Urlaub im Hartz

Gespräch in der Berliner U-Bahn zwischen zwei Seniorenpaaren, dem Dialekt nach aus dem Südwesten Deutschlands:

Die eine Sie: Sagt mal, hab ihr vorhin mitbekommen, was die junge Frau da am Nachbartisch erzählt hat? Als wir essen waren? Von wegen zu wenig Geld für den Harz? Was muss sie auch Urlaub machen, wenn  sie kein Geld hat? Ausgerechnet im Harz?

Der andere Er: Nein, das hast du falsch verstanden. Die meinte, glaube ich, nicht den Harz. Sondern Hartz vier. Das Geld, das Arbeitslose vom Staat kriegen.

Schweigen.

Dann wieder Sie: Noch schlimmer. Arbeitslose machen auf meine Kosten Urlaub im Harz? Frechheit. Und dann gehen sie auch noch essen. Was hatte die nochmal? Ente? Unglaublich.

Der helle Wahnsinn

Man soll ja nicht mehr rechnen. Mit der D-Mark. Und erst recht nicht mit der Ostmark. Manchmal aber überkommt mich dann doch die Erinnerung und das mathematische Gedächtnis. 3.60 Euro für einen halben Liter Helles. Der helle Wahnsinn. Macht sieben Mark West. Schwarz getauscht, im günstigsten Falle (für den Wessi) 1:10, macht dann 70 Ostmarkt. 70 Ostmark, das waren damals, um mal beim Bier zu bleiben, sieben Besuche im Sargdeckel. Inklusive zehn Pils (0.25l), vier einfache Schnäpse (Kiwi, Pfeffi oder Apfelkorn) sowie ein Essen, z.B. Knacker mit Kartoffelsalat. Bier vier Märkerchen, die Schnäpse auch und das Essen 1,80 Mark. Mit 20 Pfennich Trinkgeld also zehn Mark. So bestellt, getrunken und gegessen etliche Male bei Rolf und Bringfriede Valerius im legendären und nun leider geschlossenen Sargdeckel in Halle, auch als Martha-Klause bekannt.

Und nun verlangt ein bayerisches Lokal in Berlin Mitte die gleiche Summe für einen halben Liter Helles. Herstellungspreis 20 Cent. Gut, der Transport kostet was, die Miete auch. Der Kellner will was haben. Und der Koch. Schließlich ist da noch der Getränkegroßhändler, der den Wirt abzockt. Und dann ist da der Wirt, der ja schließlich Geld verdienen will. Wenn er erst einmal seinen Laden abbezahlt hat.  Mal abgesehen vom Großverdiener beim Bier, denn das meiste zockt der Staat ab. Sehe ich alles ein. Kann ich alles nachvollziehen. Schließlich war ich auch mal ein paar Jahre im Gastronomiewesen tätig. Aber 3,60 Euro oder sieben Mark West oder 70 Mark Ost für einen halben Liter bayerisches Helles? Das wäre doch vielleicht mal ein lohnendes Thema für Berlins neue Politiker. Die Piraten lassen da sicher mit sich reden. Bei einem Bierchen.

Alles Lüge

Ich hatte es ja schon immer geahnt: Die dreistesten Lügen kommen aus Bayern. So erhielt jetzt auch folgerichtig eine leckere Milch aus den Land des komisch sprechenden Bergvolkes den „Goldenen Windbeutel“ von Foodwatch für die dreisteste Werbelüge 2010. Eins dabei macht mich glücklich: Bisher konnte ich diesen Drinks in jeder Pause und bei jedem Einkauf widerstehen. Obwohl ich diese Fläschchen schon oft in der Hand hatte. Nicht auszudenken, was mit meinem Fitness-Abnehm-Programm passieren würde, wenn ich mir am Mittag mal so eben nebenbei acht Stück Würfelzucker einverleiben würde…