Checkpoint Raabartig

Manchmal verstehe ich die ganze Aufregung nicht. Nicht, als das Ende von Wetten, dass kam. Nicht jetzt, da sich Herr Raab zurückziehen möchte. Was soll das? Gut, ich habe registriert, dass dieser Herr total erfolgreich im TV, an SängerInnenwettstreiten beteiligt war und  wohl auch eine Metzgerkarriere hinter sich hat. Oder anstrebt? Keine Ahnung. Eins aber ist gewiss: Genau, wie ich behaupten kann, nicht einmal Wetten, dass gesehen zu haben, habe ich ebenfalls kein einziges Mal TV Total gesehen. Und, was soll ich sagen? Ich kann damit leben. Vielleicht sogar besser als so manch anderer, der gleich den Untergang der TV-Unterhaltung heraufbeschwört und Langeweile erwartet.

Vielleicht bekommen wir ja nun das Fernsehen, von dem ich schon immer träume: Nur noch ausgesuchte Serien, preisgekrönte Filme, Sport und Nachrichten. All die misslungenen Talkshows und Endlos-Diskussionen, in denen Lobbyisten und Politiker durch- über und nebeneinander uns die Taschen vollhauen, werden abgeschafft und bekommen dafür ihren eigenen Youtube-Kanal. Da wird sich zeigen, wer sich wirklich dafür interessiert. Klicks und Likes statt Einschaltquote. Das wäre nicht nur gerechter, sondern auch zeitgemäßer. Weil wir gerade bei Klicks sind: Jeden Morgen klicke ich als erstes in meinen E-Mails den wirklich lesenswerten Checkpoint vom Tagesspiegel an. Da weiß ich innerhalb kurzer Zeit, was los ist in dieser Stadt. Der Checkpoint hat nun den Grimme Online Award bekommen. Herzlichen Glückwunsch!

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Gewicht > IQ oder: Woher der Hass wirklich kommt

Das Schöne an freien Tagen mitten in der Woche sind die freien Tage mitten in der Woche. Alle anderen sind schuppern oder klechen und man selbst kann sich eine ruhigen Tag gönnen. Zum Beispiel mit einem heißen Bad nach dem Besuch der Schwimmhalle. Die, nebenbei bemerkt, zu Tageszeiten in der Woche auch etwas leerer ist als zu den verbilligten Früh- oder Spätzeiten, wenn die Nazi-Opas und ihre schwergewichtigen, frisch eingedieselten, Freundinnen auf den Schwimmbahnen im Wege stehen. Nur hier und da ein verirrter Senior in Rückenlage auf dem diagonalen Weg durchs Schwimmbecken.

Das Schlechte an freien Tagen mitten in der Woche ist das schlechte TV-Programm. Wobei das nicht unbedingt vom Tag abhängt. Weil es ja eher ein Dauerzustand ist. Aber besonders an Wochentagen kommen Sendungen im deutschen Fernsehen, die mir sehr suspekt und vor allem zuwider sind. Sendungen, die ich, bisher zumindest, nicht verstanden habe. Beziehungsweise hatte ich bisher den Sinn nicht wirklich verstehen können. Oder wollen. Vor allem bei den sogenannten Reality Soaps war mir lange Zeit unklar, warum jene produziert und ausgestrahlt werden. Und was dahinter steckt. Nun hab ich es aber kapiert.

In jener Reality Soap, die ich mir, an meinem freien Tag, angesehen habe, befinden sich Menschen, deren Intelligenzquotient weit unter ihrem Körpergewicht liegt, in fernen Ländern, die sie auf normalen Weg nie hätten erreichen können, und sollen sich dabei nach Regieanweisung so verhalten, als würden ihre unbeholfenen Bewegungen und ihre unterbelichteten Dialoge mit eben solchen (aber meist schlankeren) Ureinwohnern des jeweiligen Landes, echt sein.  Was natürlich komplett daneben geht. Weil sich unterbelichtete, übergewichtige Sozialempfänger und unterbezahlte arbeitslose Einheimische vor der Kamera natürlich nicht natürlich verhalten können. Sollten sie das doch einmal tun, fällt es nicht weiter auf. Denn man nimmt jeder und jedem ab, die und der da mitmacht, dass sie pder er oder sie alle sich im normalen Leben genauso idiotisch verhalten würden.

