Warum man „Heil Hitler“ in Berlin nicht zuordnen kann oder will

Und wieder lügen uns die Polizei-Statistiken die Hucke voll. Nachdem vor einem Jahr die Veröffentlichung von politisch motivierten Straftaten in Neukölln schon für, milde ausgedrückt, Erstaunen sorgte, zeigt sich das gleiche Bild nun in Treptow-Köpenick. Gut, es gibt ein paar Unterschiede. Treptow-Köpenick ist rechter als Neukölln. Klar, ist ja auch ein Ost-Bezirk.  Die Polizei schätzte 2011 immerhin 118 politisch motivierte Straftaten als rechts ein. 44 seien  der linken Szene zuzuordnen.

Aber, wie auch schon bei den Skandal-Statistiken in Neukölln, macht man sich auch hier angebliches Unwissen oder Nichtwissen zu Nutze. Ich nenne es mal beim Namen: Weggucken. Statistiken schön schreiben. Statistiken ins linke Licht rücken. Denn Berlin muss schließlich den Kampf gegen links weiter rechtfertigen. NSU ist woanders. Hier ist autonom, hier gehts gegen die Linken. Das war schon immer so. Das soll auch so bleiben. Und so haben die Damen und Herren in den Schreibstuben der Polizeidienststellen auch in Treptow-Köpenick so manche eindeutige Straftat in die Kategorie „nicht zuzuordnen“ zugeordnet. Damit auch dieser Ordner weiter existieren darf. Damit alles beim Alten bleibt. Beispiel gefällig? Gerne doch:

Aus der Beantwortung der Kleinen Anfrage im Bezirksparlament Treptow-Köpenick Nummer KA VII/0173 des Linken-Abgeordneten Philipp Wohlfeil:

13.06.2011, 08:00 Die Polizei erhielt den Auftrag „randalierende Person, welche den Hitlergruß zeigt, auf dem Gelände des Ehrenmals“. Kategorie: n.z. (nicht zuzuordnen)

04.09.2011, 02:15 Der Beschuldigte rief in einem Lokal mehrfach „Heil Hitler“. Kategorie: n.z.

15.09.2011, 01:00 Nach Zeugenaussagen beklebten die drei Beschuldigten Wahlplakatwände der SPD mit einem Aufkleber, auf dem stand „Schluss mit der Bevormundung, wir wählen lieber die Freiheit http://www.dieFreiheit.org“.Kategorie: n.z.

26.11.2011, 02:00 Nach Missbrauch von Notrufen und einer Körperverletzung entbot der Besch. während der Anzeigenaufnahme im Beisein diverser Fahrgäste den Deutschen Gruß. Kategorie: n.z.

Schön dann aber auch diese Straftat hier, den die Schreibtischtäter eindeutig als links einstuften:

03.02.2011, 08:00 In der Bouche-Grundschule traf ein Brief ein, welcher vier Seiten umfasst und der Verfasser erklärt, alles in seiner Macht stehende zu tun, um dem Merkelregime soviel Schaden wie möglich zuzufügen und zu stürzen.

Klar, eindeutig links. Mehr Berliner Polizeistatistik gibt es hier.

Ins linke Licht gerrückt

Statistiken. Kaum ein anderes mathematisches Ergebnis sorgt so gut für seine Auftraggeber und gibt ihnen Recht. Denn man kann sie so herum oder andersherum auslegen, von unten oder von oben betrachten, von links oder rechts anfangen zu zählen, die ganz guten und die ganz schlechten Ergebnisse streichen, oder alles gelten lassen oder eben gleich das Negative ins Positive umschreiben. Am Ende hat jeder das gewünschte Ergebnis und kann so ziemlich alles rechtfertigen. Schauen Sie doch in die Statistik, da haben Sie den Beweis, heißt es dann. Und alle nicken und klatschen und freuen sich. Oder klopfen sich selbst auf die Schulter.

