Kevin allein jenseits von Amerika

P1050580Natürlich. Er könne sich sehr gut erinnern. An das Konzert damals. 2010 in Portland. Das war doch im White Eagle Hotel. Sagt Kevin Devine nach seinem Konzert im Magnet Club Berlin während er für seine Fans CDs und Platten signiert. Es war damals die erste Begegnung mit dem Songwriter aus Brooklyn/New York. Und der musikalische Höhepunkt während unseres USA-Urlaubes damals zwischen San Francisco und Yellowstone. Nun also die zweite Begegnung. Diesmal in Berlin. Und wieder ein Höhepunkt.

Kevin Devine, auch diesmal wieder allein. Geplant war das Konzert mit Band. Aber die konnte sich der Ausnahmesänger nicht leisten. Nicht für Europa. Zu wenig Tickets im Vorverkauf. Zu wenig verkaufte Scheiben jenseits von Amerika. Aber die, die ihn kennen, waren da. Die, die ihn verehren, die ihn schätzen. Schätzungsweise 100. Weil Kevin Devine eben eine Ausnahme ist. Nicht nur sein Stimme. Auch seine Art, sein Auftreten, seine Texte. Er spielt auch schon mal schnell ein Video in der Garderobe ein, sammelt im Internet Geld für Plattenproduktion und anderes. Was bei Devine aber eben auch passt, weil er eben sonst nirgends passt.

Und so steht er allein auf der Bühne an diesem Freitagabend im Magnet Club Berlin. Begleiter sind seine Gitarre und seine Stimme, die er, je nachdem, wie weit er sich vom Mikro weg bewegt, derart variieren kann, dass man bei „Brothers Blood“ zum Beispiel nur sprachlos und mit Gänsehaut zuhören und -sehen kann. Wenn er weit hinten steht und seine Songs ins Publikum flüstert, dann klirrt auch schonmal das Mädel hinterm Tresen etwas leiser mit den Gläsern, Unterhaltungen im hinteren Bereich lässt er so verstummen. Devine muss zwischendrin nicht viel erzählen. Seine Songs machen das schon. Nur einmal, da fragt er, ob denn jemand von weither nach Berlin gekommen sei. Ja, natürlich. Dublin, Kapstadt, Long Island. Wow. Sagt Kevin. Aber sicher nicht nur wegen mir. Aber egal.

Devine spielt einen Song nach dem anderen, will gar nicht mehr aufhören. Zuerst die Lieder vom neuen Album „Bulldozer“. „Matter Of Time“,  „Little Bulldozer“, „From Here“, „For Eugene“. Dann die älteren. Wie „Another Bag of Bones“. Oder „I Could Be With Anyone“. Oder eben „Brothers Blood“.  Jene Songs also, die für mich und einige andere das Zeug zum Hit haben. Aber eben nicht für alle. So bleiben seine eben unsere Hits. Auch schön. Und so steht er weiter nach seinen Konzert inmitten seiner Fans und beantwortet alle ihre Fragen. Und bleibt eben die Ausnahme. Einer der besten Ausnahmen, die es gibt.

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„Portland is a cool city“

Den Worten Kevin Devines könnte ich mich komplett anschließen. Wenn ich denn Portland gesehen hätte. Doch es war leider nur ein Ort auf der Durchreise. Immerhin gab es das Devine-Konzert im White Eagle. Außerdem gab es dort den (für mich) besten Burger des Urlaubs. Und Kurz-Besuche in coolen Städten haben auch ihre Vorteile: Sie sind ein Grund, zurückzukommen. Bis dahin bleiben die Erinnerungen und dieses Video:

Kevin Devine & die iPhone-Attacke

Wie der beste Weg zum White Eagle Hotel sei, fragten wir einen Herren mit iPhone in der Hand am Palm Beach Motel in Portland. Wir waren auf dem Weg zum Kevin-Devine-Konzert. Der Typ überlegte kurz, fand aber wohl nicht die richtige Antwort. Also schaute er in sein iPhone, rief den Stadtplan von Portland auf, parallel dazu die Straßenbahnverbindungen. Zwei Minuten später waren wir mit allen Informationen versorgt. Nur eine Station mit der Bahn, dann die Mississippi Street hinauf bis zur Russel und schon seien wir da. Vielen Dank und einen schönen Abend noch und die Frage: Sie sind wohl immer online, was? „Yes“, kam prompt die Antwort. Und dann noch: „Es ist wie eine Droge. Ohne das, das wäre katastrophal.“ Unterdessen war dann auch unsere Bahn gekommen. Und, beim Einsteigen, bemerkte er noch: „Eine Terroristen-Attacke auf das iPhone-Netz, das wäre viel wirksamer als Bombenanschläge. Das wäre wirklich schlimm.“ Sprachs, wünschte uns einen Guten Abend und war schon wieder in den Weiten seines iPhones verschwunden. Das Konzert dann mit Kevin Devine war klasse. Inklusive einer jungen Vorband, deren Namen man sich merken sollte: The Physical Hearts.