Chemtrails: Gummibärchen-Alarm am Himmel

Es ist wie bei den meisten Verlautbarungen dieser Art. Große Überschrift. Aufschrei. Angst. Und am Ende bleibt – nichts. Dieses Video mit der Überschrift „Mutiger Wettermann spricht über Chemtrails“ beweist es wieder einmal. Kein Wort über Chemtrails. Wieder einmal. Wie in so vielen Witzfilmchen kommt auch hier das ach so große Wort Chemtrails NICHT vor. Welch ein Skandal. Denn, ich kann es nun voller Überzeugung schreiben, Chemtrails gibt es wirklich. C.H.E.M.T.R.A.I.L. – die, bisher geheim gehaltetene, Abkürzung für: CHronische Einbildungen Mental Total Resistenter Abergläubischer Intellegenz Luschen – ist nicht nur eine Verschwörungstheorie. Nein, manchmal sind es auch zwei Theorien. Oder drei. Oder 100.

Und eins steht fest: Dieses Wunderwaffmittel am Himmel existiert tatsächlich. Die Zusammensetzung ist, natürlich, geheim. Vermutet wird jedoch, dass sich neben (bisher unbekannten) gefährlichen Substanzen auch Abfälle von der Gummibärchenherstellung (damit die Streifen so lange wie möglich am Himmel kleben bleiben), Waschpulver (um Chemtrails rein zu waschen), abgelaufenes Duty-free-Büchsenbier (hauptsächlich bei Billigfliegern), benutzte Toilettenpapierschnipsel und gefrorener Urin (besonders über den Gebieten von BILD-Lesern), zermahlenes Material von UFO-Steuerknüppeln (beeinflusst die Gedanken, führt bei Chemtrail-Gläubigen zur Verblödung) sowie jede Menge gefährliche Bakterien und Viren (die, wie durch ein Wunder, logisch, den 1200 Grad heißen Verbrennungsprozess in der Turbine überlebt haben) in den unheimlichen Streifen enthalten sind.

Und auch die Behauptung, Chemtrails würden unsere Gedanken steuern um uns dumpfgeistig und gefügig zu machen, ist wahr. Mit einen kleinen Unterschied: Sie steuern nur die Gedanken jener Intelligenz-Luschen, die daran glauben. Viele Hunderte, nein, Tausende von Beiträgen zum Thema im Netz beweisen es: Alle, die daran glauben, müssen dumpfgeistig sein. Und wenn es einen so richtig trifft, dann mich. Wohne ich doch seit sieben Jahren in der Einflug- bzw. Abflugschneise von TXL. Bedeutet: Jeden Tag hunderte Chemtrails auf mein Haupt. Sicher bin ich schon geistig völlig umnachtet. Letzter Beweis sind diese Zeilen hier.

flugstrecken_welt_01Nun, so ganz hat man mich noch nicht überzeugt. Sieht man sich einmal die Flugkorridore der Welt an, wird man schnell feststellen, dass nur etwa nur ein Hundertstel des Welthimmels von Flugzeugen genutzt wird. Wenn überhaupt. Wahrscheinlich ist es noch weniger. Was passiert also an 99 Prozent des Himmels? Was? Ach so. Unsichtbare Flugzeuge. Nun, das kann ich persönlich noch nicht so recht glauben. Aber das wird noch. Schließlich dauert es noch eine ganze Weile, bis der neue Flughafen eröffnet und ich aus der Chemtrailzone heraus komme. Bis dahin glaube ich sicher auch noch daran.

Mehr zum Thema hier (danke an Florian Aigner)

Verrückter Kachelmann oder Neonazis oder was?

Landgericht Berlin: Kachelmann darf Vertreter der „Chemtrail-Theorie“ weiterhin nicht als „Neonazis oder Verrückte“ bezeichnen (PM 08/2012)

Pressemitteilung
Berlin, den 17.02.2012

Die Präsidentin des Kammergerichts
Pressestelle der Berliner Zivilgerichte
Elßholzstr. 30-33, 10781 Berlin

Das Landgericht Berlin hat heute über den Fortbestand einer einstweiligen Verfügung vom 27. Oktober 2011 verhandelt und seine damalige Entscheidung durch Versäumnisurteil bestätigt.

In der einstweiligen Verfügung hatte es dem Meteorologen Jörg Kachelmann die Verwendung der Formulierung untersagt, bezüglich der Thematik der sogenannten Chemtrails habe man es mit „Neonazis oder Verrückten“ zu tun.

Ein Befürworter dieser Theorie hatte sich in einer E-Mail zu diesem Thema an verschiedene Behörden und Organisationen gewandt und die Nachricht auch an Kachelmann übermittelt. Dieser hatte das mit einer E-Mail an denselben Empfängerkreis kommentiert und dabei die beanstandeten Formulierungen verwendet. Das war Auslöser für die Eilentscheidung, gegen die Kachelmann Widerspruch eingelegt hat.

Im heutigen Verhandlungstermin konnte der Anwalt von Kachelmann auf entsprechendes Bestreiten der Gegenseite keine Prozessvollmacht vorlegen. Daraufhin erging ein Versäumnisurteil zu seinen Lasten.

Landgericht Berlin, Az. 22 O 376/11

Und wie ist das mit mir? Darf ich noch Verrückte sagen? Oder schreiben? Oder Neonazis? Ich habs ja noch nie getan. Aber nun würde ich gern. Ist doch verlockend: Kachelmann, Verrückte, Chemtrails und Neonazis in einer Geschichte zu nennen. Da lass ich mir mal was einfallen…