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GENQUOTIENT 8713

Liebe bpb-Leser, es gibt Neuigkeiten zu meinem Buch: Der Titelschutz ist durch, ich kann den Titel also schon einmal verraten: „Genquotient 8713“ (sprich: siebenundachtzig dreizehn).  Dahinter verbirgt sich ein Code, der die Identität schützen soll. Aber auch der ist in der heutigen Zeit nicht mehr sicher… Zudem gibt es „hot codes“ und „cold codes“. Dazu später jedoch mehr…

Auch das Cover ist noch weiß bzw. grau. Aber auch da wird fleißig dran gearbeitet. Außerdem kamen einige Anfragen: Was machst Du jetzt eigentlich? Wo doch dein Manuskript beim Verlag liegt und der sich um alles Weitere kümmert? Immerhin sind es ja noch fünf Monate bis zum Erscheinendes Buches. Nun, die Frage kann ich relativ schnell und leicht beantworten: Ich schreibe an Teil zwei. Das Gerüst des zweiten Buches steht schon lange, auch habe ich das Ende schon vor einiger Zeit geschrieben (wie ich auch beim ersten Buch zuerst das Ende geschrieben hatte). Nun sollte ich eigentlich vorn beginnen und mich zum Ende hinschreiben. Das funktioniert bei mir allerdings, wie auch schon beim ersten Teil, nicht so richtig.

An manchen Tagen habe ich eine Idee, wie die eine oder andere Szene ablaufen könnte, die sich aber nun einmal nicht am Anfang des Buches, sondern eher in der hinteren Mitte abspielt. Also schreibe ich das auf und füge es dann später, wenn ich jene Stelle erreicht habe, dort ein. Natürlich wird die Szene dann nicht mehr komplett passen, weil sich die Story anders entwickelt hat, als es ursprünglich geplant war. Aber so ist das, wenn ich schreibe. Andere mögen es anders machen. Ich bleibe bei meiner Art. So komme ich auch recht gut voran, am Jahresende werde ich mit der ersten Fassung fertig sein. Dann aber gibt es zunächst einmal Wichtigeres: Lesungen, Lesungen, Lesungen. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

NYC alternativ: Bedford Stuyvesant

Kein Timesquare, kein Empire State Building, kein Central Park: Unser Urlaub in New York sollte dieses Mal ein anderer werden. Und er ist es geworden. Dank unserer vorangegangenen Reisen in die Stadt der Städte hatten wir genug von all den „normalen“ Zielen aus den Reiseführern. Es wäre Zeitverschwendung, das alles noch einmal zu machen. Also mussten Alternativen her. Die erste hieß Bedford Stuyvesant – der Kürze wegen in NYC einfach Bed Stuy genannt.

bed_04Viel ist geschrieben worden über diesen Stadtteil Brooklyns, der sich wie ein Keil unter Williamsburg und Bushwick schiebt. Es sei einer der letzten noch nicht gentrifizierten Teile New Yorks. Heißt es. Hier sei doch die Seele der alten Bewohner anzutreffen, weit weg von Luxuswohnen und Restaurants und Bars. Wir waren wohl etwas zu spät. Denn genau das haben wir gefunden: Teures Wohnen und schicke Restaurants. Klar, es gibt sie noch – die alten Bewohner. Man sieht sie in den Fastfoodketten sitzen, vor unsanierten Häusern stehen, auf den Hauptstraßen spazieren und besonders in der Nähe der heruntergekommenen Shoppingmeilen im Zentrum des Stadtteiles überwiegen noch die eigentlichen Einwohner Bedford Stuyvesants.bed_08Wo man sie nicht sieht, ist in den schicken Seitenstraßen mit den endlosen Reihen von Brownstones, den typischen Häusern hier in Brooklyn. Die meisten sind saniert und in den Parkbuchten davor parken deutsche Luxuslimousinen neben großen amerikanischen SUV. Wo man die alten Bewohner ebenfalls nicht sieht, ist in den schicken Restaurants und Bars, die das Viertel erobern. Der Wandel hat hier schon längst begonnen und von den alten und armen Bewohnern wird sich das hier bald keiner mehr leisten können.bed_09Die Geschichte ist am Ende in vielen Teilen der Stadt (und in jedem andren Land) die gleiche: Vor der Gentrifizierung kaufen sich die, die es sich leisten können, für relativ wenig Geld (aus deren Sicht) ein Haus, im Falle Brooklyn ist das meist ein Brownstone. In Bed Stuy soll man so ein Haus vor zehn Jahren für 50.000 Dollar bekommen haben. Häuser, die nun siebenstellige Werte haben. Genauso läuft das in Red Hook oder in Bushwick, zwei weiteren Stadtteilen Brooklyns, in denen sich der Wandel vollzieht oder schon vollzogen hat. Trotz allem oder gerade deswegen war der halbe Tag in Bed Stuy ein besonderer und gehört ab sofort in jeden Reiseführer New Yorks. bed_06bed_01 bed_07bed_03bed_05

