Entspannt

P1130459Lange Schatten, ruhige See, heiße Sauna, cooler Pool, lecker Fisch, guter Wein – viele Grüße an alle bpb-Leser aus Binz/Rügen. Kaum einen Tag hier und schon entspannt…

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Bansin

bansin_011Wenn die Seele Ruhe sucht, die Augen der Großstadt müde sind und ich mich nach einem anderen Ort sehne, dann hat dieser meist etwas mit dem Meer zu tun. Oder zumindest mit der See. In meinem Fall die Ostsee. Und so habe ich ihn gefunden, als ich vor nunmehr vor sieben Jahren das erste Mal im Februar auf Usedom gewesen bin. Seitdem zieht es mich und uns immer wieder dahin. Ein paar Tage an diesem Ort – oft wie ein langer Urlaub anderswo. Nun denn, wir sind dann mal weg.

Nichts bleibt anders

Juni 1984. Auf der Baustelle vom Kernkraftwerk Lubmin. Block 5 ist in Bau. Der erste Atommeiler, der zusätzlich zusammengeschustert wird. Geplant waren nur vier Meiler. Block wird gebaut, geht später in den Probebetrieb. Aber nie ans Netz. Hier wie auch im Rest der Zone herrscht die Planwirtschaft des real existierenden Sozialismus. Das Nationale Olympischre Komitee der DDR hat gerade erklärt, dass die DDR-Mannschaft nicht an den Spielen in Los Angeles teilnehmen wird. Der Stasifußballverein Dynamo Berlin wird zum sechsten Mal in Folge und wie immer mit Hilfe von Stasi und informellen Schiedsrichtern DDR-Meister. Uns Udo Lindenberg darf im Osten nicht spielen. Er will partout sein Programm nicht ändern. Wie ein halbes Jahr zuvor schon BAP.

Zurück zur Baustelle vom Atomkraftwerk. Das damals Kernkraftwerk hieß. 7000 Monteure sind auf dem zwei Kilometer langen und 500 Meter breiten Gelände beschäftigt. Schichtarbeit. Mittwoch bis Mittwoch. Sechs bis 18 Uhr. Dann Donnerstag bis Dienstag frei. Während die andere Schicht am Start ist. Dann Mittwoch bis Mittwoch Nachtschicht. 18 bis sechs Uhr. Immer im Wechsel. Immer so weiter. Mal mit, mal ohne Arbeit. Die eine Woche fehlen Schweißstäbe. Die andere Baumaterial. In der nächsten ist gar nichts da. Da wird dann Skat gespielt. Oder Doppelkopf. Dann kommt mal wieder Stahl. Und auch Schweißstäbe. Und da gehts mal wieder weiter. Aber meistens nicht. Alles verzögert sich. Erst um Tage. Dann um Wochen. Am Ende um Jahre.

Juni 2012. Auf der Baustelle vom neuen Großflughafen Berlin Brandenburg BER. Hier wird das Terminal zusammengeschustert. Auf der Baustelle, wie auch im Rest der Republik, herrscht die Marktwirtschaft des real existierenden Kapitalismus. Die Kanzlerin guckt zu, wie die Deutschen Fußballer Griechenland aus der EM schmeißen. Und jubelt. Die Griechen nicht. Weder über den Rausschmiss. Noch über Merkel. Udo Lindenberg tourt immer noch. Auch BAP ist noch da. Mehr oder weniger.

Zurück zur Baustelle vom Großflughafen. Allein das Wort ist schon ein Hohn. Fast jeder andere europäische Airport ist größer. Und Frankfurt und München sowieso. Auf der Baustelle sind 7000 Monteure beschäftigt. In Schichten. Mal mit, mal ohne Arbeit. Mal fehlen Teile für die Brandschutzanlage. An anderen Tagen ist es einfach zu nass. Mit Regen hat hier keiner gerechnet. Und schon gar nicht mit Wasser. Auch die Koordinierung ist nicht so einfach, die Kommunikation scheitert. Und dann gibt es nichts zu tun. Für die 7000 Monteure. Keiner weiß, was er tun soll. Dann wird Kuku gespielt. Eine Art Skat auf polnisch.  Alles verzögert sich. Erst um Tage. Dann um Wochen. Am Ende sind es Jahre. Nichts bleibt anders. Aber alles ändert sich genauso.

Endlich wieder Usedom. Nur woanders

Es ist an der Zeit. Für ein paar Tage Ruhe. Mit Freunden. An der Ostsee. Auf Usedom. Ahlbeck dieses Jahr. Nicht Bansin. Da ist der Pool defekt. Deshalb das Hotel in Ahlbeck. Da ist der Pool nicht defekt. Auch ein Kaiserbad. Auch da gibt es Restaurants. Mit Fisch. Und Bier. Und Wein. Es gibt Schlimmeres.

Warnemünder Urlaubsfotos

Niemand soll am Sonntag arbeiten dürfen. Deshalb müssen in Warnemünde und anderswo an der Ostsee jetzt die Läden schließen. Weil niemand arbeiten soll, am heiligen Sonntag. Jetzt muss jedoch das Ordnungsamt genau zu dieser Zeit arbeiten. Um zu kontrollieren, ob sich die Geschäfte auch an die von der Kirche verordneten Schließungszeiten halten. Willkommen in Deutschland. Was wohl Thilo dazu sagen würde?