Und es funktioniert. Denn sie passen ins Konzept. Weil die Zuschauer, die nicht nach spätestens fünf Minuten genervt umschalten, jene sind, die zwar genauso fett und unterbelichtet sind wie die, die so tun, als ob sie nur so tun würden, aber eben nicht so tun dürfen. Ist ja nicht schlimm. Schlimm ist, dass jene, die das sehen, was die da unten am Mittelmeer tun, bzw. was die da im TV vorgeben, zu tun, denken, das wäre die reale Welt. Da unten, in Südeuropa. Und dann fragt sich die Politik, und der Verfassungsschutz, woher bei manchen Bevölkerungsgruppen eine gewisse Distanz zu Ausländern herkommt. Ja, woher kommt denn dieser Hass? Nicht nur aus der DDR. Das weiß ich nun. Denn ich habe die wirklich wahren Reality Soaps gesehen. Danke, RTL2!

Kuck mal, wer da zu Oktern beim Erdbeben mit Sindbad am Airport bei American Pie spricht

Oktern (Emil Steinberger) steht bevor und viele fragen sich mal wieder: Familie oder Fernsehen, Fernsehen oder Familie. Also ich würde mich in diesem Jahr fürs Fernsehen entscheiden. Wieder einmal haben die Sender in die tiefsten Klamottenkisten gegriffen, um auch den letzten Ostergläubigen zu läutern.

Allen voran VOX. Pünktlich zur „Feier Auferstehung Jesu Christi, nachdem dieser den Tod überwunden hat“, beginnt der Sender sein besinnliches Feiertagsprogramm bereits am Karfreitag in der Früh. Start ist um 5.05 Uhr mit „Erdbeben“ (1974), gefolgt vom Katastrophenfilm „Airport“ um 7.05 Uhr (1970). Weil das noch nicht reicht, folgt um 9.45 Uhr „Airport 75 – Giganten am Himmel“ (1974) sowie im Anschluss eine weitere Katastrophe: „Airport 77 – Verschollen im Bermudadreieck“ (1977) um 11.50 Uhr. Der Vormittag am Karfreitag ist also gerettet.

Dann könnte man langsam aber sicher zu SAT1 wechseln. Hier beginnt um 14.50 Uhr „Kuck mal, wer da spricht“ (1989). Danach folgt um 16.40 Uhr „Kuck mal wer da spricht 2“ (1990 – die Filme werden merklich jünger). Und weil es gerade so schön ist, sehen wir uns um 18.20 Uhr noch „Kuck mal, wer da jetzt spricht“ (1993) an. Wer das Pech hatte, diese drei Spitzenfilme zu verpassen, muss sich nicht ärgern. SAT1 bringt alle drei in der richtigen Reihenfolge noch einmal am Ostermontag. Dann allerdings für Frühaufsteher bereits ab 7.15 Uhr.

Zurück zum Karfreitag. Der Tag ist geschafft. Was bringt uns der Abend? Da würde ich RTLII empfehlen. Um 20.15 Uhr startet der Kracher „American Pie 2“, gefolgt von „American Pie – Jetzt wird geheiratet“ um 22.10 Uhr. Interessant geht es weiter. Direkt danach beginnt um 0.05 „American Pie 2“, gefolgt von „American Pie – Jetzt wird geheiratet“ um 1.55 Uhr. Abwechslungsreicher kann man sich ein Abendprogramm wohl kaum wünschen.

Die Gesamtauswahl ist natürlich noch viel größer. Nur die Filme sind dann noch etwas älter. Kabel eins beginnt sein Okterprogramm am Karfreitag um 6.10 Uhr mit einer „Robin Hood“-Verfilmung von 1958, gefolgt vom „Dschungelbuch“ aus dem Jahre 1942 um 7.45 Uhr. Weiter gehts mit „Jason und die Argonauten“ von 1963. Dann wird´s spannend. Um 11.30 Uhr beginnt „Sindbads siebente Reise“ von 1958, selbstverständlich im Doppelpack mit „Sindbads gefährlichen Abenteuern“ um 13.05 Uhr von 1973 (na immerhin). Nun muss man sich nur noch entscheiden…

Tätowierte Legastheniker und doofe Nutten

Ein leicht verschnupfter aber freier Vormittag verleitete mich einmal wieder zum TV-Zapping. Doch wo ich auch hinzappte, überall sah ich die gleichen Gesichter, die gleichen Figuren. Ein „schlimmer Verdacht“ (RTL) drängte sich auf: Ist inzwischen das Vormittags-Prekariats-TV eine einzige Sendung? Mit unterschiedlichen Kulissen?

