Airport Tegel: Krückstock gegen Rollator

startbahn_02aNein, es war nicht die Startbahn West in Frankfurt, aber immerhin die Startbahn Süd in Tegel, auf der ich ein paar Minuten verweilen durfte. Der Flughafen hatte eingeladen um zu zeigen, wie es dort voran geht. Was alles investiert wird, was alles ernuert wird. Dabei hatte ich doch immer gehofft, so einen Termin am neuen Flughafen Schönefeld zu bekommen.

Nun, es war noch einmal Tegel. Ein Flughafen, den ich mag. Wegen seiner kurzen Wege vom Check-In zum Flieger, vom Flieger zum Gepäck und bis raus. Nirgendwo anders geht das so schnell. Wegen des kurzen Weges von Pankow dorthin. Weshalb ich ihn wiederum nicht mag, weil der Fluglärm uns mächtig nervt.

Ein Flughafen, der aber auch knapp 40 Jahre auf dem Buckel hat und längst geschlossen sein sollte. Deshalb hat man nun noch einmal tief in die Tasche gegriffen. Satte 20 Millionen Euro ließ sich die Flughafengesellschaft die Ausbesserung der Start- und Landebahnen, neue Farbanstriche im Terminal, ein neues Rötgenkontrollgepäckband sowie neue Toiletten kosten. Damit er noch ein paar Jahre länger hat.  Eine Gnadenfrist. Den Krückstock gegen den Rollator getauscht.

Verständlich. Und doch eigentlich unfassbar. Verglichen mit einem privaten Häuslebauer würde das bedeuten, dieser würde noch einmal 20.000 Euro in seine Mietwohnung stecken, weil es mit dem Hausbau nicht so recht vorangehen will. Ganz schön bekloppt.

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Ding des Monats IX

DPA-Meldung vom 17. August 2012:

Die für den neuen Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg zuständige Agentur für Arbeit in Potsdam hat bislang 900 Menschen Arbeit am Schönefelder Standort vermittelt. Das sagte die stellvertretende Agentur-Sprecherin, Doreen Ließ, am Freitag. Weil aber noch immer nicht klar ist, ob der Flughafen tatsächlich am 17. März 2013 öffnet, sind die meisten dieser Arbeitskräfte vorläufig noch andernorts tätig.

Was der Bauer nicht kennt, wird verklagt

Morgen ist es nun endlich vorbei. Das Warten, das Zittern. Wer fliegt wann wo in welcher Höhe? Welche Maschine wird welches Häuserdach rasieren? Gibt es überhaupt Flugrouten übers Brandenburger Land? Über Berlin? Oder bekommen die Flugrouten-Gegner doch noch Recht und alle Flugzeuge ab dem neuen Berliner Flughafen BER starten senkrecht? Soll es ja geben, Senkrechtstarter. Dann wäre endlich Ruhe im Karton. Und im Brandenburger Land. Wo es seit Jahren brodelt. Wo seit Jahren Menschen auf die Straße gehen. Um gegen den Fluglärm zu protestieren. Fluglärm in 2500 Meter Höhe. Oder in 5 Kilometern Entfernung. Oder in zehn. Von ihren Häusern. Die sie sich hingebaut haben. Weil die Grundstücke so preiswert waren.

Mal ehrlich: Manche von denen erinnern mich an so manche Neu-Berliner. Die in die Hauptstadt gekommen sind, um hier in Ruhe zu leben. Gekommen aus der tiefsten Provinz. Die nun allabendlich in ihren Luxus-Lofts und Penthouse-Wohnungen in Prenzlauer Berg oder Friedrichshain oder Charlottenburg sitzen und auf den nächsten Gerichtstermin warten. Weil sie geklagt haben. Geklagt gegen das Großstadtleben. Geklagt, weil es im Club nebenan Musik gibt. Was für eine Frechheit. Da machen welche mitten in Berlin Musik. Und das auch noch laut. Oder erst die Open-Air-Konzerte. Oder Wochenmärkte. So etwas darf nicht sein. Was der Bauer nicht kennt, wird verklagt.

