Relativ

Neulich in der Schlange vor dem Kassenhäuschen im Freibad Pankow. Vor mir stehen etwa 15 Erwachsene mit etwa 40 Kindern. Direkt vor mir eine Anfangdreißigerin mit Tochter, etwa 10, 11 Jahre alt.

Tochter: „Mama, wie lange dauert das noch?“

Mama: „Nicht lange.“

Tochter: „Was heißt nicht lange?“

Mama: „Die Schlange ist relativ kurz.“

Tochter: „Also dauert es noch ewig.“

Mama: „Wie kommst du darauf?“

Tochter: „Weil du relativ gesagt hast.“

Mama: „Wie meinst du das?“

Tochter: „Mama! Jedes Mal, JEDES MAL, wenn Du keine Ahnung hast, benutzt du relativ. Sag doch einfach, dass wir hier noch ewig stehen. Du kannst es ja doch nicht ändern. Und hör endlich mit diesem relativ auf!“

Der Mai hat 31 Tage…

…das lernt schon jedes Schulkind. Aber das will nichts heißen. So waren die Öffnungszeiten der Berliner Freibäder im Internet nur bis zum 30. Mai angegeben. Neue Öffnungszeiten gab es dann am 1. Juni. Am 31. Mai? Keine Öffnungszeiten. Also müssen die Bäder wohl geschlossen haben. Dachten sicher viele. Ich bin trotzden hingegangen. Und hatte das komplette Bad für mich allein. Das hatte schon etwas Einzigartiges, etwas Besonderes. Zumindest waren es meine ersten Mittags-Bahnen so ganz allein im Becken. Das gab es bisher nur am Anfang der Saison. Bei Wassertemperaturen von 15 Grad. Das wollte sich auch fast keiner antun. Aber bei 20 Grad allein im Becken, das ist neu.

Ein freier Tag & Pearl Jam

Ein freier Tag. Früh schwimmen. Im Freibad Pankow. Herrliches Wasser. Und die , die immer hier sind. Die Schwimmer. Die Gaffer. Am Tisch vor dem Imbiss die alten Herrn. Braungebrannt wie nach einem sechswöchigen Karibik-Urlaub. Sitzen sie da, trinken Bier, rauchen Zigarillos und spielen Doppelkopf. Welch herrliches Rentner-Dasein.

1500 Meter geschwommen, ausnahmsweise. Weil im iPod die Mucke wieder mal gepasst hat. Danach in die Stammkneipe auf ein Wasser, ein Kaffee. Am Nachbartisch erholen sich zwei Handwerker bei Bier und Korn. In der Mittagshitze. Anschließend eine Runde mit dem Rad. Pause am Plattenladen. Die Fächer durchgewühlt. Mal hier, mal da reingehört. Mitgenommen die letzte von Creed sowie das 2009er Album von Pearl Jam.

Nach Hause. Ab auf den Balkon. Die Sonne ist schon um die Ecke. Die hellen Abende werden schon wieder verdammt kurz. Aber es ist ja mein freier Tag. Also Pearl Jam in den Player, eine Weinschorle dazu und ab auf den Balkon. So könnten von mir aus alle freien Tage enden.

Bahn zwei

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Morgens, wenn sich die meisten im Bett nochmal rumdrehen, zieht es mich hinaus. Hinaus ins Freibad Pankow. Das eher untypische Sommerwetter treibt nicht allzu viele dorthin. Schon gar nicht früh um acht. Und so habe ich ein 50-Meter-Becken mit sechs Bahnen ganz für mich allein. Irgendwo in seinem Häuschen sitzt ein Bademeister, vorn am Eingang, aber nicht zu sehen, die Damen an der Kasse.

Und so schwimme ich meine 1000 Meter, manchmal auch 500 mehr noch. 50 Meter Brust, 50 Meter Kraul. Anstrengend, aber auch herrlich, so ganz allein. Die Bahn kann ich mir aussuchen, meist es es die Nummer zwei. Warum? Das weiß ich auch nicht. Sie ist halt nicht ganz am Rand, und auch nicht in der Mitte. Eben Bahn zwei.

Beim Brustschwimmen kann ich ab und an nach oben blicken, sehe dort die Flugzeuge im Landeanflug auf Tegel. Oder, je nach Windrichtung, auch startende Flieger. Und denke dabei dann an meinen nächsten Flug. Ein Flug, der mich und meine Frau nach New York bringen wird. Eine kleine Hochzeitreise mit anschließendem Ferienhaus-Urlaub auf Key Largo in Florida mit Freunden. Und dann, wenn ich gerade in New York „gelandet“ bin, ist das Tagesziel auch schon erreicht. So macht Schwimmen Spaß.