Gute Frage

Wer müsste eigentlich die Kosten für ein Bußgeld tragen, das ein Berliner Bezirksamt ausgestellt hat, weil der Eigentümer vor seinem Wochenendgarten den Schnee nicht hat räumen lassen oder ihn nicht selbst geräumt hat weil die öffentlichen Straßen von der öffentlichen Hand nicht so ausreichend geräumt und gestreut werden, dass der Eigentümer des Gartens in der Lage wäre, mit seinem privaten Auto in seinen Garten zu  fahren um den Schnee dort zu räumen und er ebensowenig die Chance hat, die öffentlichen Verkehrsmittel zwischen Wohnung und Garten zu nutzen, weil diese nicht fahren, weil wiederum die öffentliche Hand nicht in der Lage ist, auch bei Schnee für einen reibungslosen Ablauf des öffentlichen Nahverkehrs zu sorgen?

Kleine- und Großestraßenschilderaufstellungsamt

Es geschah in der Vorweihnachtszeit in einer großen Stadt. Eine Stadt so groß, dass es viele viele verschiedene Häuser gab, in denen die verschiedenen Ämter ansässig waren. Manchmal hatten aber auch die gleichen Ämter in verschiedenen Häusern, ja sogar in verschiedenen Bezirken ihre Zweigstellen. Wie auch das Straßenamt. Das Straßenamt wiederum war in dieser Stadt unterteilt in viele kleinere Unter-Ämter und Abteilungen. So gab es auch das Kleineschilderstraßenamt und auch das Großeschilderstraßenamt. Die einen waren für die kleinen Straßenschilder zuständig, die anderen für die großen Straßenschilder.

Nun, jedes Amt wollte natürlich an jeder möglichen Kreuzung Schilder anbringen. Natürlich nicht selbst, denn dafür gab es ja das Kleine- und Großestraßenschilderaufstellungsamt. Wenn nun ein neues Schild an einer Kreuzung oder in einer Straße aufgestellt werden musste, dann trafen sich jeweils ein Straßenamtsbeamter vom Kleineschilderstraßenamt und vom Großeschilderstraßenamt, um zu regeln, wer denn nun zuständig war. Denn in dieser Stadt gab es kleine Kreuzungen sowie kleine Straßen und natürlich auch große. Dann erst wurde das Kleine- und Großeschilderauftsellungsamt beauftragt, ein großes oder ein kleines Schild aufzustellen.

Manchmal aber, wenn Schnee, Eis und/oder Glätte so ein wichtiges Treffen verhinderte, dann konnte es schon einmal vorkommen, dass jeder für sich eine Entscheidung traf. Ohne Absprache mit dem jeweils anderen. Denn bei Schnee, Eis und/oder Glätte konnten sie sich nicht absprechen. Gespräche über Telefone oder auch computergestützte Nachrichten-Übermittlungen waren bei den Ämtern dieser Stadt noch nicht bekannt. Und so konnte es schon einmal vorkommen, dass das Kleineschilderstraßenamt das Kleine- und Großeschilderaufstellungsamt beauftragte, ein kleines Schild dort anzubringen, wo doch schon ein großes hing.

Weil aber doppelte Schilder nicht im Sinne der Straßenamtsschilderverkehrsordnung waren, wurde zu dieser Zeit das große Schild einfach durchgestrichen. Mit der Hoffnung, dass es kein Beamter vom Großeschilderstraßenamt jemals sehen würde. Denn das würde der sich sicher nicht so einfach gefallen lassen. Aber die Wahrscheinlichkeit, dass es jemals von offizieller Seite bemerkt werden würde,  war eher gering. Denn es war ja fast schon Winter. Und im Winter verließen die Beamten dieser Stadt ihre Büros nur für den Nachhauseweg. Nicht jedoch für ein Treffen mit dem jeweils anderen auch nicht zuständigen Amt.