Ding des Monats XI

Aus dem Stadtentwicklungsplan Verkehr der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt; Anhang Maßnahmen (Seite 23):

I 5.2 Fertigstellung des Flughafens Berlin Brandenburg und der Verkehrsanbindung Verkehrsverknüpfung
Wirtschaftsverkehr
1. Bau des Flughafens und Schließung des innerstädtischen Flughafens Tegel
Bund/Berlin/Brandenburg ca. 3 Mrd. €, inkl. Schienenanbindung
Bund / Berlin / Brandenburg
03.06.2012 (Betriebsaufnahme Flughafen Berlin Brandenburg)

 

Willkommen in Posemuckel

Es wird Zeit. Zeit für einen Bahnhof mit Weltniveau. Dachten sich drei Unternehmer aus Berlin, die im Hauptbahnhof Geschäfte betreiben. Hier, im und am größten Verkehrsknotenpuntk Europas, herrschen nämlich ländliche Sitten. Sonntags müssen Geschäfte schließen, Feiertags sowieso (ganz anders in der von Berlinern so bezeichneten Provinz). Natürlich gibt es Ausnahmen. Wer Souveniers verkauft, darf öffnen. Wer Reisebedarf hat, ebenfalls. Souveniers, Reisebedarf? Wer legt das eigentlich fest. Wer bestimmt, was Reisebedarf ist. Oder ein Souvenier?

Ich meine, für mich war noch vor 20 Jahren ne Flasche Goldbrand und n Kasten Bier Reisebedarf.  Und wenn ich mir damals ne Jeansjacke hätte kaufen können, so kurz vor der Abfahrt des Personenzuges von Halle nach Erfurt, dann wäre die Jeansjacke natürlich Reisebedarf gewesen. Aber Jeansjacken waren eher Mangelware, in den Geschäften am Hauptbahnhof in Halle. Zumindest in den Geschäften, in denen meine Geld akzeptiert wurde. Im Intershop unten links, da gab es auch Jeans. Und Whisky. Aber nur gegen Westgeld. Oder Forum-Schecks. Aber ob der Intershop deshalb am Bahnhof war, weil sein Angebot zum Reisebedarf der Gäste aus dem Westen gehörte, entzieht sich meiner Kenntnis. Und Geschäfte gab es da sowieso nicht. Mal abgesehen vom Mitropa-SB-Restaurant. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück nach Berlin. Jene drei Unternehmer wollen sich also die Ladenöffnungszeitenvorschriften nicht mehr gefallen lassen. Sie starteten jetzt eine Aktion namens „Willkommen in Posemuckel“. Auf drei Bahnhöfen verteilen hübsche Hostessen 30.000 Postkarten. Karten, die an Senatorin Katrin Lompscher gerichtet sind. Darauf die Forderung nach 365 Tagen Öffnungszeiten im Berliner Hauptbahnhof.

Liebe Geschäftsfreunde im Hauptbahnhof. Euer Anliegen und Eure Aktion in allen Ehren. Aber was erwartet Ihr? Von einem Bahnhof, in dem Züge und S-Bahnen nur dann fahren, wenn es die alten Karossen und die Werkstattkapazitäten zulassen; ein Bahnhof, wo es elektronische Anzeigen gibt, auf denen „Ansage beachten“ steht, ein Bahnhof, in dem ein halbes Jahr nach der Schweinegrippe am Kaffeetresen immer noch Handreinigungsgel verkauft wird während man sich anhören muss, dass „Kaffee gerade aus wäre“, ein Bahnhof, der weniger Taxi-Halteplätze hat als der Bahnhof Bitterfeld?

Also ich bin auf Eurer Seite. Ich bin dafür. Auch ich werde vielleicht einmal an einem Sonntag mit der Bahn von Berlin fortfahren. Und dann bin ich froh, wenn ich noch ne Jeansjacke, n Kasten Bier und ne Pulle Schnaps kaufen kann. Allerdings habe ich wenig Hoffnung. Denn Euer Leitspruch trifft nicht nur auf den Bahnhof zu. Jedes Mal, wenn ich bisher aus den USA-Urlaub zurück nach Berlin kam, dachte ich genau das: Willkommen in Posemuckel.