zur Hälfte für FKK-Fans reserviert. Außer uns tummeln sich nur noch ein paar (Wassser)Wanderer auf dem paradiesischen Fleckchen.

Am Strand von Glyka Nera strömt Süßwasser durch den Kies. Zu erreichen nur mit Boot oder auf einer Wanderung zwischen Chóra Sfakion und Loutró.

Am Strand von Glyka Nera strömt Süßwasser durch den Kies. Zu erreichen nur mit Boot oder auf einer Wanderung zwischen Chóra Sfakion und Loutró.

Nach der Bootsrückgabe und dem Auftanken (18 Liter Sprit haben wir verbaucht), geht es mit den Autos zurück nach Pláka, jedoch mit einem kleinen Umweg über Frangokastello, wo wir das 1371 erbaute Kastell besuchen. Viel zu sehen gibt es nicht, dafür sind die Ausblicke vom 1593 von den Venezianern restaurierten Turmes nicht zu verachten. Die Weißen Berge (Lefká Óri) präsentieren sich im goldsonnigen Spätnachmittagslicht und wir können uns kaum lösen von diesem Anblick. Ein Urlaubstag nach Maß, so soll es sein.

Blick vom venezianischen Kastell auf die Lefká Óri

Blick vom venezianischen Kastell auf die Lefká Óri

KRETA

Angekommen

22/10/2015

Nun ist schon eine Woche auf der griechischen Insel vergangen und dies ist erst der erste Eintrag ins Reiseblog. Nun, das hier vorhandene Internet war bisher nicht wirklich vorhanden, so dass ich Euch erst heute mit Eindrücken und Fotos von der Insel versorgen kann.

Angekommen letzten Freitag nach einem guten Flug mit Aegean Airlines über Athen. Witzig und angenehm war der Flug von Athen nach Chania – zum einen gab es ein Upgrade in die Business, zum anderen dauerte der Flug lediglich 30 Minuten. Bis wir dann in unserer Villa in Plaka waren, hat es dann doch noch gedauert, so dass wir im Dunkeln unser Ziel erreichten. Dank Navi kein problem, allerdings zweifelten wir auf den letzten 200 Metern, ob wir denn richtig sind – es ging dermaßen steil nach unten, dass wir Sorgen hatten, mit dem Auto nie wieder nach oben zu kommen. Aber alles war richtig und unser Skoda Yeti bringt uns seitdem auch immer wieder nach oben. Die Villa selbst besteht aus zwei Häusern, so dass unsere Freunde in der eigntlichen Villa wohnen und wir das sogenannte Poolhaus bewohnen – ein Häuschen mit Schlafzimmer, Küche und zwei Bädern. Bis zum Pool sind es, wie der Name schon vermuten lässt, lediglich wenige Schritte.

Anflug mit Aegean Airlines auf Kreta (Blick von Business-Class-Reihe 3)

Anflug mit Aegean Airlines auf Kreta (Blick von Business-Class-Reihe 3)

 

 

 

 

 

Der Samstag verging dann zwischen Sonnen- und Poolbaden und Einkaufen und relaxen. Am Sonntag dann stieß noch ein guter Freund aus Dresden dazu, der uns für ein paar Tage Gesellschaft leisten wollte. Nach einem Tag Nichtstun wurde es dann auch Zeit für eine ersten kleine Wanderung. Also auf nach Doulianá, eine Autofahrt von etwa 20 Minuten. Der kleine Ort empfängt uns nett und verschlafen, eine kleine Taverne hier, ein nobles belgisches Lokal dort und mittendrin die Häuser der Einheimischen. Am Ortsrand ein Ortsteil scheinbar nur mit Ferienhäuser bzw. -villen, die aber nicht bewohnt sind. Überall sind die Fensterländen geschlossen und wir sehen keine Menschen in den Straßen.

Die Rundwanderung startet auf einem schmalen Maultierpfad und windet sich bis ins Tal, wie wir auf eine kleine Höhlenkirche treffen, die dem Agios Ioannis, dem Heiligen Johannes, gewidmet ist. Drinnen ist es angenehm kühl, draußen gefühlte 30 Grad. Wir schlendern weiter durchs Tal und kommen an etlichen Oliven- und Avocadoplantagen sowie an Weinreben und Zypressen vorbei. Hier und da steht eine typisch griechische Bauruine, Häsuer, die wegen des hier nicht existenten Baurechts fünf jahre illegal vor sich hingsammeln, damit sie danach Gewohnheitsrecht und somit legalen Status bekommen. Immer wieder sind es auch Häuser, in denen das Erdgeschoss bewohnt, das zweite jedoch im Rohbau ist. Denn die 5-Jahre-Warten-Vorschrift gilt für jede einzelne Etage.