Abschied vom Dach

DSC_9847 (2)Wie schnell doch immer wieder die Urlaubstage vergehen. Acht Tage New York sind vorbei und wir machen uns langsam auf den Weg in Richtung Flughafen Newark. Zum Abschied durfte ich den Brooklynern in Park Slope noch aufs Dach steigen und konnte so dieses Abschiedsfoto schießen. Ein Blick, der ähnlich exklusiv ist, wie das Wohnen hier in diesem Viertel. Wir werden es vermissen und sind uns ziemlich sicher, dass wir zurückkehren werden. Nach einer Woche New York alternativ geht´s nun back to Berlin. Was wir hier noch alles erlebt haben, später an dieser Stelle.

Badekappe Pflicht

IMAG3244Unser Besuch in New York ist in diesem Jahr nicht nur ein Besuch in New York, sondern vor allem ein Besuch bei Freunden. Die Familie aus Berlin lebt hier seit einem Jahr mit zwei Kindern in einem Brownstonehouse in Park Slope. Das ist ein nette Gegend in Brooklyn, in der Nähe vom Prospect Park. Hier lebt man nicht so hektisch wie in Manhattan, muss aber dennoch auf keine Annehmlichkeiten verzichten. Beide Freunde sind journalistisch tätig, die Kinder gehen zur Schule und Spielen Fuß- und Basketball. An den Wochenenden erkundet die ganze Familie Stadt und Umgebung mit Bahn, Mietwagen oder Fahrrädern.

Und so haben sie natürlich ein ganz anderes Bild vom Big Apple, wovon wir profitieren. Denn statt Timesquare, 5th Avenue, Highline oder Staten Island Ferry gibt es dieses Mal Bed Stuy, Bushwick, Brighton Beach, North Harlem, Bronx, IKEA-Fähre, Red Hook und andere Ziele, die wir allein wohl eher nicht aufgesucht hätten. Die Idee dazu stammt natürlich auch von uns, haben wir doch inzwischen das „normale“ Touristen-New-York zur Genüge gesehen. Da wäre jeder Manhattan-Besuch reine Zeitverschwendung – mit Ausnahmen natürlich. Außergewöhnlich und nur möglich mit Freunden hier aber ist z.B. ein Besuch der Schwimmhalle des YMCA.

Der YMCA hier am Prospect Park längst nichts mehr mit seinem Namen zu tun. Zumindest das Y vorn für youth stimmt auch hinten nicht mehr. Ins YMCA auf der 9th Street geht man Schwimmen, zu Pilatis oder Yoga.Im Umkleideraum steht der muskulöse junge Schwimmer neben dem eher dürren Senioren, der hier zum Wasser-Aerobic angetereten ist. Daneben ein Typ in meinem Alter, wir kommen sofort ins Gespräch. Seine Eltern stammen aus Polen, er wäre aber noch nie dort gewesen. Ich schon, sage ich und er will wissen, wie es dort so aussieht. Vielleicht werde ich es doch noch einmal schaffen, sagt er, nachdem ich ein paar polnische Urlaubserlebnisse ausgekramt habe.Er wünscht mir noch einen schönen Tag und einen sicheren Aufenthalt hier.

Was sofort auffällt – hier hilft jeder jeden. Ob es ein Problem mit dem klemmenden Schloss am Schrank gibt, mit der Dusche oder dem rutschigen Weg zum Pool in den Keller. Jeder ist für jeden da, alle sind freundlich, zuvorkommend und besorgt um den jeweils anderen. Etwas, das den Deutschen dermaßen fremd geworden ist, dass es einen manchmal gruselt.

