Desert Lights Trading Co.

DSCN8035Ich bin dann mal weg. Also nicht wirklich. Aber nach eingehenden Studien des Energiermarktes in Deutschland und Abu Dhabi habe ich mich selbstständig gemacht. Zumindest fast. Denn mir ist ein Licht aufgegangen. In Kooperation mit zwei ranghohen und vor allem reichen Sheiks (Scheichs) vor Ort haben wir heute die Desert Lights Trading Co. gegründet (Foto oben kurz nach der Vetragsunterzeichnung). Hauptbetätigungsfeld: Ex- und Import von Glühlampen.

Richtigen Glühlampen. Nicht der Energiespar-Dreck, den man in Deutschland kaufen muss. Sondern ehrliche und echte Glühlampen. 40-, 60-, 75- oder und 100-Watt-Lampen. Alles da. Wie früher bei uns. Und weil das Wort Sparen hier nicht existent ist, schon gar nicht in Zusammenhang mit Energie oder Strom oder Benzin oder Wasser oder überhaupt Irgendetwas, glauben wir alle an ein lohnendes Geschäft.

1,25 Dirham kostet die gute alte Lampe oder Birne hier im Supermarkt. Das wären dann etwa 25 Euro-Cent. Im Großmarkt gibt es natürlich ganz andere Preise. Geschätzte zehn Cent soll dort ne Birne kosten. Bei einem Weiterverkaufspreis von einem Euro je Lampe wird es sich für alle lohnen. Die Sheiks meinen, wir sollten gleich zwei Euro nehmen. Die Birnen würden auch dann noch wie warme Semmeln weggehen.

Recht haben sie. Denn der Deutsche wird sich freuen,  wenn er wieder ne echte Birne in seiner Fassung hat. Da muss er nicht mehr durchdrehen. Bei geschätzten 40 Millionen Deutschen, denen die Energiesparlampen genauso auf den Keks gehen wie mir, rechnet die Desert Lights Trading Co. im ersten Jahr mit einem Umsatz von 240 Millionen Euro. Davon ausgehend, dass jeder nur drei Glühbirnen kauft. Das Doppelte ist eher wahrscheinlich. Und dann holen wir uns die ganze EU.

Aber es geht noch weiter. Weil man sich in Abu Dhabi einen Dreck um die Umwelt schert, werden wir selbstverständlich defekte und verbrauchte Lampen hier entsorgen. Irgendein Platz in der Wüste oder im Meer findet sich in den Emiraten immer.  Da freut sich dann auch wieder das Umweltbundesamt. So, jetzt muss ich in den Großmarkt, die ersten Birnen abholen. Man sieht sich. So lange es hell ist. Übrigens: Suche noch Handelspartner. Die auch gerne mal ein gutes altes Ding in die Fassung drehen wollen.

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Politisch motivierte Glühbirnen

Das musste ja so kommen. 130 Jahre nach Einführung der Glühfadenlampe, oder einfach nur Glühbirne genannt, brennt sie nunmehr politisch motiviert. Wo kein Strom mehr hindurch darf, kann man immer noch Farbe hinein tun. Und was in Hamburg geht, wird auch in Berlin bald Schule machen: Glühlampe statt Farbbeutel.  An Nachschub sollte es zumindest in den nächsten paar Jahren nicht mangeln. Bei fast zwei Millionen Haushalten in der Hauptstadt brennen derzeit geschätzte zehn Millionen verbotene Birnen an den Decken und Wänden Berlins. Genug Nachschub für politisch motivierte Glühbirnenwürfe.

Polizeimeldung vom 1. September:

Zeugenaufruf nach politisch motivierten Sachbeschädigungen in Hamburg =
Hamburg (ots) – 1.) Tatzeit: 01.09.2012, 04:00 Uhr Tatort: Hamburg-Niendorf, Bernwardkoppel
In der Freitagnacht haben bislang unbekannte Täter mehrere mit Farbe gefüllte Glühlampen gegen das Wohnhaus eines 53-jährigen Politikers geworfen. Die Staatsschutzabteilung des Landeskriminalamtes hat die Ermittlungen übernommen.
Der 53-Jährige hörte nachts Geräusche an seinem Haus, konnte jedoch aufgrund der Dunkelheit nichts erkennen. Bei Tageslicht stellte er an der Fassade seines Wohnhauses mehrere Farbflecken fest. Der Geschädigte verständigte die Polizei. Der oder die Täter hatten mehrere mit Farbe gefüllte Glühlampen gegen die Hauswand geworfen. Die Beamten stellten mehrere Gewindeteile sowie eine unversehrte mit Farbe gefüllte Glühlampe sicher. Die Ermittlungen des Staatsschutzes dauern an.