Erzbistum bestätigt bpb-Bericht

Es wird eng, für den Papst. Nachdem hier bereits vor knapp einem Monat berichtet worden ist, dass der 2011 bevorstehende Besuch des Papstes in Deutschland eher keinen oder nur wenige interessieren wird, hat dies nun auch das Erzbistum Berlin bestätigt. In der katholischen Kirche mehren sich die Bedenken, der Papst könnte bei seinem Besuch in Berlin nicht genügend Zuschauer anlocken, vermeldet heute der Tagesspiegel Berlin. Deswegen solle es lieber keine große öffentliche Messe geben. Hintergrund: Der Papst kommt an zwei Arbeitstagen nach Berlin. Donnerstag und Freitag, 22. und 23. September. Aus dem bischöflichen Ordinariat hieß es, schreibt der Tagesspiegel, es werde nicht leicht sein, an einem Arbeitstag große Menschenmassen dazu zu bringen, eine Papstmesse zu besuchen. Johannes Paul II. hätte bei seinem Berlin-Besuch 1996 eine Messe im Olympiastadion gefeiert. Die Ränge seien damals nur deshalb annähernd voll gewesen, weil viele Polen angereist seien, um „ihren“ Papst zu erleben.

Nun, die arbeitende Bevölkerung wird also nicht teilhaben können. Aber ich kann das Erzbistum beruhigen. Berlins römisch-katholische Kirche hat etwa 300.000 zahlende Mitglieder (Landesamt für Statistik), das ist etwa jeder zehnte Hauptstädter. Berlin hat aber auch etwa 227.000 Arbeitslose. Rein statistisch gesehen sind also 22.700 arbeistlose Berliner römisch-katholisch. Das, so meine ich, sollten doch genügend Menschen für eine Papst-Messe sein. Menschen, die sich darauf freuen, mal etwas anderes außer Frauentausch, Dschungelcamp oder Popstars zu sehen. Und wenn nicht, dann kann vielleicht auch der deutsche „Wir sind Papst“ auf unsere Nachbarn aus Polen hoffen. Wenn auch im September die Spargelernte längst vorbei sein wird.


Stell dir vor, es ist Papst und keiner geht hin

Da kommt er nun zurück. Nachdem er bereits zu „DDR-Zeiten mit dem Trabi durch Thüringen tourte“ (mdr journal), kehrt der Papst nun als Papst in die thüringische Landeshauptstadt zurück. Im Herbst 2011 (Gerüchte sprechen vom 11.11.11) soll es so weit und er so nah sein. Und während der mdr gleich mal eine Umfrage startet, ob die Thüringer denn auch hingehen, wo er doch schon mal da ist (ich gehe nicht hin, lautet die erste Antwort), werden andernorts, gleich den Staatsratsvorsitzenden-Besuchsvorbereitungen damals, ganze Straßen geteert oder gar neu gebaut. So auch die neue Anbindung zur Burg Scharfenstein, die schon jetzt nur noch „Papst-Straße“ (mdr) gerufen wird. Auch in Erfurt soll nun das Letzte aus den Betrieben herausgeholt werden.

In den Druckereien der künftigen deutschen Papststadt rings um den Petersberg rattern schon die ersten Druckfahnen mit Losungsvorschlägen für die große Domplatz-Demonstration. Nach bpb-Recherchen liegen derzeit „Alles raus zum Papst-Besuch“, „Es lebe der 11.11.11, der Kampftag der werktätigen Kirchensteuerzahler gegen Missbrauch“, „Alles für das Wohl der Kirche“, „Arbeitslohn ist Kirchensteuerpflichtig“, „Aus Blut wird Wein“ und „Kirche gibt Brot, Wohlstand und Schönheit“ auf den vorderen Plätzen. Und während man im Rathaus das Stadtsäckel zählt und sich fragt, ob es denn für einen Neu-Anstrich des Domplatzes reichen wird, sich hinter den Kulissen schon die ersten Rangeleien um Bier- und Bratwurststandgenehmigungen abspielen, haben sich die Erfurter längst entschieden. 73,8 Prozent der Einwohner gehen hin, wenn es denn ein ordentliches Rahmenprogramm gibt. Ganz oben auf der Papstbesuchskonzert-Wunschliste der Erfurter stehen Macbeth, The Thors und Anger 77.

Doch daraus wird nichts. „Eher eröffnen Pur und Andrea Berg das Wacken Open Air, bevor diese Bands beim Papstbesuch spielen“, sagt der Erfurter Johannes-Peter Glaubichgern (42), der schon seit Jahren im Zwiespalt seiner Gefühle und schon immer bei seiner Mutter lebt. Nicht, was Sie jetzt denken. Nein, mit sexuellen Missbrauch hatte Glaubichgern noch nie etwas zu tun. Doch einerseits ist der Briefträger eben Kirchensteuerzahler „mit ganzem Herzen“, andererseits vereehrt er jene Bands und jene Musik, die mit „dem Kirchenkram und dem ganzen Tamtam“ (Glaubichgern) nichts zu tun haben. Bisher ging es jedoch alles gut, sagt Glaubichgern. Bei so manchen Gottesdiensten habe er heimlich mit seinem MP3-Player „Metal gehört und bei den Konzerten der Bands hatte ich immer ordentlich mein Kreuz am Hals.“ Nun, mit tätowiertem Kreuz und MP-3-Player wird Glaubichgern auch den Papstbesuch in seiner Heimat genießen können. „Ich denke, das wird ein Fest. Auf den Domstufen der Papst und dazu im Kopfhörer Abendmahl und Gotteskieger von Macbeth.“ Einer zumindest geht also schon mal hin. Gibt es noch einen, der hingeht? Bitte oben rechts abstimmen!