Krise. Wetter. Pleite. Urlaub. Berlin.

So weit ist es nun gekommen. Das schöne Urlaubsland rutscht an die vierte Stelle. Erst kommt die Krise, dann aber immerhin schon das Wetter. Bronze für die Pleite in Griechenland und hernach dann erst der Urlaub. Dabei war er so schön in diesem Jahr. Und immerhin gibt es noch zwei positive Ergebnisse, wenn man Griechenland googelt. Ganz anders sieht es da mit Berlin aus. Nicht mal ne Pleite, keine Krise, vom Wetter ganz zu schweigen und schon gar kein Urlaub. Obwohl – Pleite und Krise ja doch irgendwie genannt sind.

Advertisements

Krisengipfel

Gekommen, um den Griechen zu helfen und hier auf dem Weg von Saranda nach Korfu: Eine Reisegruppe Tschechen führt albanischen Konjak trinkend lustig trunkig das Wort auf dem Schiff, das auch wir für die Rückfahrt von Albanien nach Kerkyra genommen haben.

Wie gut die Krise schmeckt

Berliner Unternehmensverbände laden dieser Tage zum Essen und Jammern ins Luxushotel. Im Nachbarhaus speist der Immobilienverband mit Fachjournalisten Kaviar & Lachs. Thema: Der Zusammenbruch des deutsch-europäischen Immobilienmarktes. Zum Krisengespräch mit Spargelessen geht es im Mai ins Nobelrestaurant, geladen hat ein Finanzberater. Bereits letzte Woche hatte der größte Berliner Wohnungsverwalter in die Konzernzentrale zum Krisen-Brunch geladen.

Ja, Berliner (und hier arbeitende aber woanders wohnende) Journalisten lassen sich die Krise richtig gut schmecken. Hier ein Häppchen, da ein Häppchen, so geht der Arbeitstag schneller vorbei. Denn um einen Berliner Journalisten hinter seinem Schreibtisch hervorzulocken, bedarf es schon mehr als nur eine normale Pressekonferenz. Geschätzte 30 bis 50 Firmen, Parteien, Vereine und Institutionen buhlen täglich bei ihren Pressekonferenzen um die Anwesenheit der schreibenden und drehenden Zunft. Da reichen Kaffee und Wasser schon lange nicht mehr aus. Es sei denn, es handelt sich ausnahmsweise mal um ein neues und brisantes Thema. Dann kommen die Damen und Herren Journalisten auch ohne Canapés und frischgepressten Orangensaft aus.
cimg2173

Saté- und Obstspieße, Lachs- und Salami-Häppchen auf einer Pressekonferenz in Berlin
Doch bei vielen anderen Terminen werden Lachs-Häppchen aufgefahren, Schinken, Salami, Käse vom Feinsten gereicht. Sogar Früchte-Spießchen, Sprossen oder Algensalat gibt es inzwischen für die ökolinke Journaille von taz & Co. So manche der Damen und Herren sind unterdessen gar wählerisch geworden. Da muss es schon ein bestimmtes Wasser, ein frisch gepresster Orangensaft oder ein Öko-Apfelsaft sein. Ja, die Krise schmeckt gut in Berlin.

Erst gestern wurde es wieder so richtig schmackhaft. Das Thema war ja auch schon bitter genug. Der Vorstand von Creditreform sprach über die Krise im deutschen Mittelstand. Und während der Redner die Worte Entlassungen und Insolvenzen in den Mund nahm, nahmen die anwesenden HauptstadtredakteurInnen ganz andere Sachen in den Mund: Obst-Spieße, Tomate-Mozarella, Kalbsfilet-Häppchen, Schinken-Melone und Croissants aller Art. Ja, die Krise schmeckt wirklich gut.

cimg2177

Noch ein Häppchen, noch einen Schluck: Berliner Journalisten bei der Krisen-PK von Creditreform