Reisetagebuch VI: Bratwurst vom Indianer

Wenn schon, denn schon. Wenn man schon einen Freund mit auf der Reise hat, der sich dank seiner Flugmeilen und Hotelpunkte puren Luxus leisten kann, dann kann man das auch mal mitnehmen. So landeten wir nach unserem Marihuana-Ausflug in Taos/New Mexico. Ein Ort voller Pueblo-Tradition, in dem die Pueblo-Indianer an ihrem Zigarettenkiosk doch tatsächlich gegrillte Bratwurst verschenken (It´s Customer-Day). Wir trauten zuerst unseren Augen und Ohren nicht – aber es war real: Vor dem Zigrettenladen wurde Bratwurst gegrillt, die dann kostenlos im Brötchen mit Senf verteilt wurde. UNd auch unter diesem Namen: BRATWURST.

P1110735Nun, das war nur der Anfang in Taos, später ging es dann noch weiter mit den Überraschungen. Denn unser Freund hatte Suiten im El Monte Sagrado gebucht, einem kleinen aber feinen Spa-Hotel inmitten der Adobe-Bauten der Altstadt von Taos. Die Suiten alle mit Schlafzimmer, Badezimmer, Wohnzimmer nebst Kamin. Das schönste aber der Spa-Bereich mit Sauna sowie der Aqua-Bereich mit großem Pool und Jacuzzi. Herrlich entspannend und am Abend der nächste Höhepunkt: Ein echtes Dinner im dazugehörigen Restaurant. Es begann mit „Seared Ahi Tuna with Siracha, Soy Syrup, Pickled Ginger, Wasabi & Pickled Cucumber Salad“, setzte sich mit „Smoked, Grilled & Glazed Pork Back Ribs, Black Beans & Poblano Slaw“ fort und endete schließlich mit „Dulce De Leche Carmel Swirled into New York Style Cheesecake, Biscochito Cookie Crust“. Dazu gab es zunächst einen guten Weißwein aus Spanien, dann einen roten aus Neuseeland. Perfekt. Der Whisky Sour an der Bar zuvor und hernach wurde auf meinen Wunsch hin mit Woodford Reserve gemixt und war deshalb vorzüglich. Was will man mehr in der Wüste New Mexicos?

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Zoofenster überflügelt Kirchturm

Lange Zeit bewies der alte Turm der Gedächtniskirche seine wahre Größe und dominierte die Berliner City West am Breitscheidplatz. Das ist nun vorbei. Zwar haben moderne Lasermessungen ergeben, dass der Turm nicht wie bisher gedacht 68, sondern 71 Meter hoch ist, aber die Höhendominanz musste er nun abgeben. Das noch im Bau befindliche Zoofenster-Hotel hat ihn überflügelt. Bald nun aber verschwindet der Kirchturm komplett. Etwa für zwei Jahre ist von den alten Mauern nichts zu sehen. Während der Sanierung wird der Turm mit Aluminium eingeplattet.

Von Null auf 32

Lange ist es her, doch wie auf einigen DDR-Baustellen gearbeitet oder auch nicht gearbeitet wurde, weiß ich noch immer ganz gut. Mal fehlte das eine Material, mal das andere. Oft waren auch Maschinen oder Werkzeuge defekt, wo dann die Ersatzteile fehlten. So war das eben.

Um so erstaunlicher ist es für mich, wie lange auch heute noch einige Bauvorhaben dauern. Allein die Planungsphasen dauern teilweise Jahre. Und wenn dann nach Jahren Planungs- und bauzeit mal eine Straße endlich fertig geworden ist, wird sie gleich wieder aufgerissen. Weil nun doch noch die neuen Wasserrohre oder Leitungen verlegt werden. Beobachten kann man dies überall in Berlin, auch Pankow gleicht schon seit Jahren einer Großbaustelle.

Es geht aber auch anders. Von meinem Arbeistplatz aus kann ich auf das neue Zoofenster blicken. Ein 32-Etagen-Haus wird da gebaut. Mit Luxus-Hotel, Büros, Einzelhandel und Wohnungen. Und weil ich das jeden Tag sehen kann, weiß ich auch, wie schnell die Jungs dort sind. Jede Woche eine Etage, vier im Monat, 32 in acht Monaten. Die haben also Anfang des Jahres begonnen und sind im Herbst bei der 32. Etage angekommen. Wow, da wird einem schon beim Zuschauen schwindlig.  Und manchmal dann wünsch ich mir meinen alten Job zurück. Obwohl, Bierbowle und Monteurskaffee sind heute wohl eher passé.

Woche acht, Etage acht: das neue Zoofenster