Da war zuerst diese eine fette Frau, die mit der anderen dicken Frau die Wohnung und den Mann und die Kinder tauschte.Und beide hatten ein großes Problem. Ein Problem mit der Küche. Denn die eine Fette kannte sich in der Küche nicht aus, weil sie sich und ihrer Familie mit ihrem schmalen Hartz-IV-Etat nur Fastfood leisten konnte. Die andere Dicke konnte auch nicht kochen, weil sie dazu bei sich eine Haushaltshilfe hat. Nun standen beide recht blöd und dicke da.

Nur einen Sender weiter war dann die eine fette Frau in einer ganz anderen Sendung zu sehen. Sie saß vorm TV-Gericht als mutmaßliche Täterin. Der Vorwurf der Staatsanwältin (die ich wiederum in der Tausch-Sendung als irre Tochter der fetten Frau gesehen hatte): Die Dicke habe mit einer Pfanne ihre Schwiegermutter erschlagen wollen, um an das Versicherungsgeld zu kommen, mit dem sie ihre Auswanderung nach Kanada bezahlen habe wollen.  Das aber bestritt die Dicke mit der Begründung, gar nicht zu wissen, was eine Pfanne sei, weil sie doch gar nicht kochen könne (was Insider natürlich schon aus der anderen Sendung wussten). Und außerdem wolle sie nicht nach Kananda, sondern nach Norwegen auswandern. Weil, das sei doch landschaftlich und sprachlich eh das gleiche, aber eben nicht ganz so weit.

Noch einen Sender weiter sah ich dann die bebrillte Richterin, den tätowierten Mann der fetten Frau und auch den Rest der Zeugen aus dem Gerichtssaal von eben wieder. Alle saßen, von Kameras beobachtet, in einem Wohn-Container und schrien sich mehr oder weniger die ganze Zeit an. Dazu gesellten sich noch ein paar asoziale Schläger und ein, zwei Prostituierte. Alle hatten eins gemeinsam: Das Nicht-Beherrschen auch nur einer Sprache. Asoziale, dicke, tätowierte Legastheniker und doofe Nutten beim täglichen Versuch, sich mit den wenigen Worten, die sie beherrschen, gegenseitig zu beleidigen. Da schlägt das Herz eines jeden Hellersdorfer Plattenbau-Prekariaten höher.

Genug davon, dachte ich mir, und schaltete auf den erstbesten GEZ-Bezahl-Kanal. Um was zu sehen? Genau, auch hier die gleichen Fratzen. Die Fette, die Richterin, den Tätowierten, die Staatsanwältin, die Nutte, den Mann der fetten Frau, die Tochter der dicken Frau sowie deren Haushaltshilfe. Nur diesmal nicht beim Partnertausch sondern beim Gänseschmaus. In der Super-Duper-Mega-Koch-Show.

Macbeth, Amok und Russisch-TV

Das russische TV hat gut recherchiert. Immerhin hat der Macbeth-Song über Erfurts Schul-Attentäter Robert Steinhäuser schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Die Russen haben es aber rausbekommen und deshalb unseren Freunden von Macbeth Zuhause in Erfurt einen Besuch abgestattet. Die Aufzeichnung kann man sich hier ansehen.

Ab Minute 3:31 sind die Jungs zu sehen und zu hören. Und hier nun der Text, um den es geht (mit freundlicher Genehmigung von Macbeth):

April

Ein trüber Morgen, kalt und grau
Wolken verstecken des Himmels Blau
Ich weiß heute werde ich sterben
Und mein Name nie vergessen werden
Das graue Haus kommt immer näher
Es schält sich aus dem Morgennebel
In der Luft riecht es nach Regen
Doch heute wird es mehr als diesen geben

Gnadenlos… Atemlos
Mit dem letzten Schrei ist es vorbei

Schwarz gewandet wie der Tod
Mein Weg färbt sich vom Blut ganz rot
Ich habe die Macht Euch zu richten
Nun bin ich wie Gott und kann Euch vernichten
Raum für Raum schieß ich Euch nieder
70 Schuß lang immer wieder
Ich sehe die Angst in Euren Augen
Menschen die mir einst vertrauten

Gnadenlos… Atemlos
Mit dem letzten Schrei ist es vorbei

Es war kein Traum, es war kein Spiel
Euch zu töten war mein Ziel
Ihr fragt Euch nun was war der Grund
Doch fest verschlossen bleibt für immer mein Mund
Nun ist es still, es ist vollbracht
Im Lauf nur noch ein Schuß
Hab mich zu Eurem Richter gemacht
Nun komme ich zum Schluß

Vorbei, es ist vorbei…

Macbeth haben übrigens neuerdings einen  Majorlabel-Plattenvertrag. Es geht also endlich voran. Verdient haben Sie`s schon lange. Und hier noch einmal das Boot, weil´s so schön ist: