Grenzer sucht Grenzer oder: Da will ich mal gratulieren

Nein. Nicht zum Tag der NVA. Den hab ich früher nicht gefeiert. Und jetzt erst recht nicht. Auch den Tag der Bundeswehr möchte ich nicht feiern. Keinen Feiertag von irgendeiner Armee auf dieser Welt. Mit Ausnahme dieser Army. Nein, gratulieren möchte ich heute den Kollegen von politplatschquatsch. Die mit ihrem Beitrag über die unfassbar-dumme Seite eins der Jungen Welt zum Jahrestag des Mauerbaus einen Preis errungen haben. Genauer gesagt, zwei Preise. Im September 2011 war es der Beitrag des Monats auf Freiheit.org der Friedrich Naumann Stiftung und nun ist ppq Autor der Freiheit 2011. Herzlichen Glückwunsch! Und ein Danke natürlich an die Junge Welt, die mit ihrer saudämlichen Verblödungs-Danksagung letztendlich der Auslöser für jenen Beitrag gewesen ist.

Und weil heute der 1. März ist, möchte ich trotzdem gebührend auf eine interessante Seite im Netz aufmerksam machen, die zu diesem Tag passt. Es ist die grenzwertige DDR-Version von Bauer sucht Frau oder besser Bauer sucht Mann. Auf www.grenzer-sucht-grenzer.de können sich vereinsamte, geschiedene und verwitwete Ex-Beschützer des antifaschistisches Schutzwalls verabreden. In einem Forum können sich DDR-Grenzer näher kommen, über die besten oder meisten Abschüsse plaudern oder gleich zur Sache kommen. Natürlich können eingeloggte (und vorher auf DDR-Grenzer-Herz und -nieren geprüfte) Mitglieder auch über Selbstschussanlagen, Minen und verhinderte Republikfluchten chatten. Eine besondere Ehre sind dann Dates mit den Ehrenmitgliedern GrenzerPaul, Blondi, harsberg oder Larissa1991.

(Das Foto oben ist keine Satire mit Ausbilder Schmidt, sondern ernsthaft ernst gemeint.)

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Ärger auf der Zickenwiese

Diesmal sind es geklaute Baupläne, die die Berliner Zickenwiese wieder einmal in die Schlagzeilen heben, schreiben die Kollegen vom befreundeten Aufklärungs- und Geheimdienstblog politplatschquatsch. Der geheimste Geheimbau der Welt ist bestohlen worden. Von Deutschlands sicherster Baustelle sollen Pläne abhanden gekommen sein, die Auskunft über den geheimsten Teil vom künftigen Hauptquartier des Bundesnachrichtendienstes geben, berichte das ehemalige Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“, so ppq weiter.
Die Nachrichtenmanufaktur dpa wisse indessen genau, um welchen geheimsten Teil des 1,5-Milliarden-Euro-Hauses es sich dabei handelt: Aus den geklauten Darstellungen ließen sich die Lage der Räume und im Besonderen die Lage der Toiletten genau ablesen (Foto oben). Was natürlich eine besondere Brisanz besitzt. Schließlich ist ein BND-Geheimagent, das weiß jedes Kind, nirgendwo angreifbarer als auf dem Klo. Keine Hand frei für die Waffe und mit heruntergelassener Hose auch nicht eben gerade schnell.
Doch mit dem verschwundenen Kloplänen steht der BND auch nur in der langen Reihe der Diebstähle, die immer wieder die Bauten auf der „Zickenwiese“ (Volksmund fürs Walter-Ulbricht-Stadion) in ihren Grundfesten erschütterten.
Die ersten Klau-Skandale reichen ins Jahr 1929 zurück. Damals entstand dort das Berliner Polizeistadion. Der Bericht des verantwortlichen Poliers schockte die ganze Baubranche. Aus der Poliers-Baubude verschwanden an einem Freitag im April die Brotbüchsen der drei leitenden Architekten sowie das für die Mittagspause bereits vorgekühlte Bier.
Weiter gings auf dem Klau-Bau 1950. Beim Umbau zum Walter-Ulbricht-Stadion verschwanden laut Volkspolizeibericht vom 5. März 1950: 270 gebrannte Ziegelsteine, 10 Doppelfenster, 76 Quadratmeter Parkett, 17 Dachlatten sowie drei Rollen Dachpappe. Täter konnten nie ermittelt werden. Es ging aber das (böse) Gerücht, das Material sei erst gar nicht auf der Baustelle angekommen. Sondern irrtümlicherweise nicht ins Walter-Ulbricht-Stadion sondern zur Walter-Ulbricht-Villa am Majakowskiring geliefert worden.
Mit einem weiteren brisanten Diebstahl mussten sich Fußballfunktionäre und Volkspolizei 1983 befassen. Beim FDGB-Pokalendspiel zwischen der SG Dynamo Dresden und dem FC Karl-Marx-Stadt (4:0) am 4. Juni 1983 verschwanden aus der Dresdner Mannschaftskabine eine Sporttasche. Was nicht weiter von Belang gewesen wäre. Doch es handelte sich beim Diebesgut um die Sporttasche von Stasi-IM „Dresdner Stolle“. Und so verschwanden mit der Tasche alle seine Aufzeichnunegn über Spieler, Trainer und Betreuer nebst Live-Mitschnitte auf Tonband. Die Tasche wurde nie gefunden und auch IM „Dresdner Stolle“ verschwand auf ewig.
Wie wahrscheinlich auch die Klo-Pläne des BND. Doch die geheimen Geheimarchitekten haben bereits eine Lösung gefunden. Wie ppq aus gut unterrichteten Geheinmdienstkreisen erfuhr, wird jetzt das Haus innen spiegelverkehrt umgebaut. So bleibt die Außenansicht die gleiche, nur das Klo rechts nebend er Treppe ist dann links.