Irgendwo am Ende verlaufen wir uns, da die Beschreibung im Reiseführer etwas unklar ist – „an der Wasserleitung ohne Nummer rechts und gleich wieder rechts“. Am Ende aber finden wir den Weg zurück und landen durch Zufall in einer weiteren örtlichen Taverne am hinteren Ortsrand, wo wir ein eiskaltes FIX bekommen, ein sehr leckeres Bier. Natürlich testen wir auch die Speisekarte und beschließen, hierher zurückzukehren, denn das Essen ist herausragend.

Was aussieht wie ne Straßenlaterne ist unsere Pooldusche, kurz nach Sonnenuntergang

Was aussieht wie ne Straßenlaterne ist unsere Pooldusche, kurz nach Sonnenuntergang

 

Bootstour

Mit der Waterspoor auf Sonntagstour

20/09/2015

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Spiegelglatter Kanal – besser kann man kaum durch die Landschaft gleiten

Das war sie also – unsere erste Tour mit einer Sloepen, einer holländischen Tender-Schaluppe. Die Daten: 7,11 m lang, 2,50 m breit, Tiefgang 55 cm, 85-PS-Nanni-Einbaudiesel (SBF Binnen notwendig). Edle Verarbeitung des Decks und der Polsterungen nebst Kühlfach (Aggregat) inklusive. Kurz vor 9 Uhr waren wir an der Marina Havelbaude in Hohen Neuendorf angekommen, kurz nach neun steuerten wir schon auf der Havel Richtung Oranienburg/Pinnow. Die Steuerung einfach, die Sloep folgte jedem Ruderschlag sofort. So macht Bootfahren Spaß. Das Wetter war uns (noch) hold, die Landschaft herrlich anzusehen. Die drei Schleusen bis zum Kremmener See waren kein Problem, wir waren fast allein unterwegs. Gegenverkehr Hinfahrt: drei Boote. Rückfahrt: fünf Boote (auf insgesamt 31 km pro Strecke).

Alles ging glatt, so glatt wie das Wasser unter uns. Der Ruppiner Kanal wie ein Spiegel zwischen dem Grün der Wiesen und Wälder ringsum. Punkt 13 Uhr passierten wir den Kremmener See, wo wir einen unserer Mitfahrer wieder einsammelten. Dieser hatte es vorgezogen, die 15 Kilometer von Schleuse Oranienburg/Tiergarten bis dahin zu joggen (er war ne halbe Stunde vor uns da). Wegen einer lautstarken Seniorenveranstaltung ließen wir das Lokal dort jedoch links liegen und fuhren lieber noch ein Stück weiter auf dem Ruppiner Kanal bis kurz vor Linum (siehe Karte). Dort erwischte uns dann doch noch der Regen (siehe unten). Ein halbe Stunde wurden wir von oben recht nass, glücklicherweise hielten Verdeck und Bimini einiges ab. Zudem hatten wir reichlich Proviant (fest und flüssig) an Bord, so dass wir auch das gut überstanden. Am Kremmener See kam die Sonne zurück und mit ihr phantastische Ansichten. Ein wunderbarer Tag mit Freunden auf dem Wasser. Das gibt ne Wiederholung.

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Unsere Strecke von Hohen Neuendorf über Oranienburg, Pinnow, Kremmen bis zum Linumhorst und wieder zurück. Fahrtzeit: 9 bis 19 Uhr

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Warten vor der Schleuse. 8 km/h sind im Kanal erlaubt.

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Und wieder Warten auf grünes Licht zum Einfahren in die Schleuse. Drei Schleusen gibt es auf dieser Strecke, Tiergarten und Hohenbruch schleusen nur zur vollen Stunde und pausieren 13 Uhr.

Waterspoor 711

Der Steuerstand der Sloepen: Ruder, Gashebel, Raymarine mit Tiefe und Geschwindigkeit, Drehzahlmesser/Betriebsstunden, Temperatur, Öldruck, Betriebsspannung, Tankanzeige (Diesel ist inkl.)

