Prenzlauer-Berg-Theater. Nee. Karneval. Und schlimmer.

Es kommt ja nicht oft vor, dass ich mich mit fremden Federn schmücke. Ich will das auch gar nicht tun. Aber dieser Weg hier ist der beste, um Euch alle auf einen Post aufmerksam zu machen, den man lesen muss. Zumindest als Berliner. Und alle anderen sowieso. Selten hat mir jemand so aus der Seele geschrieben wie der Kiezneurotiker heute (wenn der Text auch gar nicht von heute ist, aber das ist egal). Das muss man einfach lesen. Ich erlaube mir, die ersten Zeilen hier zu posten. Weiter gehts dann auf dem Originalblog:

  • Ich weiß nicht, was schlimmer ist. Karneval oder Cottbus. Ich kann mich nicht entscheiden. Och lass ma, ich nehm doch lieber Eiter unter den Fußnägeln. Helau. Butschipuh. Lust auf Karneval in Cottbus? Rufen Sie jetzt an. Männer im Minirock. Frauen nacktbeinig. Wer da Bock drauf hat, kann Mitglied in der Sittichstar-Garde werden. Wo es das zu lesen gibt? Natürlich in Prenzlauer Berg, dem Zentrum aller Bescheuerten und Bekloppten, der Sammelstelle derer, die ihr Dorf verlassen haben, um es in der Hauptstadt genauso zu machen wie die Bembelbauern zuhause. Weiter lesen

A new Blog is born

Ein neues Baby hat die Blogosphäre erblickt. Und Babys, bzw. Kinder, spielen die Hauptrolle bei Stadt Land Mama von Lisa und Caro. Die eine lebte in Prenzlauer Berg und muss (oder darf) sich jetzt in der westdeutschen Provinz rumschlagen. Die andere ist vor einiger Zeit Mutti geworden und lebt in Berlin. Beide kennen sich schon lange und nun schreiben sie sich gegenseitig auf einem Blog Briefe und Posts. Was hat das Land, was die Stadt nicht hat? So schreibt die eine (Land-Lisa):

Klar wird uns Landmamas nachgesagt, wir fütterten unsere Kinder nur mit grober Leberwurst, taugten zu nichts außer (Filter-)Kaffeeklatsch, Deko und selbst gebackenem Apfelkuchen. Zudem stinkten wir nach Gülle, und lebten modisch und beziehungsrollen-technisch hinter dem Mond.
Aber hey, es wird Zeit, dass ich mal aufräume mit diesen Klischees. Gut, meine Latte Macchiatto-Maschine hab ich aus Prenzlauer Berg exportiert aber sonst? Naja, das ein oder andere Oberteil vielleicht noch. Zurück gelassen hab ich eine Menge. Die vierspurige Prenzlauer Allee vor meiner Haustür, die Pappbrötchenbäcker, den Helmholtzplatzpenner mit dem bunten Turban auf dem Kopf… aber auch: Den Crépemann auf dem Samstagsmarkt am Kollwitzplatz, das Eis von Anna Maria in der Husemannstraße, das Café Einstern. Und meine Leute, die ich immer irgendwo und einfach so auf der Straße oder auf einem der tausend Spielplätze traf… Mehr lesen? Gibt es hier.

Herzlichen willkommen jedenfalls in Blogistan und viel Spaß!

Arme Väter

Wir haben sie gesehen. Die armen Väter in Prenzlauer Berg. In einem beliebten Biergarten. Mittendrin im Szenekiez. Das Bier teuer. Aber kalt. Selbstbedienung. Wie damals im Osten. Aber damals war es dafür preiswert. Klassen bestiummten das Preisniveau. Von I in der Selbstbedieung über II und III in den HO- und Konsumgaststätten bis hin zur IV in gehobenen Restaurants oder gar S und S plus (Hotel Neptun). Das war in Ordnung. heute bestimmt weder guter noch schlechter Service, noch gute oder schlechte Qualität, sondern allein die Lage den Preis. Nun ja, da haben wir uns dran gewöhnt.