Flaschenpfand

In Berlin sind die Claims abgesteckt. Zumindest die mit den Goldadern. Olympiastadion, Arena, Columbiahalle. Dort, wo sich das Flaschensammeln lohnt. Dort, wo Kalle, Mieze und Herbert den Recyclingmüll der Gesellschaft einsammeln. Wo geregelt ist, wem was zusteht. Dort, wo der Flaschenadel sammelt. Penner werden da nicht geduldet. Die dürfen weiter in den Mülleimern der BSR nach Büchsen und leeren Sternburgerpilspullen suchen. In den Seitenstraßen der Kieze. So funktioniert das hier. Und auch woanders. Wie das Umwelt-Klima- und Recyclingblog Politplatschquatsch in der Doku Deutschland jetzt aufgedeckt hat:

Sie glauben aber nicht etwa, dass ich immer auf Pfand gemacht habe? Ich sehe doch, wie Sie mich anschauen. Der Flaschensammler, die arme Sau. Kein Problem, machen Sie ruhig. Denken Sie vielleicht, ich würde anders gucken, wenn Sie hier stehen würden mit der Alditüte und dem Einkaufswagen und es würde bei jedem Schritt klappern oder scheppern oder klirren oder wie man das Geräusch nennt, das unsereins erzeugt, zitiert das Blog den ehemaligen Mitarbeiter des DDR-Innenministeriums.

Und weiter: Aber im Ernst, ich war ja auch mal jung, ich kenne auch noch andere Zeiten. Ehrlich, Scherz beiseite. Eigentlich bin ich Diplomingenieur, kein schlechter sogar. In meinen guten Tagen hätte ich auf Leute gespuckt, die nachts durch die Straßen schleichen und in den Papierkörben nach leeren Pfandflaschen illern. Bedenken Sie mal, damals gab es 30 Pfennig für eine Flasche. Dreißig Pfennig! Bei einem Facharbeiterlohn von 700 Mark. Ich war immer gut in Mathe und ich habe ja auch Zeit, wenn ich unterwegs bin. Raten Sie, wieviel Flaschen ein Sammler damals abgeben musste, um auf den Durchschnittslohn zu kommen? 2500. Sicherlich, damals hat kein Mensch so richtig profesionell Flaschen gesammelt, lieber so Altpapier, Gläser, Sekundärrohstoffe, der rohstoffarme sozialistische Staat und so weiter. Da sind viele reich geworden, vor allem die Sekundärrohstoff-Filialleiter mit ihren falsch eingestellten Waagen. Ist nicht das Thema, jaja, ist nicht das Thema.

