…und keiner fragt nach bruno-gröning

Wieder einmal wird sie ordentlich angeheizt. Die Stimmung gegen und die Angst vor Scientology. Die beiden Experten auf diesem Gebiet haben sich wieder einmal zu einem Buch durchgerungen. Liane von Billerbeck und Frank Nordhausen schreiben seit 1993 über die Sekte. Ihre neue Gesamtdarstellung „Scientology – Wie der Sekten-Konzern die Welt erobern will“ soll zeigen, wie „gefährlich die antidemokratische Organisation“ nach wie vor ist. Klar, seitdem die amerikanischen Spinner auch in Berlin eine Zentrale haben, muss man wieder Angst haben.

Allerdings sollte man sich einmal die Realität genauer ansehen. Die Jahrmarkt-Stände der Sekte auf Berliner Straßen werden zu 99 Prozent nur noch belächelt. Ihr „Stress-Test“ wird maximal noch von Jugendlichen als Mutprobe genutzt. In den Zeitungen spielt Scientology schon lange nur noch in den Meldungsspalten eine Rolle. Wenn überhaupt. Und die Mitgliederzahl in Deutschland wird auf 5.500 geschätzt. Das sind 0,0067 Prozent der Bevölkerung. Huh, das sind aber viele. Aber wenn man einmal Experte ist, muss man eben immer wieder mal ein Buch schreiben.

Jedoch keiner fragt nach Bruno-Gröning. Die Naturheiler-Sekte hat immerhin mehr als doppelt so viele Anhänger (12.000). Oder nach den Zeugen Jehovas? Die bringen es schon auf 190.000 Gläubige. Oder die Mormonen (36.000 Mitglieder), die Vereinigten Apostolischen Gemeinden (30.000), die Neugermanen (25.000)? Alles Sekten, die in der Berichterstattung keine Rolle spielen. Sind ja wahrscheinlich auch harmlos. Aber das ist Scientlogy, zumindest in Deutschland, auch.

Ob Touristen oder Berliner – bei den Jahrmarktbuden der Sekte bleibt kaum noch jemand stehen, hier ein Stand auf dem Wittenbergplatz in Berlin Schöneberg

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