Handtücher gibt´s beim YMCA aufs Haus, Gäste mit ID dürfen nach Registrierung kostenlos rein und auf den sieben Bahnen im 25-Meter-Schwimmbecken herrscht Ordnung. Nicht wie in Deutschland, wo jeder seine Kreuz-und-Quer-Bahnen schwimmt oder watet. Hier hat jede Bahn ihr Tempo. In der ersten dürfen Erwachsene nach ihrem Gusto schwimmen. Die  nächste Bahn ist für langsame Schwimmer reserviert und so setzt sich das fort bis hin zu den schnellen Sportlern. Jeder kann vorher schauen, welches Tempo zu ihm passt und sich dann entscheiden. Geschwommen wird zu zweit hin und her, jeder auf seiner Seite. Kommt ein Dritter hinzu, wird im Kreis geschwommen, so dass niemand den anderen behindert. Klare Regeln. Und die enden nicht beim Tempo. Badekappe ist hier Pflicht. Wer keine hat, dem wird eine Original-YMCA-Kappe übergeholfen. Springen vom Rand ist verboten wie auch das Kauen von Kaugummi. Aber wer macht das auch schon beim Schwimmen?

Schwimmen beim YMCA – mein erstes Alterbativ-Erlebnis in New York 2016. Weitere folgen an dieser Stelle.

Bilder aus der Fotokiste XIII

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Brooklyn (NYC) 2009

Bilder aus der Fotokiste XI

In Gedanken schon wieder beim nächsten Urlaub in NYC (naja, fünf Monate dauert´s noch) mal wieder in der Fotokiste gestöbert und ein paar Aufnahmen gefunden, die alle im Oktober 2009 in New York entstanden sind.

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Kevin allein jenseits von Amerika

P1050580Natürlich. Er könne sich sehr gut erinnern. An das Konzert damals. 2010 in Portland. Das war doch im White Eagle Hotel. Sagt Kevin Devine nach seinem Konzert im Magnet Club Berlin während er für seine Fans CDs und Platten signiert. Es war damals die erste Begegnung mit dem Songwriter aus Brooklyn/New York. Und der musikalische Höhepunkt während unseres USA-Urlaubes damals zwischen San Francisco und Yellowstone. Nun also die zweite Begegnung. Diesmal in Berlin. Und wieder ein Höhepunkt.

Kevin Devine, auch diesmal wieder allein. Geplant war das Konzert mit Band. Aber die konnte sich der Ausnahmesänger nicht leisten. Nicht für Europa. Zu wenig Tickets im Vorverkauf. Zu wenig verkaufte Scheiben jenseits von Amerika. Aber die, die ihn kennen, waren da. Die, die ihn verehren, die ihn schätzen. Schätzungsweise 100. Weil Kevin Devine eben eine Ausnahme ist. Nicht nur sein Stimme. Auch seine Art, sein Auftreten, seine Texte. Er spielt auch schon mal schnell ein Video in der Garderobe ein, sammelt im Internet Geld für Plattenproduktion und anderes. Was bei Devine aber eben auch passt, weil er eben sonst nirgends passt.

Und so steht er allein auf der Bühne an diesem Freitagabend im Magnet Club Berlin. Begleiter sind seine Gitarre und seine Stimme, die er, je nachdem, wie weit er sich vom Mikro weg bewegt, derart variieren kann, dass man bei „Brothers Blood“ zum Beispiel nur sprachlos und mit Gänsehaut zuhören und -sehen kann. Wenn er weit hinten steht und seine Songs ins Publikum flüstert, dann klirrt auch schonmal das Mädel hinterm Tresen etwas leiser mit den Gläsern, Unterhaltungen im hinteren Bereich lässt er so verstummen. Devine muss zwischendrin nicht viel erzählen. Seine Songs machen das schon. Nur einmal, da fragt er, ob denn jemand von weither nach Berlin gekommen sei. Ja, natürlich. Dublin, Kapstadt, Long Island. Wow. Sagt Kevin. Aber sicher nicht nur wegen mir. Aber egal.

Devine spielt einen Song nach dem anderen, will gar nicht mehr aufhören. Zuerst die Lieder vom neuen Album „Bulldozer“. „Matter Of Time“,  „Little Bulldozer“, „From Here“, „For Eugene“. Dann die älteren. Wie „Another Bag of Bones“. Oder „I Could Be With Anyone“. Oder eben „Brothers Blood“.  Jene Songs also, die für mich und einige andere das Zeug zum Hit haben. Aber eben nicht für alle. So bleiben seine eben unsere Hits. Auch schön. Und so steht er weiter nach seinen Konzert inmitten seiner Fans und beantwortet alle ihre Fragen. Und bleibt eben die Ausnahme. Einer der besten Ausnahmen, die es gibt.

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