Toter Kollwitzplatz

…und irgendwann einmal wird es ein toter Platz sein. Märkte und Kneipen, Spaß und Unterhaltung werden nur noch in Geschichten existieren, die keiner mehr erzählen kann, der dort wohnt. Denn die Kinder von heute sind dann längst, angewidert ihrer Eltern und des eigenen toten Kiezes voller nutzloser Spielplätze, weggezogen. Die genervten Anwohner von heute sind dann tot oder ebenfalls umgezogen: die meisten zurück in ihre schwäbische Heimat, weil die Rente für die Wohnungen am Platz nicht ausreicht. In den einst bekannten Cafés, Restaurants und Kneipen des Kollwitzplatzes befinden sich nur noch Flagship-Stores internationaler Modemarken. Touristenführer werden erzählen, dass dies früher einmal ein belebter und beliebter Platz gewesen sei, was die Gäste mit einem ungläubigen Kopfschütteln quittieren werden. Einzig die Koksdealer in der Nacht werden noch ein bisschen Schwung und Leben auf den Kollwitzplatz bringen. Danke, derzeitige Anwohner!

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Nkongonocash Oder: Crystal Meth online

5000euro_01Berlin, Nähe Görlitzer Park. Irgendwann in naher Zukunft in der Abenddämmerung: Der Dealer (mutmaßlich Schwarzafrikaner) so zum Crystal-Meth-Lieferanten (mutmaßlich Araber): Gib nix Bargeld. Überweisung! Und der Lieferant so: Alda! Was? Überweisung? Dealer: Na, Konto! Und der Lieferant: Na Kongo? Dealer: Nee. Konto. No cash. Lieferant: Nkongonocash? Dealer: Alda! Ich schick Kohle online. Lieferant: Schick ich Disch online. Kohle her! Dealer: Geht nisch. Kohle gegen Gesetz, Alda. Lieferant: Misch egal. No Cash, No Drugs. Dealer: Kohle muss online! Lieferant: Muss Crystal Meth auch online. Dealer: Mist! Lieferant: No mist. Meth!

Nächste Ausfahrt Wedding

Endlich wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Endlich raus aus der stickigen U-Bahn, wo die Migrantenjugend in ihre Handys brüllt oder diese als Musikanlage benutzt. Raus der überfüllten S-Bahn, wo die Dealer und Vollidioten die Opa, Omas und Touristen anmachen. Wo die Penner jeden Tag mit der gleichen Leier (mhm ichbinderklaus und mhm ichbinzurzeitohnearbeit und mhm und ohnejobmhm und ichwürdemichfreuen mh übereinekleinespende mhm und mhm nehmauchwaszuessen mhm oderzutrinken) nach ein paar Cent betteln.  Raus aus der verspäteten und umgeleiteten Straßenbahn, wo oft am Morgen noch die Kotze der Nacht unter den Sitzen schwappt. Welch ein Gefühl, endlich wieder jeden Tag zur Arbeit und zurück radeln zu können. Endlich wieder mit dem Fahrrad durch Wedding.

Vorbei an dem kleinen Eckladen, in dem seit Jahren schon die gleichen bunten Handy-Klarsicht-Schutzhüllen neben gebrauchten und wahrscheinlich geklauten Handys liegen. Vorbei an dem Haus mit den stets geschlossenen Jalousien im Erdgeschoss mit dem aufgemalten roten Herz und der Aufschrift „Bei Moni“, wo es immer so penetrant riecht. Eine Mischung aus Pisse und süßlichem Parfum und ein bisschen altes Frittierfett von der Pommesbude nebenan. Vorbei an all den tiefer gelegten schwarzen Mercedes-Benz-Karren mit den Kennzeichen B-OS (um zu zeigen, wer der Bos hier in der Straße ist), die grundsätzlich auf dem Rad- und Fußwegen parken während ihre Fahrer wichtig in ihre Mobiltelefone reden,  von denen sie mindestens zwei haben. Wahrscheinlich aus dem Laden an der Ecke.

