Against Me

Es war ein großartiger Abend im SO36.  Schon wegen der beiden Vorbands Mobina Galore und Milk Teeth hätte sich der Besuch gelohnt. Punk aus Kanada und aus England. Herrlich einfach und schnöde, kein Rumgezicke auf den Instrumenten. Klarer geht Punk wohl kaum. Dann aber standen sie endlich auf der Bühne: Laura Jane Grace, James Bowman, Inge Johansson und Atom Willard von Against Me. Ich hatte die Band aus Gainesville/Florida zuletzt 2014 in Tempe/Arizona als Support von The Gaslight Anthem gesehen. Ich kannte sie vorher schon, auch aus der Zeit, Lara noch Tom (Gabel) war. Nicht jedoch live, Tempe war die Premiere für mich.  Und damals stand fest: Das nächste Konzert in Deutschland darf ich nicht verpassen. Nachdem ich dann auch noch das neue Album Shape Shift with Me (eine „Transperspektive“ auf Liebe und Sex) gehört hatte, war klar, dass ein Konzerbesuch Pflicht sein würde. Und es kam wie erwartet: Laut, schrill, grandios. Transgender Laura & Kollegen hauten einen Song nach dem anderen von der Bühne, neue Songs, alte Hits mit dermaßen viel Power und guter Laune, dass das komplette SO36 ausflippte. Ich hab (leider nur) mit dem Handy einen Klassiker aufgenommen. Und für alle, die weder Sängerin Lara noch Tom kennen, hier die Version, als Lara noch als Tom auf der Bühne und im Leben stand:

 

 

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Blutwurst im Blätterteig

Ich esse gern, ich koche gern. Auch die gute alte deutsche Küche mag ich. Rouladen, Sauerbraten, Kartoffelsuppe, Linsen, Spargel, Schnitzel, Rosenkohl, Kotelett, Buletten, Erbsen, Möhren, Eisbein, Sauerkraut und was es sonst noch so gibt. Aber irgendwie habe ich wohl bisher das alles falsch verstanden. Ein gewisser Tim Lehmacher, der sich in der Sonntagsausgabe der Berliner Morgenpost als Künstler bezeichnet, äußert sich über sein Liebslinsglokal in Kreuzberg. Dort gäbe es herzhafte deutsche Küche, schlicht und rustikal. Sein Lieblingsessen sei „Blutwurst im Blätterteig“.

Is He Really Going Out with us?

Er ist es gewesen. Tatsächlich. Erst jetzt wurde es mir bewusst. Joe Jackson. Neulich in Berlin. Lebt in Kreuzberg jetzt. Hat sein neues Album in Berlin aufgenommen. In den guten alten Studios vom Funkhaus Nalepastraße. Hier, wo einst die Stimme der DDR saß, wo DT64 laufen lernte. Nun also „Rain“. Auf dem Innen-Cover sieht man ihn mit seinen Musikern an einem Kreuzberger Imbiss sitzen. Unter dem Görli, dem Görlitzer Bahnhof. Da, wo die U-Bahn eine Hochbahn ist.

Allerdings erzählt „Rain“ nichts von Berlin, nichts über Berlin. Wie viele vermutet hatten. Denn Jackson glaubt nicht an Orte. Nicht an Orte, die seine Musik beeinflussen. Auch nicht an Berlin? Berlin, glaubte Jackson, sei Techno. Ist es aber nicht. Berlin ist Balkanbeat. „Der Sound von Berlin könnte Crossover sein, aus Techno und rumänischer Blasmusik“, sagte er jüngst.

Und doch Berlin. Warum? Es sei menschlicher als New York, preiswerter als London. Noch. Denn auch das werde sich ändern, sagt Jackson. Lange wird er sowieso nicht hier sein. Der Verfechter der Raucherfreiheit. Denn auch Berlin hat sich dagegen entschieden. Ein katastrophale Entwicklung, nennt er es. Und zündet sich noch eine an.

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Foto: MUSIC MATTERS