Genau so!

Eine kleine, aber richtige und gute Antwort auf vieles, was gerade hier passiert, ist dieses Lied von Martin Rühmann und Freunden. Ich bin froh und stolz, ihn kennengelernt haben zu dürfen. Genauso stolz wie auf meine Freunde in Berlin und auf jene, mit denen ich gestern in Erfurt eine wunderbare Party feiern durfte. Ohne Euch wäre derzeit vieles unerträglich. Danke Martin und Schlumpe + alle anderen!

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Groß, größer, White Buffalo

Große Musiker gibt es viele. Also solche, deren Musik sie groß gemacht hat. Große Musiker von der Statur her sicher nicht soviele. Einer derjenigen, der beides aufzuweisen hat, ist Jakob A. Smith, als Musiker unter The White Buffalo unterwegs und inzwischen auch hierzulande einer kleinen Fangemeinde  bekannt. Spätestens seit seiner Soundtracks für die Serie Sons Of Anarchy (u.a. Come Join the Murder mit den Forest Rangers) hat der große Mann auch in Europa treueste Anhänger. Nicht ohne Grund: seine Stimme, seine Texte, seine Statur – alles außergewöhnlich groß. Am Montag gab der Musiker aus Oregon ein kleines aber feines Konzert im Ramones Museum in Berlin. Anlass war eine kurze Promotiontour (Berlin/Hamburg/London) für sein Album Love and the Death of Damnation.

Das fünfte Album des aus Eugene (Oregon) stammenden amerikanischen Countrymusikers, der eine Zeit lang lieber in Parks und auf Straßen als in Clubs und Hallen spielte, zeigt wie kein vorhergehendes das textliche und musikalische Spektrum des Zweimeter-Mannes. Nachdem Smith viele Jahre über das Leben auf der Straße, über die Liebe und sein Land gesungen hatte, kam das 2013er Album Shadows, Greys & Evil Ways als ein Konzeptalbum über Kriegsrückkehrer aus dem Irak und brachte Smith die ersten größeren Erfolge in den USA. Nun singt er wieder über die Liebe, über den Schmerz, über Verlorenes, Vergangenes, über die Suche, über sich und das Leben. Ein Leben, das in seinen Songs immer etwas dreckig klingt, aber nie verlogen.

Kaum ein halbes Lied braucht The White Buffalo um das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Nicht nur, dass er eh alle überragt, trifft er mit seiner tiefen und vollen Stimme auch noch  den Ton seiner Gäste und so manche(n) mitten ins Herz, mit seinen Texten sowieso. Songs vom neuen Album (u.a. I Got You, Where Is Your Savior, Dark Days) feiert das Publikum genauso wie seine älteren (u.a Wish It Was True, Oh Darling, Don´t You Want It, Into The Sun). Nach einer Stunde ist dann auch schon wieder alles vorbei und obwohl oder gerade weil es viel zu kurz war, blieb am Ende nur eine Frage: Wann kommst Du wieder? Mit Band? „Maybe in the summer or by the autumn„, sagt der große Mann zum Abschied während er in Selfiehandys lächelt und Hände schüttelt. Thank you, great Buffalo!

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Freunde

feuer_himmelfahrt_01Nun ist es also (fast) soweit. Ein halbes Jahrhundert auf der Welt. Geteilt fast genau in der Mitte durch Ost und West. Knappe 25 Jahre in der DDR. Die folgenden dann in dem, was daraus wurde. Viel Gutes wurde daraus. Persönlich sowieso.  Auch davor gab es Gutes. Die Musikschule in Merseburg zum Beispiel. Gerade heute denke ich an die ersten Geigen-Stunden, die nur noch blass im Gedächtnis haften. 45 Jahre ist das her. Als ich 1972 in die (Polytechnische) Viktor-Koenen-Oberschule in Merseburg Süd eingeschult wurde, hatte ich schon fast zwei Jahre Geigenunterricht hinter mir.

Unsere Nachbarn damals tun mir heute noch leid. Kaum ein anderes Instrument erzeugt in den ersten Lehrjahren dermaßen schiefe und nervende Töne wie dieses Instrument. Aber es hat sich gelohnt. Ich kann es noch heute. Dazu gekommen sind dann später noch die Gitarre. Das Akkordeon. Die Mandoline. Viel Musik wurde auch daraus. Zuerst bei „Fliegenpilz“ in Haneu. Später dann mit „Schreihals“ in Erfurt. Heute noch mit Freunden. Immer dann, wenn man sich sieht. Und die sind übrigens das Wichtigste von damals.