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Unser Proviant: Pflaumenkuchen, Käse, Stracke, Brot, Wasser, Kaffee und Wein

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Die beste (Über)Sicht hat man achtern im Stehen auf der Badeplattform

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(Pinkel)Pause auf dem Kanal

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In der Schleuse

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Landschaft, Landschaft, Landschaft…

The Forgotten Coast

Oktober/November 2013

Berlin-Atlanta-Dothan

P1030387Ein Flug, der wie im Fluge verging (ich weiß, der Witz ist alt, aber er passt so schön). Dank meines Docs hatte ich diesmal ein paar Pillen einstecken, die mich für dreieinhalb Stunden Flug in den Schlaf geschickt haben. Somit waren die knapp zehn Stunden von Frankfurt bis Atlanta schnell überstanden. Start, Getränke, Essen, Getränke, dazu die neue Pearl-Jam-Scheibe im Ohr, dann schlafen, dann Getränke, Essen, Getränke, Landung. So schnell war ich (gefühlt) noch nie in Amerika. Wie gewohnt eine Stunde Warten dann an der US-Immigration, besonders dank einiger Deutscher, die nicht einmal die paar Worte Englisch drauf hatten, um ordentlich einreisen zu können. Fremdschäm. Dann noch einmal 20 Minuten Schlangestehen beim Autovermieter und dann stand der vor uns, unser Ford Escape Ecoboost und los ging es Richtung Mexico Beach.

300 Meilen, das war natürlich nicht zu schaffen am Abend. Also Stoppover in Columbus, dort für schlappe 39 Dollar ein Motel genommen. The Colony Inn erinnerte uns ein wenig an das Royal Scotsman in Spokane. Nur we einmal dort gewesen ist, weiß wovon wir reden. Für alle anderen: Ein sauberes aber total abgefucktes und vor allem verrauchtes Zimmer mit nem Mini-Doppelbett und Bettdecken, bei denen man sich wünschte, man hätte den Schlafsack mitgenommen. Aber für 39 Dollar… Außerdem war die Nacht schnell vorbei, der Jetlag (und das Zimmer) trieben uns morgens gegen 7 Uhr aus dem Bett und wieder on the road Richtung Florida.

Zwischenstopp in Dothan, eine eher unspektakuläre Stadt, dafür aber mit einem Dennys und dem Nationalen Erdnussfestival der Staaten. Das ist aber erst in zwei Wochen. Dennys hatte aber geöffnet und so gab es das erste American Breakfast – Käseomlette mit Schinken und Bacon und Kaffee und Orangensaft. Und dem Gefühl, in Amerika angekommen zu sein. Beim mittlerweile achten USA-Besuch sind es eben solche Kleinigkeiten, die einem vermitteln, dass man angekommen ist.

Dothan-Panama City Beach-Mexico Beach

mbb01Weiter ging es Richtung Süden. Bald schon kam die Grenze von Alabama zu Florida – und damit der Regen. Florida und Regen, was soll das? Nun, wir saßen ja im Auto und so störte das Wasser von oben nicht all zu sehr. Auf alle Fälle waren wir zu zeitig dran, um schon unser Ferienhaus beziehen zu können. Kurzerhand entschlossen wir uns für einen kleinen Umweg über Panama City Beach. Dort hätten wir, wenn wir denn gewusst hätten, wo genau, noch einen Live-Krimi miterleben können. Denn just als wir dort waren, wurden zwei Entflohene Mörder, bzw. zwei, die sich mit gefälschten Papieren selbst entlassen hatten, in einem Motel gefasst. Aber davon haben wir dann doch nichts mitbekommen. Erst in den Nachrichten am Abend erfuhren, was dort geschehen war.

