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Was mal gesagt werden musste

fatsche01aDie schönste Zeit im Jahr für Genussmenschen wie mich ist doch immer wieder dann, wenn sich Spargel- und Erdbeerzeit überschneiden.

Ding des Monats XXII

…und niemand applaudiert!

Frohes Fest, liebe Freunde!

P1060679Schöne, erholsame, ruhige, fröhliche, leckere, tolle, gesunde, fettreiche, süße, weinige, hochprozentige und vor allem stressfreie Festtage wünschen Euch Ach Goood, sein neuer Freund, der Räucher-Elch sowie der bpblogger!

Imperialistische Essenshetzkampagne

Es hat nicht alles schlecht geschmeckt. Damals. In der DDR. Und schon gar nicht in Gaststätten. Dies aber behauptet Katharina Schickling in ihrer Fernsedokumentation Mahlzeit Deutschland, die derzeit wieder einmal am Wochenende zum Nachtisch gereicht wird. Schickling redet von Fastfood in West. Und von Weißkohl in Ost. Von Bioläden in Essen. Von Mangelware in Cottbus. Und dann sagt sie: „Besonders in den Gaststätten der DDR war das Essen immer schlecht.“ Da weiß man sofort: Frau Schickling war nie in der DDR. Und schon gar nicht in einer Gaststätte. Und recherchiert hat sie auch nicht. Oder sie hat. Und will nicht wahr haben, was nicht wahr sein kann.

Zugegeben. Nicht in jeder Kneipe hat´s geschmeckt. Aber das ist ja auch heute noch so. Ich meine sogar, heute ist es noch schlimmer. Damals gab es schlechtes Essen besonders und vor allem in Selbstbedienungsrestaurants. Und in Bahnhöfen. Aber das wusste jeder. Da konnte man sich drauf einstellen. Auf warmes Bier und kaltes Schnitzel. Dünnen Kaffee und trocknen Kuchen. Heute aber weiß man oft nicht, ob in der Küche vom Italiener, der bis letzte Woche noch ein Grieche war, ein Türke, ein Vietnamese oder ein Araber am Herd steht und mit welchen Zutaten sie was zusammenkochen.

Schlimm war es damals im Zentral in Halle zum Beispiel. Oder in der Saaleaue auf der Peißnitz. Da aßen wir nur in der Not. Oder in der Bahnhofs-Mitropa. Die waren für Bier gut. Und manchmal für eine Bockwurst mit Brot. Auf nem Pappteller. Wo schon am frühen Morgen ein Kleckchen Senf drauf getan wurde. Damit es Mittags schneller geht. Dafür war der Senf dann schön eingetrocknet. Wenn sich dann die Brotscheibe wegen der trockenen Luft zusammenkrümmte, war das Essen perfekt. Und ungenießbar. Aber in der Not. Und des Nachts. Wenn alle anderen Lokale geschlossen hatten. Dann ging auch so ne Wurst vom Pappteller.

In den meisten anderen HO-Gaststätten und Konsum-Gaststätten und privaten Lokalen war das Essen jedoch Spitze. Ich denke da nur allein an eine unserer Stammkneipen in Halle – der Sargdeckel. Rolf „Rolli“ Valerius am Tresen, Ehefrau Bringfriede in der Küche. Manchmal, ich glaube Donnerstag und Freitagabend, gab es noch eine Küchenhilfe. Geschmeckt hat es immer. Es gab Sülze, Bockwurst, Knacker oder Rührei. Mit Bratkartoffeln oder Kartoffelsalat. Ich hab alles gern gegessen. Besonders aber die Sülze mit Bratkartoffeln. Mhm, da läuft mir heute noch das Wasser im Munde zusammen.

Oder in unserem Stammtisch-Lokal Pirouette in der Eissporthalle. Wo wir Sonntag für Sonntag einkehrten. Zum Trinken hauptsächlich, ja. Aber auch zum Essen. Da gab es das leckere Steak Champignon oder das Steak au four, die Schinkenplatte oder das Würzfleisch, die Champignoncremesuppe oder die Soljanka. Manches Mal auch ein Rumpsteak. Toast Hawaii. Alles immer gut. Und bezahlbar. Ganz zu schweigen vom guten Essen in den anderen DDR-Lokalitäten. Wie z.B. die Nordsee-Vorgänger des Ostens „Gastmahl des Meeres“. Oder die Goldbroiler-Gaststätten in jeder Bezirksstadt. Wer´s kennt, weiß, wie es geschmeckt hat. Aber eben nur, wer es kennt, Frau Schickling!