Was ich loswerden wollte, war die soziale Verschlechterung, die sich durch den Mauerfall für alle ergeben hat, die vom Flaschensammeln leben. 2500 Flaschen damals, 30000 heute! Soviel bräuchten Sie, um einigermaßen aus dem Hartz4 rauszukommen, Ihre Miete zu bezahlen, das halt alles. Sie müssen nicht nachrechnen, das stimmt schon. 30000. Ich weiß nicht, aber ohne Lkw sehen Sie da alt aus.

Der Vorteil ist natürlich, dass heute mehr Flaschen beiseitegelegt werden. Aber es werden auch mehr zerkloppt, klar, da sagen Sie mir nichts Neues. Die Jugend hat keine Achtung vor Werten mehr, wurde uns immer gesagt, als wir junge Leute waren. Aber jetzt stimmt das wirklich. Die haben Werte, hoho, was denken Sie! Die wählen alle grün und sind gegen Atomkraft. Aber das dritte Bier auf dem Weg zum Volksfest, das gurgeln sie leer und die Flasche kriegt dann nicht unsereins, nein, die zerballern sie schön mitten auf der Straße.

Bei den Vorbildern ist das aber allemal kein Wunder. Klaus Töpfer? Sagt Ihnen noch was? Der war mal Umweltminister, beim alten Helmut Kohl glaube ich. Und da hat er die gute Idee gehabt, das Pfand auf die Büchse einzuführen, damit die nicht überall herumliegt. Ein Volltreffer, sage ich Ihnen. Diese Flachzange! Kein Mensch trinkt mehr aus der Büchse, weil das Pfand da drauf nun zu teuer ist, um sie einfach wegzuschmeißen. Stattdessen nehmen sich alle eine Flasche, die kostet weniger Pfand und fliegt dann genauso beiseite. Bestenfalls ins Gebüsch, da kann ich sie dann wieder rauskramen. Oder auf den Gehweg, da scheppert es kurz und das Geld ist futsch.

Hätte der Töpfer, den Namen merken Sie sich mal, ein bisschen ein Herz für die Armen gehabt, dann hättte er die Flasche ganz verboten oder genausoviel Pfand drauf gelegt wie auf die Büchse. das würde unsereinem viel Schlepperei ersparen, der Job wäre einfacher, so sehe ich das.

Es gibt es Menschen, die achten drauf, das andere noch was von dem haben, was sie selbst nicht brauchen. Die Fußballfans zum Beispiel, die drücken Dir ihre leeren Pullen in die Hand, schönen Gruß, Opa, mach Dir einen netten Abend davon. Denkt man ja nicht, wenn man wie ich jahrelang für die Sicherheitsbehörden gearbeitet hat. Da bleibt ein Misstrauen. Jaja, die Sicherheitsbehörden. Ich habe da die EDV überwacht, die die Heizungsanlage geregelt hat. Damit war dann ganz klar Schluss, als die Länder die Polizei übernommen haben. Ich war kein Polizist, so war das doch damals nicht. Ich war Zivilangehöriger des Innenministeriums. Und als es das nicht mehr gab, gabs mich auch nicht mehr.

Mit den Flaschen das fing aber erst viel später an. Ich habe meiner Frau, die ist dann aber gestorben, erst gesagt, Carola, wir sind auf einer langen Treppe und die geht in den Keller. Weil man merkte ja schon, dass es mit der Vita und dem Alter nicht mehr so ganz toll läuft auf dem Arbeitsmarkt. Ich hatte schon noch dies und das, Carola hat auch als Lehrerin gearbeitet, da wars nicht so, dass wir hungern mussten. Kinder gabs keine, das war aber was Medizinisches. Erst als ich dann alleine war, wurde es grimmig.

Jetzt sammle ich eigentlich sieben Tage die Woche. Man ist da freier Unternehmer, man muss seine Märkte im Blick haben, es lauern immer andere, die an die Fleischtöpfe wollen. Was denken Sie, was da manchmal los ist? Da muss man die Fäuste zeigen, da muss man das Revier verteidigen, da darf man nicht klein beigeben, sonst ist es vorbei mit der Herrlichkeit. Der Vorteil ist, da haben Sie recht, dass das Amt nichts mitbekommt. Das ist ein reines Bargeschäft, alles nur Klimpergeld, kleine Scheine. Aber die haben da auch ein bisschen Mitleid. Einmal zog ich da durch die Kneipenstraße, mit dem ganzen Sack und Pack, nahe der Beladungsgrenze, 90 Flaschen schätze ich, runder Fünfer. In dem Moment guckt aus einer dieser Straßenkneipen mein Bearbeiter vom Amt.

