Ding des Monats XXI

Aus der Thüringer Allgemeinen:

Erfurt. Der neue Wasserwerfer der Thüringer Polizei ist bei einem Übungseinsatz beschädigt worden. Beamte der Bereitschaftspolizei attackierten das Spezialfahrzeug „Wasserwerfer 10.000“ innerhalb der Übung mit Eiern, Tennisbällen und kleinen Plastikflaschen. Dabei kam es laut Landespolizeidirektion zu „faustgroßen“ Schäden am Sicherheitsglas des Einsatzfahrzeuges. Es sei nicht nachzuvollziehen, wie es zu einem solchen Schadensbild kommen konnte, erklärte ein Sprecher MDR Thüringen. Das rund eine Million Euro teure Spezialfahrzeug wurde für Polizei-Großeinsätze angeschafft. Nach Angaben der Landespolizeidirektion kam das Fahrzeug seit seiner Auslieferung im vergangenen Herbst drei Mal zum Einsatz.

Wetten, dass ich es nie gesehen habe?

wettenAm Ende kamen dann doch noch Zweifel. Was ist, wenn ich bei Freunden bin, bei denen das zufällig läuft? Die Stadtwette in deren Stadt? Geh ich dann einfach hinaus, weg, tschüss und good bye? Aber diese Peinlichkeit ist mir erspart geblieben. Und ihnen auch. Dann war da noch die Möglichkeit, dienstlich dazu verdonnert zu werden. Wer weiß? Vielleicht kommt mal einer dahin, den du kennst und dann musst du natürlich weil man ja nicht wegschauen kann, wenn man einen kennt. Aber es kam keiner. Und nun muss ich, da ich glücklicherweise wieder freischaffend bin, auch dienstlich nicht mehr. Ich glaube auch nicht, dass sich bei den letzten Sendungen daran etwas ändern wird.Bei meiner Familie lief das auch nie. Oder ich war zu den Sendezeiten nie dort. Wie auch immer. So kann ich hier ohne Gewissensbisse und frei heraus sagen und schreiben: Wetten, dass ich nicht eine Wetten, dass-Sendung gesehen habe? Und es macht mich nicht traurig. Oder so. Nein, eigentlich empfinde ich rein gar nichts.

Der Huffposts neue Wege

Zuerst dachte ich an einen Scherz. Cherno Jobatey als Editorial Director bei der deutschen Huffpost? Dann dachte ich mir, warum nicht? Die Huffpost will ja schließlich neue Wege gehen, da kann man auch mal einen dauerlächelnden TV-Moderator einkaufen. Und neben Boris Becker macht er dann doch noch einen recht gebildeten Eindruck. Also, dachte ich mir, neue Wege gehe ich auch gern und oft. Also nix wie hin zur Huffpost, Blogger-Konto einrichten und loslegen. So war es doch gemeint, oder? Ein Plattform für Blogger. Na gern doch. Allerdings wird es nichts mit uns. Jeder, der sich bei der Huffpost  anmelden möchte, kann dies nur tun, wenn er sein gesamtes Facebook-Profil inkl. aller Kontakte der Zeitung gegenüber offenbart. Wenn er also seine Abonnenten kostenlos der Huffpost überlässt. Sorry, Frau Huffington, nicht mit mir. Nichts gegen neue Wege. Aber das haben Sie sich nicht verdient.

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Ding des Monats XIV

verfschutz_01Ausgerechnet türkische Decknamen soll die Polizei in Berlin nach Informationen der Zeitung „Hürriyet“ V-Leuten aus der Neonazi-Szene gegeben haben. So sei der V-Mann Thomas S., der der Polizei zehn Jahre lang Erkenntnisse über die Neonazi-Musikszene geliefert hatte und mit der mutmaßlichen NSU-Terroristin Beate Zschäpe liiert war, unter dem Namen „Ibrahim 562“ geführt worden, berichtet die Europa-Ausgabe von „Hürriyet“ online unter Berufung auf ein als geheim eingestuftes Papier des Landeskriminalamtes. Zwei weitere V-Leute hätten die Decknamen „Murat 620“ und „Adnan 672“ verpasst bekommen, ohne dass sie selbst davon gewusst hätten.