Freunde. Freunde, die es geblieben sind. Freundschaften, die gewachsen sind. An ihr selbst und an den Reibungen, die dabei entstehen.  Gewachsen in vielen gemeinsamen Stunden. Gewachsen in der Nähe. Größer geworden in der Ferne. Größer geworden aus Sorge um den Freund, um die Freundin.  Tiefer geworden aus Achtung und Dankbarkeit. Und aus Trauer und Schmerz. Gemeinsam wurde so einiges erträglicher. Wenn auch oft ohne die richtigen Worte. Aber auch Schweigen kann etwas ausdrücken. Schweigen wiegt oft schwerer als ein Wort.

Es sind Freundschaften, die ein Leben begleiten. Die ältesten bringen es auf weit über 30 Jahre. Die jüngsten, nicht minder tiefen, auf gerade mal drei Jahre. Das prägt. Das macht stolz. Und glücklich. Denke ich an Euch, verspüre ich große Achtung. Auch Dankbarkeit. Ohne auch nur ein bisschen zu übertreiben. Ihr habt mich geprägt. Unbezahlbar.  Mit Euch kann man alles meistern. Auch den 50. Und alles, was noch folgen wird. Danke dafür!

 

 

…und dann bring ich sie um

nma_01Irgendwann wird es soweit sein. Dann führen sie mich ab. Dann gehts direkt aus der Konzerthalle in den Knast. Dann habe ich sie umgebracht. Sie, die falschen Fans, die wir-haben-bei-einem-ratespiel-im-radio-zwei-tickets-gewonnen-konzertbesucher. Wie ich sie hasse. Oder die, die ihre Tickets zum Geburtstag, zu Weihnachten oder, noch schlimmer, zum Valentinstag, bekommen haben. Und eigentlich gar nicht hingehen wollten. Weil sie die Band gar nicht kennen. Noch nie was gehört haben vom Künstler, der sich auf der Bühne abrackert. Die, die überhaupt keine Ahnung haben, was da auf der Bühne gespielt wird. Geschweige denn, was die da singen. Ist ja ausländisch. Vasteh ma nich.

Die sind wirklich schlimm. Besonders, wenn sie neben einem stehen. Oder, noch besser und viel öfter, wenn sie direkt vor einem stehen. Hand in Hand. Arm in Arm. Und immer vor mir. Nicht vor anderen. Nein, vor mir. Irgendwann fängt Sie an, mit dem Arsch zu wackeln. Und in den Knien zu wippen. Eine Art Tanz. Wie in der Disco (sie ist auch angezogen, als ob sie zur Disco gehen wollte). Zu einem Song, der mehr politisches Statement in sich hat, als diese zwei da vor mir je in ihrem Leben von sich geben werden. Vom Geschehen auf der Bühne sehe ich nun nur noch ab und an was. Jetzt seh ich was. Jetzt nicht. Jetzt seh ich wieder was. Jetzt wieder nicht. Meine linke Hand ballt sich leicht zur Faust, die rechte knautscht den Bierbecher. Vorsicht, noch ist (teures) Bier drin.

Er nimmt dann seinen Arm von ihrer Schulter. Es ist ihm nun doch etwas peinlich. Sie legt aber schon zwei Takte später seinen Arm wieder dahin zurück. Schaut ihn kurz  Kopf schüttelnd und vorwurfsvoll an. Hallo!!! Wir haben die Karten gewonnen. Also mach schön mit, mein Hübscher. Auch wenn keiner von uns beiden weiß, was hier eigentlich abgeht. Sagt dieser Blick. Da muss Er nun durch. Oder auch nicht. Er wehrt sich. Wie? Genau! Er fängt an zu diskutieren. Während der Künstler auf der Bühne gerade seine schönste Ballade anstimmt und die ersten Takte bei den echten Fans für Gänsehaut sorgt, quatschen die beiden da vor mir dazwischen. Reden dem Künstler ins Lied. Nun ballt sich auch mein Hirn zur Faust.

Ich nehme den Becher mit dem Bier, halte ihn kurz über ihren Kopf, schütte dann den Inhalt auf sie, als gleichzeitig mein Nachbar sie anstößt und zu ihr sagt: Halt jetzt deine Fresse oder verpiss dich. Sie wollen zuerst protestieren, sehen dann aber ein, dass sie gegen 500 oder mehr keine Chance haben. Gerade, als sie sich zum Gehen entscheiden, erwache ich aus meinem Wunschtraum. Natürlich stehen sie immer noch vor mir und quatschen und tanzen und reden und meckern und reden und quatschen und reden. Nur eins machen sie nicht: Zuhören. Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, sie umzubringen. Ich tu es nicht. Mein Messer hat der Türsteher konfisziert. Ihr Glück. Und nun ist auch das Konzert vorbei. Aber ich weiß, dass ich es irgendwann einmal tun werde. Dann bring ich sie um.