Berlin brennt, Berlins ist heiß, fest in der Hand der linken Gewalt. Hier fackelt ein Auto, da fliegt ein Stein. Der linke Hass ist so groß wie vorher. Das beweisen, nicht zuletzt, die Statistiken. Ein Parlamentarier aus Neukölln wollte es nun genau wissen. Er fragte an, wie viele links motivierte und wie viele rechts motivierte Straftaten es 2010 im Bezirk gegeben hat. Die Antwort kam, angefügt die Statistik. Diese belegt wie kaum eine andere, wie Statistik funktioniert. In Berlin. Sie ist geordnet nach linken und nach rechten und nach sonstigen politisch motivierten Straftaten. Also so, wie es der oder diejenige ein geordnet hat, die oder der es eingeordnet hat. Nichts verstanden? Kein Problem, es folgen einige Beispiele aus der Neuköllner Polizeistatistik.

16. Oktober 2010, 15.20 Uhr (Tatzeit): Ca. 15 Personen liefen durch die McDonalds Filiale und spielten dabei lautstarke Musik, aus einer mitgeführten Musikanlage, ab. Na, erraten? Richtig! Linke Straftat.

23. September 2010 9.00 Uhr: Unbekannte bewarfen die Schaufensterscheiben des Quartiersmanagement Reuterplatz mit unbekannten Gegenständen. Na? Richtig. Linke Straftat.

9. September 2010, 11.35 Uhr: Eine Gruppe demonstrierte auf dem Gehweg vor dem Jobcenter. Eine männliche Person hielt ein Plakat, auf welchem die Namen von Mitarbeitern des Jobcenters vermerkt waren, drei weitere Personen verteilten Handschriften. Jetzt wird´s schwer, oder? Linke Straftat.

11. Juli 2010, 23.30 Uhr: Ca. 50 Personen führten eine Demonstration ohne Anmeldung durch. Klar, das machen keine Rechten. Linke Straftat.

29. Oktober, 13.15 Uhr: In der Moschee des Tekke-i Kadiriyye Mescidi e.V. erscheinen immer wieder Personen die versuchen, Mitglieder für die Weltanschauungen der verbotenen Hizb ut Tahrir zu begeistern. Na? Logo, linke Straftat.

14. Juni 2010, 2.15 Uhr: Unbekannte Tätergruppe entwendet eine am Spätkaufladen angebrachte Deutschlandfahne. Wer nun denkt, für den nächsten Nazi-Aufmarsch, denkt falsch. Linke Straftat.

8. Mai 2010, 14.10 Uhr: Im Rahmen der Eröffnung des Tempelhofer Feldes konnten drei Personen beobachtet werden, welche ein Transparent und 2 Thermokübel mit sich führten. Linke Straftat.

3. Januar 2010, 11.30 Uhr: Der Geschädigte ist jüdischen Glaubens, daher kam es vermehrt zu Streitigkeiten mit antisemitischem Inhalt zwischen ihm und dem Beschuldigten arabischer Herkunft. Eindeutig, oder? Steht aber unter: Linke Straftat.

12. Januar 2010: Eine unbekannte Person klingelte nach Angabe des Anzeigenden an der Haustür der Geschädigten und äußerte auf deutsch mit arabischen Akzent: Hier ist die Hizb Allah, wir wissen, was ihr tut. Richtig geraten. Linke Straftat.

Es wird aber noch besser. Unter „sonstige motivierte Straftaten“ werden all jene erfasst, welche die zuständigen Bearbeiter nicht zuordnen konnten. Kann man verstehen. Manche Straftaten kann man einfach nicht zuordnen. Wie diese hier:

7. März 2010, 4.40 Uhr: im Verlauf einer Streitigkeit soll der Beschuldigte den rechten Arm zum Hitlergruß gehoben und laut „Heil Hitler“ gerufen haben. Sonstige Straftat.

3. Juni 2010, 0.30 Uhr: Anlässlich eines Hausfriedensbruchs im Hotel „Estrel“ leistete der Beschuldigte Widerstand. Dabei äußerte er mehrfach „Sieg Heil“. Sonstige Straftat.

14. Oktober 2010, 12.10 Uhr: Der Beschuldigte befand sich in Begleitung dreier Personen und rief dreimal laut die Worte „Sieg heil“ und zeigte dabei den Deutschen Gruß. Sonstige Straftat.

Alles klar? Na dann ist ja gut.