Pressefreiheit

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Liegenbrässe

braesse_01Nach wiederholtem Studium diverser Film- und Tonaufnahmen aus Dresden und anderen Städten bin ich mir nun sicher, dass die Presse Lügen verbreitet, indem sie behauptet, Demonstranten dort und anderswo würden „Lügenpresse“ skandieren. Meines Erachtens rufen jene jedoch“Liegenbrässe“ oder auch „Lügenbrässe“. Was die Frage aufwirft, wen oder was sie damit meinen. Die Brässe an sich ist als Brasse ein Fisch oder auch das Tauwerk an einer Rah auf Segelschiffen. Genuschelt könnte das durchaus als Brässe durchgehen. Eine liegende Brässe (oder auch Brasse) könnte demnach ein auf Grund gelaufener Fisch oder ein gerade nicht bewegtes Seil an der Rah sein. Was aber hat nun der Rahsegler mit Dresden zu tun? Oder warum sollte ein Rahsegler lügen? Das sollte die Presse mal recherchieren. Fragt man Google nach Brässe, kommt man zu keinem befriedigenden Ergebnis. Aber wahrscheinlich ist das auch so ein Lügenportal.

Checkpoint-Geburtstag

Der Checkpoint vom Tagesspiegel feiert heute seinen ersten Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch! Seit einem Jahr beginnt für mich (fast) jeder Tag mit der Lektüre dessen, was in Berlin los ist und was nicht. Dazu immer mit dem BER count up seit Nichteröffnung (Stand heute 1270 Tage). Aus Anlass des Einjährigen ein Auszug des heutigen Checkpoints, der doch sehr (zumindest namentlich) an diese Geschichte hier erinnert.

Fester Vorsatz seit gestern: Nie wieder über Tiernamen in Berliner Zoos mokieren – in Bochum haben sie ihrem sehnsüchtig erwarteten Flamingo-Küken („nach langer Pause“) den Namen Horst-Kevin gegeben (eigentlich ein Fall für den Tierschutzbund).

Weltmeistertragödie

sommerloch_2014_aEs ist eine Tragödie. Nicht gar zu schlimm. Aber eben doch. Deutschland ist Weltmeister. Fußball-Weltmeister. Und so hatten die Medien einen Tag lang eine Schlagzeile. In vielen Variationen. Weltmeister. Einen Tag danach war es dann schon langweilig. Beziehungsweise wäre es langweilig geworden. Denn was ist schon ein Weltmeistertitel, der drei Tage alt ist? Nichts weiter als ein jedes andere Sportereignis. Langweilig wie das Wetter der vergangenen Woche. Jedenfalls aus Sicht der Schlagzeilenmacher. Sicher, man wird noch länger berichten. Aber für die ersten Seiten der Medien hat auch ein Weltmeistertitel seinen begrenzten Wert.Die mediale Halbwertszeit ist auch für einen solchen Titel nicht sehr lang.

Nehmen wir mal an, Deutschland wäre Vizeweltmeister geworden. Oder schlimmer noch, Dritter. Oder gar Vierter? Welch Tragödie. Für Fans und Team. Für Deutschland. Nicht aber für deutsche Medien. Ein Vizemeistertitel hält medial länger als der Sieg. Da hätte man noch Wochen berichten können, warum wer wann wieso versagt hat. Wer der Schuldige ist. Die Schuldigen sind. Dann, nach zwei, drei Wochen der Aufarbeitung, hätte man, wieder wenigstens ein paar Tage lang, Nachfolger fordern können. Für den Trainer. Den Co-Trainer. Den Physiotherapeuten. Den Torwart. Dann wäre der Trainer gegangen. Und der Co-Trainer. Wieder Schlagzeilen für Tage oder Wochen. Medienfutter für einen ganzen Sommer lang. Aber nun sind wir Weltmeister. Medienfutter für eine Woche nur. Wenn überhaupt.

Da kam das Ereignis bei der Siegesfeier doch zu rechten Zeit. Der Gaucho-Tanz. Und egal, ob man ihn gut fand oder nicht, ob man dafür oder dagegen, ob man Fan ist oder nicht, ob man es den Jungens gönnt oder nicht, ob peinliches Eigentor oder Nazi-Folklore – ganz egal, es ist Futter für wenigstens einen halben Sommer lang. Die einen werden noch lange über das Ereignis an sich berichten, andere über die Reaktionen der anderen darauf, die nächsten dann über die Reaktionen der anderen auf die Reaktionen ganz anderer.  Eine Minute WM-Party, die mehr ausgequetscht wird als alle Spiele zusammen. Und so wird am Ende aus der Weltmeistertragödie für die Medien doch noch ein lohnenswertes Ereignis, das zusammen mit ein bisschen aufgebauschter Siegesfeierlaune über den Sommer helfen wird.

