VANtastische Show, Herr WILKS!

Viele meiner Freunde spielen Gitarre. Also nicht so auf dem Wanderbrett daheim. Sondern so richtig in Bands. Naja, komme ja auch aus der Richtung. Da hat man sich halt irgendwann einmal gesucht und gefunden. So wie bei uns. Und wenn wir uns dann treffen, zum Beispiel jährlich zum Himmelfahrtswochenende, dann gibt es viele Themen, über die wir reden. Aber oft geht es auch nur um Gitarristen. Um die ganz großen Gitarristen. Deren Namen ich (Ihr werdet es mir verzeihen, liebe Freunde), immer wieder vergesse. Naja, ich kenne Moore und Hendrix, Van Halen, Satriani oder McLaughlin. Und noch ein paar andere. Aber meist komme ich nicht mit, bei den Oden an die Heros auf dem Brett.

Dafür habe ich am Montag in Pankows bester Musikkneipe ebenfalls ein Gitarren-Hero erleben, sehen und hören dürfen. Van Wilks sein Name. Die Gitarre sein Leben. Das war Gitarre, das war Musik. Naja, nicht jeder kommt in die Texas Music Hall of Fame und nicht jeder wird als die Nummer eins in Austin gefeiert. Van WIlks schon. Und zu recht, wie ich meine. Ich habe habe zwar nicht das Gitarren-Auge und -Ohr meiner Freunde, aber wer so etwas gut oder schlecht spielen kann, das erkenne selbst ich. Naja, nach unterdessen 35 Jahren Musik sollte man das auch können. Herr Wilks gehört jedenfalls zu den Heros auf der Gitarre.

Das wollte ich nur einmal loswerden. Und das Garbáty ist übrigens die beste Klub-Musik-Kneipe im großen Umkreis (inkl. Prenzlauer Berg!!! und anderer Stadtbezirke). Bleibt zu hoffen, dass sie nicht platt gemacht wird. Denn solch Mugge und solch Publikum und solch kompetentes und freundliches Team an einem Ort, das findet man selten.

Van Wilks vor dem Konzert und vor einer Straßenbahn in Pankow…

…und bei seiner Mugge im Garbáty (das Video oben ist auch aus dem Café)

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Herr Nelken und die Freiheit der Meinungsäußerung

Da hat einer wohl etwas falsch verstanden. Oder er lebt immer noch in seiner alten schönen Welt. Der Herr Stadtrat Dr. Michael Nelken vom Bezirksamt Pankow. Stadtrat für Kultur, Wirtschaft und Stadtentwicklung. Hat sich im Anzeigenblättchen Berliner Woche zum Café Garbáty geäußert. Und die haben das auch noch abgedruckt. Ohne auch nur eine einzige Gegenmeinung zu hören. Oder zu drucken. Die Freiheit der Meinungsäußerung ist da wohl etwas falsch verstanden worden.

Aber Nelken kennt das ja. Damals, als er noch „Sekretär der Grundorganisation der Freien Deutschen Jugend im DatenVerarbeitungsZentrum von Berlin“ war. Selbstverständlich war auch er in der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Mitglied seit 1976. Im gleichen Jahr übrigens wurde auch Burkhard Kleinert SED-Mitglied. Der Boss der Bezirksverordneten in Pankow und ebenfalls Gegner des Garbáty. Welch ein Zufall. Man kennt sich also. Aus den alten Tagen. Damals, als nur das in den SED-Zeitungen gedruckt wurde, was die Partei sagte. Oder die FDJ. Andere Ansichten gab es nicht. Und wenn, wurden sie totgeschwiegen.

Es ist unglaublich. Wie sie immer noch funktionieren. Die alten SED-Seilschaften. Und die neuen. Die können es sich auch 19 Jahre nach der Wende erlauben, zu schalten und zu walten wie sie wollen. Und dann gibt es auch noch Zeitungen, die das mitmachen. Naja, vielleicht gab es ja im Gegenzug die eine oder andere Anzeige. Oder was hat den zuständigen Redakteur geritten, einen so diffamierenden Text eines Stadtrates abzudrucken, ohne auch nur einmal die Gegenseite angehört zu haben?

Das ist nicht die Freiheit der Meinungsäußerung, die wir haben wollten und wollen. Nur die Meinung der regierenden Partei zu verbreiten, hat damit absolut nichts zu tun. Das, so dachte ich bisher, hatten wir 1990 abgeschafft und längst hinter uns gelassen. Welch ein Irrtum.

Café Garbáty

Hier bin ich Gast, hier darf ich´s sein. Hier, im Café Garbáty in Pankow ist man zu Hause. Nicht nur, wenn man aus Pankow kommt. Hier fühlt sich Berlin wohl. Wie auch der Rest der Welt. Besonders und immer wieder Musiker. Und Künstler. Die kommen gerne her. Denn hier ist die Welt noch in Ordnung. Bernhard Fowler oder Jürgern Kerth, die Gypsys Reloaded oder Melanie Dekker, Tom Blacksmith oder Elizabeth Lee. Unvergessene Konzerte. Wie auch die Ausstellungen. Walter Herzog, Klaus Ensikat, Manfred Butzmann. Und viele mehr. Das soll so bleiben.

Oder auch nicht. Denn es gibt tatsächlich Menschen, die sind dagegen. Gegen Kultur, gegen Kunst, gegen Pankow. Die wollen, dass die Kneipe samt Kulturverein dort auszieht. Damit sie ihre eigene Brühe kochen können. Denn gute Kultur ist in Pankow unerwünscht. Dazu ist ja schließlich Prenzlauer Berg da. Sagen manche. Und behaupten später das Gegenteil. Das kennt man ja noch. Aus alten Zeiten. Und genau da liegt wieder einmal das Problem. Es hört einfach nicht auf.

Das Lösungswort heißt Seilschaft Ahrenshoop. Alle wissen es. Keiner spricht es aus. Ein Ex-Bezirks-Bürgermeister kennt eine Tanzstudio-Chefin. Beide sind in einem Kunstverein an der Ostsee tätig. Da kennt man sich halt. Und die vom Tanzstudio würde gern auch in Pankow tanzen. Obwohl sie doch in Prenzlauer Berg genügend Platz hat. Aber was tut man nicht alles. Wenn man sich kennt.

Offiziell gibt es natürlich andere Gründe. Da hat angeblich der Wirt einen Fehler gemacht und der Verein darf eigentlich dies nicht oder das nicht. Aber das ist alles pillepalle. Das Garbáty ist für Live und Kunst und Kultur die Nummer eins in Pankow. Bleibt zu hoffen, dass diese Brühe der Regierenden und deren Seilschaften kräftig versalzen wird. Denn Pankow ist Garbáty. Und Garbáty ist Pankow. Deshalb muss es bleiben.

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