Backpfeife & M-Chantal Afro

Jeder rote Punkt ein Bäcker. Und das sind noch lange nicht alle

Jeder rote Punkt ein Bäcker. Und das sind noch lange nicht alle

Jeder rote Punkt ein Friseur. Da fehlen aber noch ein paar...

Jeder rote Punkt ein Friseur. Da fehlen aber noch ein paar…

Schon lange und immer wieder und besonders heute, während einer Radfahrt von Pankow nach Charlottenburg und zurück, frage ich mich: Wie machen die das? Wie können die alle überleben? Auf dieser Radstrecke Strecke gibt es alle 100 Meter einen Bäcker und/oder einen Friseur. Und wenn mal 500 Meter kein Friseur und/oder Bäcker zu sehen ist, dann folgen an der nächsten Ecke gleich drei von jeder Sorte. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, als würden die beiden Gewerke in Konkurrenz zueinander stehen. Was natürlich kompletter Humbug ist. Aber weiß man´s? Wenn es denn so wäre, wären die Friseure zumindest in einem weit vorn: In der Namensgebung. Es gibt wohl nur in diesem Gewerk dermaßen viele Geschäftsnamen. Gute und blöde. Schöne und ausgefallene. Schnittige (hahaha) und haarige (muahmuahmuahahaha). Kurze (hihihi) und lange (hahaha). Meine Favoriten: Schnittstelle. Abschnitt 22. Ungeschlagen: M-Chantal Afro. Da wirds bei den Bäckern schon schwieriger. Mehlwurm. Naja. Brotzeit. (Gähn). Favorit: Backpfeife. Na, das ist doch ein Anfang.

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Windbeutel mit Kirschen

Gerade eben beim Bäcker in Pankow (einer von denen, die noch selbst den Teig zubereiten und selbst backen). Vor dem Verkaufstresen stehen zwei Damen Mitte der 70, die sich scheinbar zum frühen Kaffeekränzchen verabredet haben. Die eine hat bereits eine Tasse Kaffee sowie einen Teller mit einem Stück Pflaumenkuchen in der Hand. Sie geht in Richtung Tisch, auf dem schon ihre Handtasche steht und fragt beim losegehen: „Und, Hannchen, was hast Du gewählt?“ Die zweite Dame schaut ihre Freundin verdutzt an. „Na, haste doch jehört. Windbeutel mit Kirschen.“

Same Same But Different

oh, frische bohnen

In Charlottenburg, da wo ich arbeite, gibt es schätzungsweise fünf Bäcker in Pausen-erreichbarer Nähe. Normalerweise gehen wir immer zu dem einem. Gleich unten im Haus. Aber manchmal, wenn man unterwegs war, probiert man dann doch einen anderen aus. Allerdings, so haben wir jetzt festgestellt, ist es egal, in welchen Bäcker man geht. Denn es sind gar keine Bäcker. Es sind Backwarenverkaufsläden mit Schnellbackmaschinen im Verkaufsraum. Da, woe die Verkäuferinnen die vorgefertigten Backwaren hineinschieben. Irgendwann macht sich dann die Maschine mit einem Piepton bemerkbar. Dann sind die Schrippen fertig. Oder die Brezeln. Oder das Brot.
Und weil es überall Schnellbackmaschinenbrötchenverkaufsläden sind, gibt es auch überall das gleiche. Schrippen normal, Kürbiskernbrötchen, Brötchen mit Sesam, mit Mohn, Roggenbrot, Mischbrot, Roggenbrot mit Körnern, Vitalbrot, Laugenbrezeln, Laugenbrezeln mit Käse (angeblich Käse), Laugenstangen, Elsässer Brötchen und noch vier, fünf Kuchensorten. Lediglich die Preise unterscheiden sich noch.
Als mir das gestern so richtig bewusst wurde, musste ich mal wieder an damals denken. An die Bäcker in Halle oder in Erfurt. Die Bäcker, bei denen es teilweise ab Mittags nichts mehr gab. Die Bäcker, bei denen man morgens immer in der Schlange stand. Die Bäcker, die Montags immer geschlossen hatten, weil sie ja am Samstag geöffnet hatten.
Aber es waren eben Bäcker. Mit eigenen Rezepten. Mit Rezepten für Brötchen, für Kuchen, für Brote. Man, wie das damals roch. Früh am Morgen, wenn der Bäcker die ersten Brötchen aus dem Ofen geholt hatte.
An einen kann ich mich noch genau erinnern. Der hatte „Amerikaner“ für nen Groschen, als zehn Pfennige. Und Streuselkuchen mit Zuckerlasur. Und die Doppelten Brötchen, die waren ein Gedicht. Nicht immer hat man alles bekommen. Manchmal stand man ewig in der Schlange. Aber es hat von Bäcker zu Bäcker anders geschmeckt. Aber immer gut.