Vorbei an dem kleinen Wäldchen, wo auf der Bank vormittags die Mütter mit Kopftüchern und nachmittags Rasta-Typen mit Dope und mehr im Angebot sitzen. Vorbei an dem Frisier-Elektronik-Laden mit dem Namen „Locken und Internet“.   Vorbei an der kleinen Pizzeria, wo ein Stück so groß wie ein halbes Kuchenblech ein Euro kostet und wo man mit einem Codewort (Pizza Speziale) auch Marihuana erwerben kann. Erzählt man sich. Vorbei an dem Park, wo am Rand immer die drei gleichen alten Herrschaften mit ihren Krückstöcken und Bärten und Kappen und Rosenkränzen und schwarzen Anzügen und weißen Hemden sitzen und so tun, als wären sie die wahren Herren des Kiezes, was gar nicht so abwegig ist. Vorbei an der Tramhaltestelle, wo immer die gleichen Hunde in die Ecken pinkeln, die gleichen Penner betteln und wo immer wieder die Scheiben des Wartehäuschens eingeschlagen werden.

Vorbei an dem Supermarkt mit den vergitterten Fensterscheiben, wo die beiden muskelbepackten Super-Wachschützer mit den schwarzen Muskel-Shirts und schwarzen Hosen super wichtig tun und abwechselnd in ihre WalkieTalkies quatschen. Oder zumindest so tun. Und schließlich geht es noch vorbei an dem Blumenladen mit den beiden Vietnamesen, die ihren Umsatz hauptsächlich mit Schmuggelzigaretten machen und sich trotzdem freuen, wenn mal jemand Blumen statt kauft statt ner Stange Jin Ling. Vorbei an all den schönen Dingen Berlins, die man aus der U-Bahn niemals sehen würde.

Dürre Models & fette Kühe

Immer wieder besonders schööön wird es im Januar in Berlin. Wenn das Jahr noch jung ist, kommen die Schönen, Reichen und Berühmten in die Stadt. Modewochen, Filmfestspiele, Messen. Eine Show jagt die andere und der Berliner an sich lebt besonders dann, also auch gerade jetzt wieder, wie in einer Parallelwelt. Das Hauptstadtleben von drei Millionen geht irgendwie weiter. Die anderen paar Hundert haben Visa und Einreiseerlaubnis für jene andere Welt.

Dort sehen sie sich dann im Ex-Flughafen Tempelhof an, wie dürre Fashion-Week-Models in ihren Designer-Kleidchen über den Laufsteg schweben. Dazu nippen sie an ihren Champagnergläschen und manche legen sich wohl auch die eine oder andere Linie auf den Spiegel. Models stopfen sich Watte, nicht in den BH, sondern in den Magen, weil das schön schlank hält.

Und während Klapperdürr und Dünn frierend vor dem Fashionroom stehen und rauchen, auch das hält schlank, werden drei Kilometer Luftlinie entfernt auf der Grünen Woche die fettesten Kühe prämiert. Von der Kuh zum Schuh. Oder umgekehrt. Wer hinkommt ist öko und selig, denn die S-Bahn fährt auch im jahr 2011 noch nicht regelmäßig. Das haben inzwischen sogra Berlins Jugenddealer mit Migrationshintergrund begriffen. „Willst Du verticken Stoff, musst Du umsteigen auf U-Bahn. Wenn nicht fährt S-Bahn“, flüsterte jüngst ein Typ mit Jogginghose, Goldkettchen und Basecape in sein Klapphandy.

Was für ein Fest, willkommen in der Fashion-Dealer-Hauptstadt. Wirte und Hotels jubeln über 200.000 Zusatzgäste, das Geschäft läuft und nur diverse Rauch- und Schnupfmittel sind Mangelware oder eben sehr teuer. Naja, die es jetzt kaufen, können es sich leisten. Wem immer noch nicht schlecht ist, dem empfehle ich in diesem Jahr eine Prise Sarrazin oder eine Dosis Dioxin. Gibt es im Januar 2011 gratis dazu. Schnell zugreifen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie aber bitte nicht mich.