Flugrouten. Wir sind dagegen. Dagegen. Schallte es aus allen Provinzen um Berlin. Besonders da im Südosten. Wo eine ganze Region davon lebt, dass es dort einen Flughafen gibt. Wo es der ganzen Region noch besser gehen wird, wenn erst der neue Großflughafen in Betrieb ist. Aber wer will das schon? Ruhe wollen alle. Ruhe. Weit genug weg sein von der City. Von Clubs und dem Lärm der Biergärten. Aber nahe genug, um des morgens mit Auto oder Bahn in die City auf Arbeit fahren zu können. Und so ein kurzer Anfahrtsweg zum Flughafen. Ja, das wäre auch nicht schlecht. Aber bitte keinen Fluglärm.

Ist denen eigentlich bewusst, dass sich mancher das Grundtstück hätte gar nicht leisten können, wenn der Flughafen nicht ausgebaut worden wär? Dann würden sie vielleicht noch immer in ihrer Hellersdorfer Drei-Zimmer-Plattenbau-Butze sitzen. Oder in Castrop-Rauxel, in Bietigheim-Bissingen. Bei Kartoffelchips und Dosenbier und Tetrapackwein. Hätten aber wenigstens ihre Ruhe vor dem Fluglärm. Und wir unsere Ruhe vor denen. Ruhig wird es übrigens bald auch hier. In Pankow. Was nicht schlecht ist. Aber auch nicht so richtig gut. Denn der kurze Anfahrstweg zum Flughafen wird leider bald Geschichte sein. Dann müssen wir bis Schönefeld. Eine Stunde? Zwei Stunden fahren? Keiner weiß es so genau. Nur eins steht fest: Ab 3. Juni herrscht hier himmlische Ruhe. Am Himmel über Berlin Pankow.


Sicherheitsaufrüstung geht alle an

Die Angst geht um in der Hauptstadt. Die Angst vor Anschlägen. Besonders Briefe sind derzeit unbeliebt. Nicht nur, dass Rechnungen drin sein könnten. Nun ist vielleicht auch noch ein kleiner Anschlag versteckt. In den Büros fragt man sich: Ist es wirklich das Bewerbungsschreiben dieser hübschen Blondine, die hier ein Praktikum machen möchte? Steckt in dem Umschlag das neue iPhone für den Chef? Oder lauert ein Anschlag im Brief, eine Bombe? Panik geht um in der deutschen Sicherheitshauptstadt.

Und schon rufen die ersten wieder laut nach Überwachung! Allen voran die Bürgerinitiative „Sicherheit und Ruhe 21“. Sie fordert mehr Kameras auf allen Plätzen und „besonders da, wo auch Google-Street-View nicht hinsieht. „Wir können nicht zulassen, dass Terroristen heimlich unsere Flugrouten nutzen, dass Migranten ohne Führerschein auf unseren Straßen Auto fahren oder dass im Untergrund langhaarige Schwarzfahrer ungestraft die U-Bahn nutzen“, sagt BI-Vorstand und Sprecherin Mathilda Stuttgart-Schönefelder. Gemeinsam mit den Initiativen Schönefeld 21 (BI gegen alles, was sich in Berlin und Brandenburg in der Luft bewegt), MEZ 21 (gerade gegründete BI gegen die Sommerzeit), Pankow 21 (für alle neuen Flugrouten, Hauptsache nicht mehr über Pankow)  und den anderen „Ohne-21-im-Namen-Initiativen“ will Stuttgart-Schönfelder nun Pro-Überwachungs-Demos organisieren.

Buugle ist schon ein guter Anfang. Aber das reicht lange noch nicht aus“, sagt Wolfgang Schwanitz von der Bürgerinitiative. „Wir fordern Nacktscanner in jedem öffentlichen Hauseingang, Kameras in allen Briefkästen sowie zumindest Bewegungsmelder in den Waschräumen von Kneipen, Kitas und Schulen“, so Schwanitz, der selbst ein Verfechter der indirekten spezifischen Personenüberwachung ist. Dabei könne Deutschland von seiner 40-jährigen Erfahrung profitieren. Schwanitz: „Das funktionierte prima.“

Kommenden Montag soll die erste gemeinsame Demo unter dem Motto „Schluss mit der imperialistischen Abrüstung – Sicherheitsaufrüstung geht alle an“ stattfinden. Die Route der Demo ist noch unklar. Klar ist hingegen, dass die Demo dank 500 Kameras an der Strecke (ganz egal, wo sie langführt) live im Internet zu sehen sein wird. Aufzeichnungen können später hier nachbestellt werden.