Nach einem kurzem Stopp und der Erstbesichtigung des Strandes am Golf von Mexico (weißer Strand, Sand fein wie Puderzucker) steuerten wir den nächsten Winn Dixie an, um die Grundausstattung für unsere Ferien zu kaufen. Brot, Butter ( I can´t believe it´s not Butter), Käse, Schinken, Roastbeef, Marmelade, Milch, O-Saft, Wodka und Bier. Und dann, als wir den Supermarkt verließen, kam die Sonne hinter den Wolken hervor uns wir spürten, was Floridas Sonne Mitte Oktober vermag. Es wird also heiß hier. Mit der Sonne am Himmel und der Grundausstattung im Kofferraum ging es dann via der Tyndall Airforce Base nach Mexico Beach. Im Büro des Vermieters wurden wir freundlich empfangen und hielten zehn Minuten später die Schlüssel für unser Ferienhaus in der Hand. Noch einmal fünf Minuten später waren wir dann endlich da – im Sea Nest, unser Home für die nächsten 14 Tage.

Port St. Joe

songwriter01aDas Haus – ein Traum. Unten Wohnzimmer, Küche (ein Traum für Hobbyköche weil komplett ausgestattet inkl. scharfer Messer und einem typisch amerikanischen XXL-Kühlschrank, der unaufgefordert Eiswürfel zubereitet, sobald man welche herausgenommen hat), Schlafzimmer mit XXL-Doppelbett, Bad, zweites Wohnzimmer, Terrasse mit Grill sowie in der zweiten Etage bzw. auf der Galerie ein zweites XXL-Doppelbett und ein weiteres Bad. Geschmückt ist das „Sea Nest“ mit allerlei Holz- und Keramikfischen, sehr anspruchsvoll gestaltet. Wir fühlen uns auf Anhieb wohl und richteten uns ein. Dann ging es, logisch, direkt zum Strand, der etwa 100 Meter von unserem Haus entfernt ist. Auch hier der Sand weiß und fein, was laut Reiseführer daran liegt, dass hier die Wellen im Winkeln von 90 Grad auf den Strand treffen und somit die Sandkörnchen immer feiner geworden sind. Außerdem spült das Wasser den Schmutz heraus – übrig bleibt ein „Puderzucker“-Sandstrand. Nun wissen wir, warum dieser genaus so genannt wird. Als erstes zogen wir die Sandaletten aus und barfuß ging es den Strand entlang. Die Wellen umspielten unsere Füße und schnell wurde uns klar: Zum Abkühlen kann man hier nicht ins Meer gehen. Gefühlte 28 Grad Wassertemperatur, 25 sind es wohl gewesen.

Am Abend ging es dann in den Nachbarort Port St. Joe. Nach einem kurzen Besuch der Marina lauschten wir vier Songwritern, die zum Songwriterfestival Blast On The Bay gekommen waren. Das ganze unter freiem Himmel und Palmen und in T-Shirt und kurzen Hosen. So muss das sein.

Apalachicola

apalachicola01a spanischmoos01aWenn die Bäume einen Schleier tragen, dann ist es, zumindest in Alabama, Georgia und im Panhandle von Florida, Spanisches Moos. Ein Moos, das keines ist. Und warum überhaupt spanisch? Schuld haben die Franzosen. Sie nannten die Pflanze damals „Spanischer Bart“, weil sie so aussah wie die wuscheligen Bärte der Conquistadores, die in den Augen der feinsinnigen Gallier nicht sehr zivilisiert waren. Die Spanier sprachen bis dahin von „Hexenhaar“.  So also ist das Moss zu seinem Namen gekommen. Dabei ist es gar kein Moos. Glaubt man den Botanikern, ist diese Pflanze eher mit der Ananas verwandt. Sicher ist, dass es sich dabei um ein Bromeliengewächs handelt.

Dieses hängt nun auch hier in der Gegend von so manchen Bäumen, so auch in Apalachicola, wo es uns am Sonntag hin verschlagen hat. Ein Nest mit ein paar historischen Häusern, ein kleiner Hafen, einem jährlichen Sea Food Festival. Außerdem ist Apalachicola besonders bei Austern-Liebhabern bekannt und beliebt, weil man hier wohl die besten kaufen und essen kann. Wir haben das nicht getestet, dafür einen guten Kaffee in der Chocolate Company. Ein kurzer Besuch nur, aber doch interessant. Einige der Häuser dort erinnerten uns sofort an die Beschreibungen Mark Twains in Tom Sawyers Abenteuer.