Zurück zu den Vätern. Wir saßen in gemütlicher Runde bei Bier und Weinschorle. Witzelten über dies und das, sprachen nicht über Gott aber von der Welt. Von Urlaub und Reisen, von anderen Ländern und Sitten. Es wurde viel gelacht. Nur an den Nachbartiaschen nicht. Da saßen die Szenekiezbewohner. Die von nebenan. Die Väter mit ihren kleinen Kindern. Und manche hatten auch ihre Frau dabei. Alle mit Gesichtern wie der diesjährige Sommer. Hatten wohl nichts zu lachen. Wir rätselten schon, warum die alle so griesgrämig in die Runde schauten. Vielleicht wegen der hohen Mieten? Die der vielleicht zu hohe Preis für die Wohnlage sind? Oder einfach nur, weil es sonst in ihrem Leben nichts zu lachen gab? Wir haben es nicht herausbekommen.

Allerdings kam einer von ihnen dann zwischendurch mal an unseren Tisch. Eure Runde gefällt mir. Sagte er. Und: Früher, vor meiner Vaterzeit, hab ich das auch gemacht. Was? Fragten wir. Was gemacht? Na mit Freunden zusammen einen trinken gehen. Aber das könne er doch jetzt auch noch? Oder nicht? Habt Ihr ne Ahnung. Sagte er. Wie das so ist. Mit Familie hier. Mitten in Prenzlauer Berg. Das ist nicht so einfach. Mhm. Nicht so einfach. Wir schauten uns fragend an und wollten mehr wissen. Doch da war er schon auf dem Weg Richtung Ausgang. Wo seine Frau gerade den Zwillingskinderwagen in den BMW Kombi lud. Er winkte noch kurz zurück und stieg dann ein. Der Arme.

Alles neu macht der April

Nusenblaten in neuem Design. Das Dreifachelternblog aus Prenzlauer Berg hat sich nach dem ersten erfolgreichen Jahr ein neues Design zugelegt und zeigt sich nun mit einem passenden Header sowie einer Sidebar. So sieht das gleich viel ansprechender und besser aus. Gefällt mir!

Nette Nachbarn

Nun ist Schluss in Prenzlauer Berg. Überfüllt, ausgelastet, fertig. Nichts geht mehr im neuen alten In-Viertel der Zugereisten. Man ist reich, hat Kinder und n Luxus saniertes Penthouse. Oder aber auch ne Wohnung ein Stockwerk tiefer, wenn man damit leben kann. Hauptsache die Nähe zum Kollwitzplatz. Das war bisher die Devise.

Doch damit ist Schluss. Denn die Gentrifizierung ist abgeschlossen, überholt und außerdem übervoll und dehnt sich deshalb aus. Ausgerechnet gen Norden. Hinter die Grenzlinie, hinter die Wisbyer. Ja, so ist es. Neuerdings wohnt man da. Oder hier. Gegenüber zum Beispiel. Die junge Familie mit der B-Klasse. Berliner Kennzeichen, klar. Aber immer noch mit der Randbemerkung „Autohaus Schwabing“. Ja, das muss man zeigen. Und das Baby auch. Es wird aus dem Fenster gehalten, wenn es schreit. Hallo Pankow, noch wach?

Harmlos. Im Nachbarhaus geht es ganz anders zu. Da wohnen jetzt welche mit Musik im Blut. Versuchen ihren Kindern die Nationalhymne beizubringen. Auf der Geige. Zwanzigmal hintereinander. Von mal zu mal schlimmer. Natürlich bei weit geöffneter Balkontür. Die ganze WM lang. Die nun vorbei ist und damit auch das Hymnengekratze mit dem Fiedelbogen. Nichts gegen Kinder, die Geige spielen. Schließlich hab ich vor 40 Jahren auch so angefangen. Aber eben nicht mit deutschen Hymnen. Und nicht abends um halb zehn.

Und dann die neuen Nachbarn nebenan. Kenzeichen Hamburg. Halten nichts von Fahrrädern im Flur. Und vom Grillen rein gar nichts. Lassen sich allabendlich Sushi vom Cateringservice bringen. Haben ihre hanseatische Meinung gleich ans Brett im Hausflur geschlagen: Bitte keine Räder im Flur. Wem gehört der Kinderwagen im Hof? Außerdem möchten sie gern darauf hinweisen, dass sie das Grillen im Hof stört. Der Rauch wäre eine Zumutung.

Jetzt wird die Wohnung über uns saniert. Die bisherige Mieterin ist ausgezogen. Die hatte noch nen alten DDR-Mietvertrag und eine dementsprechende unsanierte Wohnung. Bin nun gespannt, wer da einziehen wird. Vielleicht ja ein hanseatisch-schwäbisches neureiches Makler-Designer-Paar mit Holzkohle- und Kinderwagenphobie. Oder einfach nur nette Nachbarn. Die Hoffnung stirbt zuletzt.