Badekappe Pflicht

IMAG3244Unser Besuch in New York ist in diesem Jahr nicht nur ein Besuch in New York, sondern vor allem ein Besuch bei Freunden. Die Familie aus Berlin lebt hier seit einem Jahr mit zwei Kindern in einem Brownstonehouse in Park Slope. Das ist ein nette Gegend in Brooklyn, in der Nähe vom Prospect Park. Hier lebt man nicht so hektisch wie in Manhattan, muss aber dennoch auf keine Annehmlichkeiten verzichten. Beide Freunde sind journalistisch tätig, die Kinder gehen zur Schule und Spielen Fuß- und Basketball. An den Wochenenden erkundet die ganze Familie Stadt und Umgebung mit Bahn, Mietwagen oder Fahrrädern.

Und so haben sie natürlich ein ganz anderes Bild vom Big Apple, wovon wir profitieren. Denn statt Timesquare, 5th Avenue, Highline oder Staten Island Ferry gibt es dieses Mal Bed Stuy, Bushwick, Brighton Beach, North Harlem, Bronx, IKEA-Fähre, Red Hook und andere Ziele, die wir allein wohl eher nicht aufgesucht hätten. Die Idee dazu stammt natürlich auch von uns, haben wir doch inzwischen das „normale“ Touristen-New-York zur Genüge gesehen. Da wäre jeder Manhattan-Besuch reine Zeitverschwendung – mit Ausnahmen natürlich. Außergewöhnlich und nur möglich mit Freunden hier aber ist z.B. ein Besuch der Schwimmhalle des YMCA.

Der YMCA hier am Prospect Park längst nichts mehr mit seinem Namen zu tun. Zumindest das Y vorn für youth stimmt auch hinten nicht mehr. Ins YMCA auf der 9th Street geht man Schwimmen, zu Pilatis oder Yoga.Im Umkleideraum steht der muskulöse junge Schwimmer neben dem eher dürren Senioren, der hier zum Wasser-Aerobic angetereten ist. Daneben ein Typ in meinem Alter, wir kommen sofort ins Gespräch. Seine Eltern stammen aus Polen, er wäre aber noch nie dort gewesen. Ich schon, sage ich und er will wissen, wie es dort so aussieht. Vielleicht werde ich es doch noch einmal schaffen, sagt er, nachdem ich ein paar polnische Urlaubserlebnisse ausgekramt habe.Er wünscht mir noch einen schönen Tag und einen sicheren Aufenthalt hier.

Was sofort auffällt – hier hilft jeder jeden. Ob es ein Problem mit dem klemmenden Schloss am Schrank gibt, mit der Dusche oder dem rutschigen Weg zum Pool in den Keller. Jeder ist für jeden da, alle sind freundlich, zuvorkommend und besorgt um den jeweils anderen. Etwas, das den Deutschen dermaßen fremd geworden ist, dass es einen manchmal gruselt.

Handtücher gibt´s beim YMCA aufs Haus, Gäste mit ID dürfen nach Registrierung kostenlos rein und auf den sieben Bahnen im 25-Meter-Schwimmbecken herrscht Ordnung. Nicht wie in Deutschland, wo jeder seine Kreuz-und-Quer-Bahnen schwimmt oder watet. Hier hat jede Bahn ihr Tempo. In der ersten dürfen Erwachsene nach ihrem Gusto schwimmen. Die  nächste Bahn ist für langsame Schwimmer reserviert und so setzt sich das fort bis hin zu den schnellen Sportlern. Jeder kann vorher schauen, welches Tempo zu ihm passt und sich dann entscheiden. Geschwommen wird zu zweit hin und her, jeder auf seiner Seite. Kommt ein Dritter hinzu, wird im Kreis geschwommen, so dass niemand den anderen behindert. Klare Regeln. Und die enden nicht beim Tempo. Badekappe ist hier Pflicht. Wer keine hat, dem wird eine Original-YMCA-Kappe übergeholfen. Springen vom Rand ist verboten wie auch das Kauen von Kaugummi. Aber wer macht das auch schon beim Schwimmen?