 

Ulis erster Stuhlgang

hoeneß_wurst_02aEs wird seit vielen Jahren mein erster ohne Loch. Mein erster Sommer. Ohne Sommerloch. Also, nicht, dass es dieses Jahr nicht nicht existent sein wird. Aber ich muss mich nicht aktiv daran beteiligen. Ich muss es nicht außreißen und schon gar nicht buddeln. Dieses Jahr bin ich endlich einmal auf der anderen Seite der Macht. Muss nicht längst überholte Statistiken aufmöbeln, nicht uralte Storys aufwärmen, keine Interviews des Vorjahres mit einem Telefonanruf auf den neusten Stand bringen, nicht tagelang im Archiv wühlen, um relevante Schlagzeilengeschichten vorproduzieren zu können. Seit langer Zeit (etwa 22 Jahre) endlich mal raus aus dem Geschäft der ach so tiefgründigen Sommerlochmediengeschichten. Die meinen Kollegen und mir so oft den Sommer verregnet haben. Weil man aus Scheiße Bonbons machen musste. Immer wieder. Und immer wieder die gleichen Bonbons aus der gleichen Scheiße. Das ist nun vorbei. Dieses Jahr darf ich endlich einmal nur zusehen und schauen, welche Bonbons es zu kaufen gibt. So richtig kann ich mich allerdings nicht darauf freuen. Denn wenn der erste Knast-Tag von Uli H. fast allen Medien die Schlagzeile wert war, dann habe ich Angst. Angst vor „Ulis erster Stuhlgang hinter Gittern“. Und die ganze Scheiße danach.

 

Miesmacher Medien

Screenshot01Sie müssen immer alles mies machen. Das ist das große Problem der Medien. Besonders der deutschen Medien. Ich denke, die Briten und Amis und Franzosen und Spanier sind da etwas anders. Die können einer Niederlage auch mal etwas abgewinnen. Nur die Deutschen nicht. Die müssen immer alles nieder, alles mies, alles schlecht machen. Aktuelles Beispiel: Mehr als 12 Mio. sehen die bittere Niederlage der Bayern. Woher wollen die das wissen? Vielleicht sahen ja zwei Millionen von den zwölf Millionen einen Sieg von Real? Gut, zwei Millionen ist vielleicht ein wenig übertrieben. Mir ist schon klar, dass die Mehrheit der deutschen Fußballfans zu Bayern hält, weil man gern zu Gewinnern hält. Das gibt einem das Gefühl, selbst ein Sieger zu sein. Meistens zumindest. Gestern war es dann doch wohl eher eine Niederlage.

Aber zurück zum Miesmachen. Warum titelt man nicht mit einem Super Sieg für Real? Realer Sieg gegen Bayern?  Weil das eben nicht geht. Die deutschen Medien sind dazu nicht in der Lage. Das Glas ist immer halb leer, die Staus immer lang, das Wetter immer Scheiße. Man könnte ja auch melden, die meisten Autobahnkilometer sind ohne Stau und übermorgen scheint wieder die Sonne. Nee. Um Jottes Willen. Das geht gar nicht. In Deutschland ist eben alles schlecht. Und was nicht mies ist, wird von den Medien so gemacht. Und nicht nur von BILD & Co. Nein, da machen alle mit. Von taz bis Süddeutsche, von tagesschau bis RTL News. Alles eine gleiche Miesmacherei. Der Sommer ist zu kurz, dann zu heiß, mal zu kalt, der Frühling zu nass, oder zu trocken, im Winter zuviel Schnee oder es gibt gar keinen Winter. Das Wetter ist eben, wie der Fußball, wie die Politik oder wie der Zustand der Straßen, immer schlecht in Deutschland.  Vom Klima ganz zu schweigen. Allerdings denke ich, dass dies nicht an der globalen Klimaerwärmung liegt. Sondern eher am eisigen Klima in den deutschen Redaktionsstuben. Und an der Unfähigkeit, einer Niederlage etwas Positives abzugewinnen.