Refill in Mexico Beach

P1030884Die ersten Sonnenstrahlen streichen jeden Morgen gegen 7 Uhr über den Strand von Mexico Beach. Noch schläft das kleine Städtchen am Golf von Mexico. Nur ein paar Angler machen schon ihre Boote klar, werfen am Strand ihre Netze aus, um Köderfische zu fangen. Auch ein paar Pelikane sind schon munter und fliegen ihre ersten Runden über Marina und Bay. Zwei Trucker trinken an der Tanke ihren Kaffee und schwatzen mit der Verkäuferin am Tresen übers Wetter und über Obama und über Geld. Wenn ich das richtig verstanden haben sollte. Und über neue Regeln beim „Refill“. Kostenloses Nachfüllen von Kaffee ist nur noch in die eigenen Thermobecher erlaubt. Wer einen Kaffee im Pappbecher kauft, darf dies nicht. Nicht mehr. Bis letztes Jahr sei dies noch möglich gewesen, sagt die Frau hinterm Tresen und erklärt, warum es neue Regeln gibt. Nicht etwa, um Kaffee-Kunden zu schröpfen oder sie zum Kauf eines Thermobechers zu bringen, sondern weil es wieder einmal einen erfolgreichen Streit vor Gericht gegeben hat. Da hatte sich ein Trucker mit Kaffee verbrüht, weil der Pappbecher nach dem dritten Auffüllen sich aufgelöst hatte.

Im Shop der Marina sitzt währenddessen Marlon und sortiert neue Angeln ins Regal. „Yes, you can rent a boat“, beantwortet er meine Frage. Allerdings müsse man dazu nach Port St. Joe fahren, dort sei die Verleihstation. Hier, in Mexico Beach, gäbe es ausschließlich Privatboote. Aber auch da könne man den einen oder anderen fragen, ob man mal mitfahren könne. Nun, bis Port St. Joe ist es ja nur ein Katzensprung, also werden wir dort ein Boot mieten. Heute oder morgen oder dieser Tage. Wir müssen ja nicht hetzen, wir haben schließlich Urlaub.

Tallahassee

tallahassee01aDa gab es doch diesen Hit, der sogar in der tiefsten Ostzone bekannt gewesen ist und an den sich sogar die Puhdys auf ihrer Rock´n´Roll-Platte gewagt haben: Tallahassee Lassie. Hab grad heruasgefunden, dass der Song sechs Jahrfe älter ist als ich selbst. Nun, nicht nur der SOng war Anlass, auch die Stadt einmal zu besuchen. Tallahassee ist natürlich auch die Hauptstadt von Florida. Aber eben, wie so manch andere State-Capitol, eher unscheinbar und klein. Downtown Tallahassee hatten wir nach 20 Minuten abgelaufen. Etwas piefig, wie so viele US-Museen, das Museum im alten Capitol. ABer zumindest sieht das noch gut aus, wie man sich eben ein Capitol in den USA vorstellt. Ganz im Gegenteil zum neuen Senatssitz – ein 22stöckiger Betonklotz. Immerhin kann man in die höchste Etage fahren und bei einem Rundblick feststellen, dass Tallahassee zwar klein, dafür aber sehr grün ist. Eigentlich sind es Häuser mitten im Wald, die verstreut um das Capitol stehen. Hier ein Highway, dort eine Kirche. Aber immer alles mitten im Wald oder vo diesem umgeben. Tallahassee – nicht eben ein Ziel für Massentourismus, so begegneten genau zwei anderen Touris während unseres gesamten Aufenthaltes dort. Die zwei aber trafen wir dafür drei Mal. Die Fahrt in  Floridas Hauptstadt bescherte uns dafür aber ein ganz anderes, besonderes Erlebnis. Auf dem Rückweg an der Golfküste entlang Richtung Westen fuhren wir in den Sonnenuntergang hinein. Welch ein Anblick. Wow.

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Fahrt in den Sonnenuntergang bei Apalachicola

Muscheln

Ein Tag am Meer. Erholung pur. Die Sandaletten hatten wir gestern im Auto gelassen und sind gleich barfuß zum Strand gelaufen. Und immer weiter Richtung Westen. Der Strand hier, zwischen Mexico Beach und der Wild Goose Bay, weiß und breit. Und vor allem – leer. In den insgesamt vier Stunden, zwei hin, zwei zurück, sind und insgesamt sechs Menschen begegnet. Also eigentlich niemandem. Die anderen, wie auch wir, nebenbei auf der Suche nach besonders schönen Muscheln. Ein paar kleinere hatten wir ja schon die Tage vorher eingesammelt. Aber so eine richtig große fehlte noch in unserer Sammlung.

beachbase01aDann, mittendrin auf einmal ein Schild. Tyndall Airforce Base. Weiter nur mit Erlaubnis. Haben wir die? Haben wir nicht. Aber weitergelaufen sind wir trotzdem. So schlimm kann´s ja wohl nicht sein. Wenn die US-Army nicht will, dass man etwas sieht, ist meistens ein Zaun davor. Hier ist kein Zaun. Nur ein Schild. Also weiter.