Schwimmen beim YMCA – mein erstes Alterbativ-Erlebnis in New York 2016. Weitere folgen an dieser Stelle.

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Relativ

Neulich in der Schlange vor dem Kassenhäuschen im Freibad Pankow. Vor mir stehen etwa 15 Erwachsene mit etwa 40 Kindern. Direkt vor mir eine Anfangdreißigerin mit Tochter, etwa 10, 11 Jahre alt.

Tochter: „Mama, wie lange dauert das noch?“

Mama: „Nicht lange.“

Tochter: „Was heißt nicht lange?“

Mama: „Die Schlange ist relativ kurz.“

Tochter: „Also dauert es noch ewig.“

Mama: „Wie kommst du darauf?“

Tochter: „Weil du relativ gesagt hast.“

Mama: „Wie meinst du das?“

Tochter: „Mama! Jedes Mal, JEDES MAL, wenn Du keine Ahnung hast, benutzt du relativ. Sag doch einfach, dass wir hier noch ewig stehen. Du kannst es ja doch nicht ändern. Und hör endlich mit diesem relativ auf!“

Osterschwimmen. Oder: Jenau. Deshalb

Karfreitag 2014, 9.30 Uhr, Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park in Berlin Prenzlauer Berg. Zwischen Eingang und Kassenhäuschen stehen ein Mann, Mitte 60, korpulent, Glatze, Jeans, Jeanshemd, Jeansjacke, Turnschuhe, Rucksack und eine Frau, Mitte 50, gestrickte Hosen, gestrickter Pullover, gestrickte Jacke, gestrickter Umhängebeutel, zusammengeknotetes Haar, John-Lennon-Nickelbrille.

Er: Mensch, du hier? Zu Ostern?

Sie: Is nich Ostern.

Er: Doch. Is Ostern.

Sie: Nee! Karfreitag.

Er: Ach so. Karfreitag. Nich Ostern?

Sie: Nich Ostern. Aber sachma, was machstn hier?

Er: Icke? Schwimmen und so.

Sie: Und so?

Er: Na Schwimmen. Und so.

Sie: Ostern?

Er: Ist doch keen Ostern. Haste grad…

Sie: Ja, ja. Ick weeß. Aber du hier? Haste nich Familie?

Er: Ja, hab icke.

Sie: Und?

Er: Und wat?

Sie: Und ist die Familie da?

Er: Ja. Bei mir.

Sie: Und da jehste schwimmen?

Er: Jenau. Deshalb.

Warmduschertemperaturaufschlag

bbb_aufschlag_warmwasserManchmal komme ich nicht mehr mit. Mit den neuen Preisen. Also, mit den Preiserhöhungen. Vieles kann ich nachvollziehen. Anderes nicht. Die BVG zum Beispiel. Von 1,80 DM Anfang der 90er auf jetzt 2,60 Euro für eine Einzelfahrt. Verrückt. Nix dagegen, wären die Löhne und Gehälter ebenso gestiegen. Man stelle ich vor: Hatte man vor dem Euro 1800 Mark Gehalt, wären das jetzt 2600 Euro. Aber unsere Berliner Verkehrsbetriebe sind gegen andere noch harmlos. Den Gipfel der Preiserhöhungen haben jetzt zweifellos die Berliner Bäderbetriebe erklommen. 5,50 Euro kostet nun ein Besuch in Halle oder Freibad. Natürlich nur, wenn das Waser eine angenehme Kühle hat. Denn ist es warm, kostet es gleich noch einen Aufschlag. 1,50 Euro mehr kostet es, wenn die Temperatur aller Becken 30 Grad in der Halle oder 27 Grad im Freibad übersteigt. Kann man nur hoffen, dass die Sonne im Sommer nicht so oft scheint. Sonst wird es ein teurer Badespaß. Und bekommt die Gastronomie Wind davon, wird es brenzlig. Ich sehe schon die Aufsteller auf den Sommerterrassen. Warme Speisen 1,50 Euro Aufschlag. Und kalte Getränke natürlich auch.