Flughafen BER pünktlich eröffnet

flughafen_bbi_002Manchmal frage ich mich, was wäre wenn gewesen passiert sein könnte. Oder so ähnlich. Wenn zum Beispiel unser toller Flughafen pünktlich eröffnet hätte. Damals, am 3. Juni 2012 (oder an den Terminen zuvor, davon mal abgesehen). Ich frage mich, was wir speziell in Berlin alles hätten lesen können. Dürfen. Was hätten wir alles erfahren, das nun für immer im Verborgenen bleibt. Das nie geschrieben worden ist. Weil dieser komische Flughafen nicht rechtzeitig fertig wurde. Und, das kommt noch dazu, was auch in den nächsten Monaten und vielleicht Jahren nicht ans Tageslicht kommt. Weil einfach kein Platz dafür ist.

Sieben Berliner Tageszeitungen berichten seit nunmehr 270 Tagen über die Nicht-Eröffnung eines Flughafens. Im Schnitt, sagen wir mal, auf durchschnittlich zwei Seiten pro Tag. Manchmal sind es vier, manchmal sechs, an anderen Tagen bekommt die Unfähigkeit, lediglich einen Flughafen zu bauen, nur eine Seite. Aber es wird täglich berichtet. 270 Tage auf zwei Seiten in sieben Berliner Tageszeitungen. Das sind 3780 Zeitungsseiten. 3780 Geschichten über das Versagen der Aufsichtsräte, den Baupfusch deutscher Elitefirmen, Pleiten und Pannen der Planer, Korruptionsverdacht und Rücktritte, Rausschmiss und Millionengehälter, Brand- und Kündigungsschutz, Makel und Debakel, poröses Pflaster und Desaster, Katastrophen und über all die anderen schier unglaublichen Vorgänge auf einer Baustelle des 21. Jahrhunderts.

Hätte der Flughafen pünktlich geöffnet, hätten wir auf jeder dieser 3780 Zeitunsgsseiten wenigstens zwei andere Geschichten lesen können. Das wären 7560 Geschichten gewesen. Vielleicht sogar schöne Geschichten. Über Dinge, die gelungen, Bauvorhaben, die abgeschlossen, Aufsichtsräte, die fähig, Planungen, die gut waren. Über Pleiten, die verhindert, Millionengehälter, die nicht gezahlt, sondern gespendet, Katastrophen , die verhindert worden sind. Über Elitefirmen, die den deutschen Ruf verteidigt, über elektrische Schutzanlagen, die von Anfang an funktioniert haben. Oder einfach nur schöne Geschichten aus den Berliner Kiezen. Über Familien mit und ohne Kinder, über Restauranteröffnungen und tolle neue Läden, über Clubs und Diskotheken, über Bäume und Straßen, über Glück und Ärger. Eben über das Leben. Das wäre schön gewesen. Doch dies blieb leider verborgen.

Und noch so manche schöne Geschichte wird auch weiterhin der seltsamen Baustelle vor den Toren Berlins, wo behauptete wird, dort würden einst Flugzeuge starten und landen können, zum Opfer fallen.

Scheidung der Steuer wegen

Das Frühjahr naht und damit auch der Termin zur Abgabe aller meiner gesammelten Rechnungen zwecks Einreichung bei der Steuerberaterin bzw. beim Finanzamt. Insgeheim hoffend, dass auch in diesem Jahr eine Rückzahlung dem Konto gut tun wird. Erinnert an meine Steuererklärung wurde ich in diesem Jahr durch diverse Schlagzeilen diverser Medien. Mangels Neuigkeiten von Wulff, Breivik, EHEC, Fukushima und/oder Merkel, Taliban, Griechenland, Putin oder Berlusconi greift man in solchen Zeiten auch gern mal auf Service-Knaller-Nachrichten zurück. „Scheidung von der Steuer absetzen“, heißt es da zum Beispiel. Wieder was gelernt. Bisher dachte ich immer, es heißt „Heiraten der Steuern wegen“. Aber es ist genau umgekehrt. Ganz schön irre. Wenn man sich mal genau überlegt, dass der deutsche Fiskus Scheidungen steuerlich unterstützt, aber nicht Hochzeitskosten. Aber so ist das eben in Deutschland: Wo man Kosten fürs Arbeitszimmer absetzen kann. Nicht aber für die Küche. Für die Fahrt zur Arbeit. Nicht aber für die Urlaubsreise. Für Uniformen. Nicht aber für Jeans.