Wir liefen dann mal im Wassser, mal auf dem trockenen Strand, beobachteten Pelikane und anderes „Fliegendes“. Unter anderem natürlich auch ab und an mal ein, zwei Navy-Jets, die über unseren Köpfen in Richtung Airforce Base dröhnten. Teilweise mit seltsamen Geräuschen, wie ein lautes Quietschen. Keine Ahnung, was das ist.

muscheln01aMuscheln haben wir dann jedenfalls noch gefunden. Und Sanddollars. Genug fürs Rückreisegepäck. Ein Tag am Meer. Das war einfach schön. Richtig perfekt wurde der Urlaubstag gestern mit einem Sundowner in der Tiki-Bar vom Toucan`s. Ein Drink, ein Bier, eine Wedding-Reception-Party und die untergehende Sonne. Perfekt.

sundowner01aSundowner at the Toucan´s

Santa Rosa Beach

santarosa01aNatürlich gibt es sie auch hier. Die Strände der Schönen und Reichen. Auf dem Rückweg von Destin (Kieken und Shoppen) haben wir einen solchen gestern gesehen. Santa Rosa Beach. Das Ahrenshoop, oder besser noch das Kampen, der Golfküste Floridas. Golfplätze neben Luxusvillen, noble Strandhäuser hinter teuren Restaurants. Strandbars, in denen sich die Damen ab Nachmittag mit Mojitos und Margaritas die Kante geben. Der Rasen ist kurz geschoren, die Straßen Palmen gesäumt, das Tempolimit 25 mph. Im Supermarkt gibts Pasta und Trüffel aus Italien, Olivenöl aus Kreta und eine Auwahl von Singlemalts, von der so mancher Whiskeyshop in Deutschland nur träumt. Am Strand warten teuer aussehende Liegestühle nebst Sonnenschirmen auf ihre Nutzer. Eins unterscheidet den Strand in Santa Rosa Beach jedoch von vielen anderen Nobelstränden: Er ist öffentlich. Und somit können auch wir zum Strand und kieken, wie es dort so ist. Und wie ist es dort? Auch nicht anders als hier in Mexico Beach. Der Sand am Strand genauso weiß und fein wie hier, das Wasser genauso warm. Nur etwas voller war´s dort am Beach. Und das Eis, ja das Eis, war wirklich etwas Besonderes: Orange-Lemon-Blast-Sorbet. Lecker.

icesream01aOrange-Lemon-Blast-Sorbet

Spareribs

Mein erster USA-Urlaub. Das war 1992 und ich kann mich noch ziemlich genau erinnern: Das Bier – eine Katastrophe. Das Essen – naja. Da hat sich inzwischen einiges geändert. Es gibt in den USA soviele Brauereien wie sonst nirgendwo, es gibt trinkbares Bier, sogar einige Sorten. Solange man die Klassiker Bud Light und Bud Ultra ultra Ice Light links stehen lässt, kann man gutes Bier trinken. Sogra Hefeweizen gibt es. Ähnlich beim Essen. Während ich 1992 kaum ein normales Restaurant gesehen, geschweige denn betreten, hatte (das lag wohl auch am schmalen Geldbeutel), isst man nun ganz anders. Ein Fish House hier, ein Diner dort und manches Mal auch ein Steakhouse. Oder eben das Toucan`s hier in Mexico Beach. Ein Strandrestaurant mit Blick auf den Golf, eine Bar mit dem besten Blick auf den Sonnenuntergang. „Sunset is the Best we have“, sagte Candy, unsere Kellnerin beim ersten Besuch. Ich bin da anderer Meinung. Das Beste, was das Toucan´s zu bieten hat, sind die Spareribs. Genauer gesagt die Baby Back Ribs. Zweimal schon hatte ich das Gaumenvergnügen, ein „Fullrack“ verzehren zu dürfen. Man, das hat Klasse. Das Fleisch löst sich fast von allein von den Knochen und zergeht auf der Zunge. Ein Fest für die Sinne. Und für die Portionsgröße und diesen Geschmack sind $ 18,99 (13,77 Euro) geradezu ein Schnäppchen.