Russenbad

Ich wollte es schon immer wissen. Wer sind eigentlich diese Damen und Herren. Die morgen für morgen gemeinsam mit mir im Prinzenbad schwimmen. Bahn für Bahn. Schweigend. Manche schneller, andere langsamer als ich. Aber fast alle schwimmen wie ich minimum 20 Bahnen. Also 1000 Meter. An manchen Tagen auch mehr. Wenn das Wetter passt. Und wenn es nicht zu voll ist. Dann sind es auch schon einmal 30 Bahnen. Und oft frage ich mich: Was macht der neben dir auf Bahn fünf? Beamter? Polizist? Schlosser? Mitarbeiter des Auswärtigen Amtes? Ein Diplomat? Oder Chemiker bei Bayer? Und der dahinter. Der mit der super sportlichen Figur. Ist das ein Sportler? Oder eher ein durchtrainierter Feuerwehrmann? Nun, ich weiß es immer noch nicht. Trotzdem habe ich wenigstens etwas erfahren. Das Sportbecken war heute früh wegen Reinigungsarbeiten gesperrt. Also mussten alle ins dahinter gelegene sogenannte Mädchenbecken (weil es beheizt ist). Und auf dem Weg dahin unterhielten sich die anderen. Zum ersten Mal in meiner Anwesenheit. Sie sprachen alle russisch.

Der Mai hat 31 Tage…

…das lernt schon jedes Schulkind. Aber das will nichts heißen. So waren die Öffnungszeiten der Berliner Freibäder im Internet nur bis zum 30. Mai angegeben. Neue Öffnungszeiten gab es dann am 1. Juni. Am 31. Mai? Keine Öffnungszeiten. Also müssen die Bäder wohl geschlossen haben. Dachten sicher viele. Ich bin trotzden hingegangen. Und hatte das komplette Bad für mich allein. Das hatte schon etwas Einzigartiges, etwas Besonderes. Zumindest waren es meine ersten Mittags-Bahnen so ganz allein im Becken. Das gab es bisher nur am Anfang der Saison. Bei Wassertemperaturen von 15 Grad. Das wollte sich auch fast keiner antun. Aber bei 20 Grad allein im Becken, das ist neu.

Dit jibs nur in Berlin (Wedding)

Heute früh in einem Hallenbad in Wedding. Eine Schulklasse (zweite oder dritte Klasse) ist auf dem Weg zum Schwimmunterricht und wartet vor dem Kassenhäuschen auf Einlass. Ein Mitarbeiter der Bäderbetriebe, vermutlich ein Bade- oder Schmimmmeister, verliest die Namen der Schüler, die sich daraufhin einzeln melden und hineingelassen werden. Yusuf! Hier! Djamal! Hier! Gabor! Hier! Varlik! Hier! Sabri! Hier! Zahit! Hier! Djamila! Hier! Suleiman! Hier! Halim! Hier! Issam! Hier! Qitura! Hier! Zuleika! Hier! Charda! Hier! Eleonora! Hier! Talat! Hier! Dshihad! Hier! Erzsebet! Hier! Iskandar! Hier! Svetanka! Hier! Namik! Hier! Said! Hier! Mansur! Hier! Alle drin? Jaaaaaa. Daraufhin der Bademeister zur Begleitperson der Schüler (Lehrerin?): Sagen Sie mal, beim letzten Besuch waren da aber doch noch wenigsten zwei deutsche Schüler dabei! Oder irre ich mich? Sie irren nicht. Anwtortet die Dame. Aber die Eltern der beiden sind umgezogen. Damit ihre Kinder in andere Schulen gehen können. Wo mehr deutsche Mitschüler sind.