Die (fast) letzte Bilderbriefkiste dieser Welt

KK100Sie steht immer noch da, wo ich sie beim Einzug vor knapp zehn Jahren hingestellt habe: Die kleine Kiste mit den Dingen von damals: mit ein paar Liebesbriefen aus der Jugendzeit, Fotografien in schwarzweiß, ein paar bunte Dias sowie wenige Aufzeichnungen. Gedichte, die ich damals schrieb, Gedanken übers Leben und den Sinn und überhaupt. Hätten wir einen Boden, stünde sie bestimmt schon dort. Denn geöffnet habe ich sie nur selten, eigentlich fast gar nicht. Aber sie ist da und wäre auch noch da, wenn ich nicht mehr da bin. So ist das eben mit alten Erinnerungskisten. Sie gibt es schon ewig und fast jeder hatte eine solche auf dem Dach, wo sie dann von der nächsten oder übernächsten Generation gefunden wurde.

Eine spannende Sache war das, ich erinnere mich, als ich eine solche Kiste im Dachverschlag meiner Großeltern fand. Mit Briefen und Rezepten, teils in deutscher Sütterlinschrift geschrieben, teils in noch älterer Kurrentschrift. Darunter lagen vergilbte Fotos, auf denen Soldaten und Schüler in Uniform, WM204neuganze Familien in Wohnzimmern und Landschaften zu sehen waren. Wer ist das auf den Fotos? Fragte ich damals die Eltern. Doch auch sie wussten nicht auf jede Frage eine Antwort, die Herkunft so manchen Fotos ist bis heute ungeklärt. Und so bin ich immer noch auf der Suche. Auf der Suche nach den Unbekannten, die sich damals haben fotografieren lassen und dann auf welchen Wegen auch immer in die Fotokiste meiner Großeltern fanden (siehe Foto oben).

Bisher ist es ungewiss, ob ich je erfahren werde, wer die elf jungen Herren sind. Gewiss ist: Es war eine der letzten alten Bilderbriefkisten dieser Welt. Denn JPEGs und E-Mails und Whatsapp-Nachrichten kann man (leider) nicht in Kisten packen und auf den Boden stellen.

Addition und Subtraktion und auch Deutsche Geschichte

Das Rechnen ist doch ab und an eine schwere Sache. Früher, also zu meiner Schulzeit in den 70ern, wurde es schwierig, wenn man Qaudratwurzeln ziehen musste. Oder schwierige Bruchrechnungen zu lösen hatte. Heute ist schwierig, Zahlen zusammen zu rechnen oder abzuziehen. Also die normalen Funktionen Addition und Subtraktion.

Letztens zu Mittag in einem Restaurant am Kudamm. Ich musste 8,50 Euro bezahlen. Ich legte der Kellnerin drei Restaurant-Gutscheine zu jeweils 2,50 Euro hin sowie einen Fünf-Euro-Schein und sagte „Neun“. Die junge Dame holte daraufhin ihren kleinen Taschenrechner aus der Schürze und addierte erst einmal 2,50 plus 2,50 plus 2,50 und kam tatsächlich auf 7,50 Euro (statt drei Mal 2,50 zu rechnen).

Diese 7,50 notierte sie dann mit ihrem Kuli auf der Rechnung. Dann zurück zum Taschenrechner und eingetippt: 8,50 minus 7,50… Bekomme ich also noch ein Euro, sagt sie. Darauf ich: Wie gesagt, machen Sie neun Euro. Daraufhin sie: Aber das sind nur fünf…

Tja, Rechnen ist nicht so einfach. Deshalb plädiere ich für ein paar Zusatzfächer in Berliner Schulen. Statt Religion sollte man besser folgende Pflicht-Fächer einführen:

Rechnen (siehe oben), Deutsche Geschichte (besonders die von 1933 bis 1990, da scheint es teils große Lücken zu geben) sowie die Alkoholische Gärung (Koma-Saufen).