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Spareribs vorher und nachher…

Mucke

Normalerweise haben wir auf unseren Rundtouren durch die Staaten immer ausreichend Mucke auf CDs mit. Damit man beim fahren eben die richtige Mucke hat. Denn wenn man hier unterwegs ist, wechseln nicht nur ständig die Radiosender, sondern viele von denen spielen auch ganz schön viel Country, der mit einigen Ausnahmen, doch dem Schlager bei uns sehr nah ist. Aus diesem Grund werden vor den Urlaubswochen immer fleißig CDs gebrannt.

Wenn man aber das Glück hat, sich mehr oder weniger an einem Ort zu bewegen und es dort dann auch noch einen guten, oder auch zwei gute, Sender gibt, dann macht es den CD-Player fast überflüssig. Wir empfangen hier Classic Rock Radio Panama City sowie Oyster Radio. Beide sind hörbar und selten nervig. Heute früh, auf dem Weg zum Supermartk und zurück, spielte Classic Rock folgende Titel, unterbrochen nur von kurzen Statements zu Obama und dem Wetter:

We Will Rock You/We Are The Champions (Queen), Against The Wind (Bob Seeger), Dont Fear The Reaper (Blue Oyster Cult), Mother (Pink Floyd), Hurts So Good (John Mellencamp), Sultans Of Swing (Dire Straits), Born To Run (Bruce Springsteen) sowie Days Like This (Van Morrison). Viel besser hätte ich eine CD auch nicht zusammenstellen können.

Cape San Blas

Das Paradies – es liegt etwa 30 Meilen entfernt von unserem Fereinhaus in Mexico Beach. Das Paradies – Cape San Blas. Ein Statepark, der schon mehrfach die Goldmedaille geholt hat, dessen Strände zu den besten in den Staaten gehören. Eine Halbinsel im Golf von Mexico. Der nördliche Teil ist ein Statepark, also fast ohne Bebauung. Die Strände sind unberührt – das ist Natur pur. Und weil hier „the season over“ ist, hatten wir das Paradies fast für uns allein. Ein Traum von weißen Stränden, Dünen, smaragdgrünem Wasser und Ruhe. Ein bisschen wie Amrum, ein bisschen wie Rügen, ein bisschen wie der Darss. Aber eben noch unberührter. Und natürlich wärmer, inkl. des Wassers.

csb03a csb01a csb02aCape San Blas – unberührtes Paradies

Zeitzone

Es gibt ihrer vier in den USA, von der Eastern, über die Central, die Mountain bis hin zur Pacific Standard Time. Vier Stunden unterschied von der Ost- bis zur Westküste. Dort, wo die Eastern zur Central Time am Golf von Mexico wechselt, liegt Mexico Beach. Kommt man aus dem Osten in den Ort, überfährt man nicht nur die Line vom Gulf- zum Bay-County, sondern auch die Zeitlinie. War es eben im Supermarkt in Port St. Joe (der Nachbarort) noch kurz nach 9 Uhr, ist es hier nun erst nach acht.  Eine Stunde Unterschied auf ein paar Meilen. Ein seltsames Gefühl, obwohl es eigentlich in unserem Urlaub keine Rolle spielt. Die Einheimischen jedoch wissen das zu schätzen. Denn zur Silvesterparty zum Beispiel wird zweimal angestoßen. Zuerst trinkt man im Gulf-County einen aufs neue Jahr, eine Stunde später im Bay-County. zeitzone02a zeitzone01aBesonders beliebt ist dabei die Lookout Lounge, die direkt an der Zeitgrenze liegt. Dort geht man lediglich zwei Schritte in Richtung Westen, und schon ist man wieder im alten Jahr. Verrückt.