Selbst in meinem Alter rutscht mir da noch das Herz in die Hose, als hätte meine Mutter mich wieder mit dem Finger im Kuchenteig erwischt. Er hat aber nichts gesagt, auch beim nächsten Termin nicht. Der weiß doch Bescheid. Um welche Summen es geht? Ach, Sie würden sich totlachen. Ich verrate mal soviel, man wird nicht reich dabei. Aber wissen Sie was, man fühlt sich besser.

Quelle: Politplatschquatsch

Kickapoo

In dem von mir hoch geschätzten Blog ppq fand ich jetzt diese beiden Videos, die mich an so manches Konzert meiner Jugend erinnerten. Auf der weiteren Suche nach ähnlichen Aufzeichnungen fand ich nebenbei dies hier. Der hoch verehrte Jack Black vom Feinsten. Und dazu noch zwei nette „Gäste“.

Stasi-Methoden

Rund 49.000 Unterzeichner haben bereits ihr Veto gegen die Internetzensur eingelegt. Damit auch alle Interessierten wissen, wer sich das wagt, werden alle Namen veröffentlicht, hat ppq entdeckt und schreibt:

„Sie wussten immer unsere Namen“, klagte nach dem Mauerfall eine verdiente Bürgerrechtlerin in der DDR über die Methoden der Staatssicherheit. Der Bundestag, die Volksvertretung der deutschen Wahlberechtigten, weiß die Namen nicht nur, er macht auch ernst mit dem Datenschutz, den seine Mitglieder immer gern predigen, wenn es um Firmen oder Behörden geht. Bei der derzeit laufenden Petition gegen Internetzensur stellt die Verwaltung des Hohen Hauses jedem Interessierten vom Adressenhändler über die Polizei bis zum Geheimdienst alle Namen aller Mitunterzeichner öffentlich zum Download bereit.
Ja, sie wissen immer noch unsere Namen – hier ein Auszug aus der Liste mit Link zur vollständigen csv-Datei auf dem Bundestagsserver.

VEB-Geschwätz und Hülsendreher

Über den Hochbetrieb in der Berliner Worthülsenfabrik  schreibt Politplatschquatsch. Dort würden die Großcomputer rasseln, die Reimprogramme rattern, die Wortschweißgeräte glühen. Mit Rettungspaket, Konjunkturspritze, Abwrackprämie, Schuldenbremse und Rettungsschirm hätten die vierhundert Vollzeitbeschäftigten in nur acht Wochen mehr Als-Ob-Worte herstellen können als der seinerzeit noch von SED-Politbüromitglied Kurt Hager geleitete VEB Geschwätz im gesamten letzten Fünfjahrplanzeitraum der DDR.

So erklärt ppq auch, wieso es den Rettungsschirm gibt, den es eigentlich gar nicht gibt.

duden01

Rauchende Jugendliche mit Taschenmesser

Rauchen, Alkohol, Taschenmesser, Killerspiele, Spielzeugpistolen. Alles verboten heutzutage, schreibt  politplatschquatsch. Im Gegensatz zu früher im Osten.

So durfte im Ferienlager ungestraft „Leben und Tod“ gespielt werden, ein Taschenmesser hatte jeder Junge in der Tasche (zum Schnitzen und Büchse öffnen), man durfte auch auf der Parkbank mal ein Bier trinken und das Rauchen, ja das war sowieso überall erlaubt.

Doch es bleibt eben alles anders oder aber alles wird genauso. Auf jeden Fall immer wieder einmal: Es war nicht alles schlecht. Wir durften zwar nicht in den Westen. Und auch nicht nach Amerika fliegen. Aber Saufen, Rauchen und mit dem Trabi nach Berlin fahren. Sogar bis in die Stadt innerhalb des S-Bahnrings.

Okay. Manches war schon ganz schön schlecht. So durfte damals noch Margot Honecker ungestraft in der Öffentlichkeit mit Kindern und Jugendlichen reden.