Houston 2014

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Und es war Sommer

Die einen sagen Endlich warm. Andere Endlich Sommer. Seit ein paar Tagen hat uns nun die Sonne im Griff. Ob beim Public Viewing, beim Bloggen auf dem Balkon oder beim Rasen mähen im Garten (ich sähe jetzt aus, wie ein Kubanischer Freiheitskämpfer, sagt meine Frau). Sie ist da, die Sonne und sie brennt auf uns hernieder, als ob es schon im nächsten Monat Winter werden würde.

Dabei war doch der Juni schon so herrlich. Sagen die Statistiker. Laut den Datensammlern vom Deutschen Wetterdienst nämlich war der Juni trocken und warm. In Berlin. Mit 18,1 Grad Celsius Durschnittstemperatur war die Hauptstadt die wärmste der Republik. Geregnet hat es schon lange nicht mehr so wenig. In Dahlem fiel zum ersten Mal weniger Regen als 1883. Ein neuer Minus-Rekord. Und überhaupt seien alle Werte über dem „vieljährigen Mittel“ gewesen, sagt der Deutsche Wetterdienst.

Nur hat es, wieder einmal, keiner gemerkt. Der Juni? Der war kalt. Und regnerisch. Gefroren haben wir, vor drei Wochen beim Griechen. Kalte Nächte, Wolken verhangene Tage. So, und nicht anders, war der Juni. In Berlin. Nein, ganz falsch. Im vorigen Monat wurde aus einer zunächst eher durchschnittlichen Sonnenscheinbilanz dann doch ein sehr sonnenscheinreicher Monat mit durchschnittlich 246 registrierten Stunden (Schnitt 198 Stunden), entsprechend 124 Prozent des vieljährigen Klimamittels.

Selbst Sachsen-Anhalt, mit seinem Regenort Halle Neustadt, meldete laut DWD einen Temperaturdurchschnitt von 16,8°C (Schnitt 16,1°C). Niederschlag fiel im Mittel 20 l/m² (66 l/m²) und die Sonne schien 286 Stunden lang (Schnitt 198 Stunden). Mit diesem Wert  war Sachsen-Anhalt im Ländervergleich das sonnenscheinreichste Bundesland.

Na bitte, geht doch. Allen war es kalt, aber die Statistik will uns eines Besseren lehren. Der Juni war angeblich einfach nur herrlich. Da soll sich noch einer wundern, dass keiner mehr an Statistiken glaubt. Aber die konnte man ja schon immer so und so interpretieren. Ich freu mich jedenfalls schon jetzt auf die Statistik vom Juli. Der wird dann sicher zu kalt und zu nass gewesen sein.

Als der Regen niederging

Als der Regen niederging zur Erde
standen wir umschlungen am Baum.
Durch die Blätter fielen Tropfen
wie Perlen in unsern Regentraum.
Sie fielen in dein weiches Haar.
Und sie fielen in unsern Kuss sogar.
Und es fiel in den Traum die Wirklichkeit.
Wir vergaßen die Zeit.

Als die Sonne wiederkam zur Erde
lagen wir im funkelnden Gras.
Und es war ein schönes Erwachen.
Und ein großer Regenbogen war das.
Den Augenblick vergess ich nie.
Alle Farben der Erde in sich vereint,
so als ob sie es gut mit uns meint
und uns beide liebe.

    
Als die Flocken trieben durch die Straßen
wurde unser Zimmer zu klein.
Und das Leben war auf einmal anders.
Abends wich die Stille dem Schreien.
Es dringt durch Haut und Herz und Hirn,
auch wennn wir liegen Stirn an Stirn.
Und es riss unsern Traum in die Wirklichkeit.
Und es fehlte die Zeit.
    

Es dringt durch Haut und Herz und Hirn,
auch wenn wir liegen Stirn an Stirn.
Und wir bringen den Traum in die Wirklichkeit.
Die Liebe braucht Zeit.

HOLGER BIEGE 1978

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