Wakulla Springs

Sie liegt mitten im Wald und sieht im ersten Moment unspektakulär aus: Die größte und ertragreichste Süßwasserquelle der Welt – Wakulla Springs. Das mag jedoch daran liegen, dass die Quelle in einer Höhle 360 Meter unter dem Wasserspiegel des Wakulla River liegt. Ein Empfangshäuschen, eine Lodge und ein paar gepflegte Rasenflächen ringsherum. Sieht eher aus wie Urlaub an einem gewöhnlichen Fluss im Wald. Geht man jedoch schwimmen (was ich getan habe), sieht das schon anders aus. Das Wasser ist 21 Grad warm und klar wie kaum anderswo. Und – das Schwimmen dort hat noch etwas Besonderes. Denn nur ein paar hundert Meter weiter schwimmen Alligatoren im gleichen Wasser. Getrennt lediglich durch eine Leine an der Wasseroberfläche. Komisches Gefühl. Und gleich nebenan, nur ein paar Meter daneben, drehen Manatees ihre Runden. Die Bootsfahrt dann war aber noch besser. Kaum zu glauben, dass man sich in freier Natur bewegt. Man könnte meinen, man würde durch einen Zoopark fahren. Neben seltenen Vogelarten gibt es Schildkröten zu sehen, Manatees und eben Alligatoren, die dort zuhause sind. Neben Cape San Blas der Höhepunkt in Nord-Florida.

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Schwimmen, wo die Alligatoren sind

Auburn Tigers

Der letzte Abend in den USA. Florida und unser schönes Ferienhaus verlassen und haben uns auf den Weg zum Airport Atlanta gemacht. Mit einem Stoppover in Auburn/Alabama. Der Universitäts-Ort ist Heimat der Footballmannschaft Auburn Tigers. Und alles hier in dem Städtchen scheint mit den Tigers verbunden zu sein. Und natürlich hatte das Team am Abend ein Spiel – gegen Arkansas. Und hat auch noch gewonnen. Mal davon abgesehen, dass in jeder Kneipe, jedem Restaurant, das Spiel übertragen und jeder Spielzug der Tigers lautstark kommentiert wurde, gab es dann auch noch die, wie wir erfuhren, traditionelle Sieges-Party. Bei dieser werfen Studenten und Fans Papierrollen über extra dafür gespannte Seile, die sich über der Kreuzung Toomer´s Corner befinden. Früher machten das die Fans in dem kleinen Wäldchen auf dem Campus. Doch das Entfernen des papiers aus den Bäumen war immer ein großer Aufwand. Was also macht eine Stadt wie Auburn? Genau – sie spannt Seile über einer Kreuzung, damit die Tradition fortgestezt werden kann. Die Polizei sperrt dann alle vier Richtungen für den Autoverkehr und ab gehts. papierrollen bis zum Abwinken fliegen in die Luft und schon nach wenigen Minuten ist Toomer´s Corner ein Papierwald. Dazu wird gesungen, geschrien, geklatscht. Man stelle sich einmal vor, eine deutsche Behörde würde über einer deutschen Straßenkreuzung für soetwas Seile spannen. Nein, eigentlich kann man es sich nicht vorstellen. Das ist eben die USA. Und das ist es eben (auch), warum ich, wir, immer wieder herkommen werden. Für diesmal heißt es Abschied nehmen. Good bye USA. See you soon.

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7 Kommentare zu “Reiseblog

  1. Pingback: Florida | berlinpankowblogger

  2. Pingback: Angekommen | berlinpankowblogger

  3. Ich sag’s ja: ohne eigene Kaffetasse im Auto läuft heutzutage immer weniger! Und die kann man da sicherlich auch vom Boot aus auffüllen lassen…
    Viel Spass noch!!

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  4. Pingback: The Winner Party | berlinpankowblogger

  5. Pingback: Kreta-Splitter 29.10.2015: Eine Handvoll Reiseberichte und ein Video » Kreta pur

  6. Schwärmartikel! Endlich bin ich dazu gekommen, deinen Bericht über die Forgotten Coast zu lesen. Und nun haben wir den Salat.. Ich habe nun kurz nach Rückkehr schon wieder Fernweh nach Florida! Was für schöne Manatee-Fotos! Ich habe nach so vielen Jahren das erste Mal auch zwei Sehkühe gesehen und bin beeindruckt von den gemütlichen Vegetariern! Der Sanddollar ist ohnehin mein Glückssymbol, die schönsten habe ich auf Honeymoon Island gefunden. Und die honey blazed baby ribs!!!! Absolutely yummy!!!

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