Bockwurst & Eiersalat

Bockwurst und Eiersalat. Gleichzeitig. Heute kaum vorstellbar, dass dies mal mein Lieblingsfrühstück war. Damals, in den ersten Jahren als Maschinen- und Anlagenmonteur. Im Metalleichtbaukombinat (MLK) Werk Halle. Werk III, wenn ich mich recht entsinne. Bevor es auf große Montage ins Atomkraftwerk ging. Da haben wir Strom-Masten für die Reichsbahn montiert und geschweißt. Eine Zeit lang stand ich an der Metallsäge, die für den Zuschnitt der Mast-Winkelprofile im Einsatz war. Winkel auf Gehrung sägen. Damit sie im gekreuzten Wechsel die Masten stabilisieren konnten. Da stand ich nun an der Säge. Im Drei-Schichtbetrieb im Wechsel mit meinem Kollegen namens Kannegießer. Entweder von 6 bis 14, 14 bis 22 oder eben 22 bis 6 Uhr. Wobei die Säge nur zweischichtig lief, in den Nachtschichten wurde geschweißt. Oder geschlafen. Je nach Planerfüllung und dem Vorhandensein von Material. Den Stahl gab es nicht immer. Dafür aber Bier. Das floss so in ziemlich jeder Spätschicht (nach 18 Uhr, wenn auch der letzte Abteilungsleiter aus den Büroetagen das Werk verlassen hatte) und natürlich Nachts.

Aber zurück zu Bockwurst und Eiersalat. Es gab nicht viele Kollegen und Menschen, die ich beim MLK gut leiden konnte. Mein Kollege Kannegießer, mein Meister in der Montage, dessen Namen ich leider vergessen habe. Liebling aller Kollegen aber war jene Frau in der kleinen Frühstücks-Kantine. Sie hieß Ingrid oder Maria, glaube ich. Wie auch immer, die versorgte Montag bis Freitag das halbe Werk III mit belegten Brötchen, Schnitten und Kaffee. Sowie mit Bockwurst. Der Hit war der von ihr täglich hausgemachte Eiersalat. Zwei halbe Brötchen damit, dazu ne Tasse Kaffee. Das ganze dann für 1,60 Mark. In Ost. Einfach himmlisch.

Mein Kollege Kannegießer nahm das gleiche Menue. Mit einem kleinen aber wichtigen Unterschied: Er bestellte sich dazu noch ne Bockwurst (alles zusammen dann für 2,40 in Ost). Anfangs unvorstellbar, übernahm ich irgendwann, nach dem ich es probiert hatte, diese Angewohnheit. Einmal pro Woche gab es nun neben Kaffee und den zwei halben Brötchen mit Eiersalat eine Bockwurst mit Senf. Der übrigens, nebenbei bemerkt, sehr gut zum Eiersalat passte. Nach der Zeit beim MLK habe ich das dann nie mehr so zusammengestellt gegessen. Bis heute. In der Mittagspause bestellte ich mir beim Metzger nebenan zwei Eiersalatbrötchen, Bockwurst und Senf. Auf einen Teller? Fragte die Verkäuferin etwas ungläubig. Ja, auf einen Teller. Und es schmeckt immer noch. Nur der Eiersalat war etwas charakterlos und deshalb längst nicht so lecker wie damals.

Kaum zu glauben

„Regelmäßig essen die Bulgaren auch Gerichte ohne Fleisch, weil sie das für gesund halten.“

Lilo Aureden in ihrem Kochbuch „Das schmeckt so gut“, erstmals erschienen 1965

Der feine Unterschied oder warum ich lieber esse

Entdeckung in einer Buchhandlung in Pankow. Dort, wo die Kochbücher stehen, wo es um gutes Essen geht, wo erklärt wird, wie eine Gans oder Roulade oder ein Sauerbraten zubereitet wird, steht ESSEN als Oberbegriff darüber.

Daneben stehen Bücher für Vegetarisches und Veganes, für Fit- und Schlankmacher, für Diäten bis zum Erbrechen. Darüber steht ERNÄHRUNG.

Also jetzt weiß ich endlich, warum ich schon immer lieber gegessen habe, anstatt mich zu ernähren.

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