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Der Glühlampenwitz & die BVG

bvg_kamera_kudammEinen kennt jeder: Wie viele Menschen verschiedener Herkunft/verschiedener Berufsgruppen braucht man, um eine Glühlampe zu wechseln? Die Antworten reichen von keinen bis unendlich viele. Es gibt den Witz mit Ostfriesen, mit Beamten, Atomkraftgegnern usw usf… Alle mehr oder weniger zu Lachen. Besser aber ist es immer wieder, wenn die Realität den Witz einholt. Denn wenn die beste Satire das wahre Leben ist, kann es mit den Witzen nicht anders sein. So geschehen und gesehen diese Woche im U-Bahnhof Kurfürstendamm auf der Linie 9: Ein BVGer baut die neue Überwachungskamera an, vier halten sich an der Leiter fest bzw. sind wichtig.

New York – Berlin

Und da sind wir wieder hier. Nach drei Wochen Nordosten und Osten USA und ein paar Tagen New York wieder in Berlin. Auch die deutsche Zeit hat mich nun nach zehn Tagen wieder zurückgeholt. Nach einer Woche Schläfrigkeit am Mittag und Schlaflosigkeit in der Nacht gehts nun wieder. Und ich bin froh über das schöne Herbstwetter, so kann ich auch noch weiter mit dem Rad zur Arbeit fahren. Denn die Berliner U-Bahn muss man nicht haben. Jedenfalls nicht das Mitfahren auf der U 9. Kaum hier angekommen, musste ich die Bahn zwischen Osloer Straße und Bahnhof Zoo nehmen.

Und, was soll ich sagen: So oft wie ich auf dieser kurzen Strecke angerempelt, doof angemacht und blöd angeguckt worden bin, ist es mir in New York nicht ein einziges Mal passiert. Obwohl wir dort viel und zu jeder Tages- und Nachtzeit gefahren sind. Ob nach Brooklyn oder in die Bronx oder nach Harlem. Überall waren die Leute, um es mal so auszudrücken,  nett zueinander. Und zu uns. Und überhaupt viel lockerer und cooler drauf als der Pöbel hier in der Bahn.

Mann oh Mann. Davon ist Berlin weiter entfernt als vom Mond. Aber ich fahr ja sowieso mit dem Rad und mit neuen Jacken, Handschuhen und ner Mütze, die unter den Radhelm passt, werd ich so auch den Winter überstehen bzw. überradeln. Außerdem kann man da momentan sooo schön Festival of Lights kieken. Das ging in New York wiederum nicht.

berlin underground I


In zwei Jahren feiert er sein 100-Jähriges, der U-Bahnhof Märkisches Museum. 1913 als Bahnhof „Inselbrücke“ eröffnet, seit 1935 nach dem Museum nebenan benannt. Er ist einer von 29 Bahnhöfen der Linie U2 zwischen Pankow und Ruhleben und der erste Teil der neuen bpb-foto-reihe berlin underground.

UnSinnlos I (Bus endet hier)

Es ist, zumindest für mich, immer wieder schön und lesenswert, wenn die deutsche Sprache nicht weiß, was sie sagen soll.  Wenn sie unfähig ist, sich auszudrücken, Purzelbäume schlägt und sich um die wahre Information windet. Zum Beispiel Bus endet hier. Hier? Bisher war ich davon ausgegangen, dass an dieser Stelle, also vorn, der Bus beginnt. Oder anfängt.

Falsch. Bus endet hier. Steht ja groß dran. Oder meinte der Schöpfer dieser prägnanten Kurz-Information eventuell, dass die Fahrt des Busses hier endet? Aber wenn dies so gemeint sein sollte, warum steht dann nicht Fahrt endet hier dran? Und, was ist eigentlich Hier? Beziehungsweise Wo ist Hier? Ist Hier hier, wo das Fahrzeug jetzt steht? Oder ist Hier dort drüben, wo die letzten Fahrgäste den Bus verlassen haben? Oder ist Hier eventuell da, wo der Bus wieder losfährt? An der Endhaltestelle? Die ja eigentlich Beginnhaltestelle heißen müsste? Weil die Fahrt ja dort beginnt.

Oder aber der Bus. Bus beginnt hier. Hab ich allerdings noch nicht gelesen. Aber wer weiß, was die Berliner Verkehrsbetriebe noch alles so drauf haben? Mit dem Enden haben sie´s jedenfalls. Auch in den U-Bahnzügen. Die enden auch in den jeweiligen Endbahnhöfen. This train terminates here. Heißt es für unsere Gäste aus dem Ausland. Obwohl auch in den U-Bahnhöfen lediglich die Fahrt des Zuges und nicht er selbst endet. Oder eben anfängt. Je nachdem,von welcher Bahnhofsseite man die Treppe heruntergekommen ist. Links endet der Zug vorn, rechts beginnt er hinten. Bus endet hier. Teil eins der neuen bpb-Reihe UnSinnlos.

Ode an Ibrahim und Jaques

Liebe S- und U-Bahn-Möchtegern-Musikanten-Bettler. Ich wende mich heute in einem offenen Brief an Euch, weil Eure Anwesenheit nicht nur eine Zumutung, sondern vor allem auch eine Qual und außerdem Nötigung im besonders schweren Falle ist.  Straßenmusik ist an sich eine schöne Sache. Menschen, die Musik auf der Straße machen, verdienen meine Respekt. Denn es gehört eine Portion Selbstvertrauen dazu, sich einfach so auf dei Straße zu stellen und Musik zu machen. Und noch etwas gehört dazu: Die Fähigkeit, Musik zu machen. Also die Fähigkeit, ein Instrument so zu bedienen, dass harmonische Klänge herauskommen. Musik eben.

Und genau das könnt Ihr nicht. Einfaches, wahlloses Herumdrücken auf den Tasten des Akkordeons hat mit Musik rein gar nichts zu tun. Lieber Ibrahim, oder wie auch immer Du heißen magst, Du musst Dich nicht wundern, wenn in Deinem Bettel-Kaffeebecher nur Centstücke landen oder Du sogar mit einem leeren Bettelbecher die Bahn verlassen musst. Denn was Du mit dem Akkordeon anstellst, ist nicht nur für das Instrument eine Qual. Vor allem uns Fahrgästen gehst Du auf die Nerven und auf die Ohren. Vielleicht kannst Du selbst ja nichts dafür, weil Du von Deinem Bettel-Clan losgeschickt worden bist, um das tägliche Salär zu erbetteln. Aber selbst dann solltest auch Du ein wenig Respekt vor der Musik haben, vor den Menschen, die tatsächlich Musik machen können. Und vor den Menschen, die gerne zuhören. Dir möchten wir nicht zuhören. Und noch ein kleiner Tipp: Ich bin überzeugt, dass Deine Einnahmen viel höher wären, wenn Du einfach nur mit dem Bettelbecher durch die Bahn laufen würdest. Ohne Akkordeon.

Und, lieber Jaques, oder wie auch immer Du heißen magst, auch an Dich habe ich eine Bitte. Du kannst, das muss ich zugeben, ein wenig Gitarre spielen und auch ein bisschen singen. Nun fährst Du seit etwa einem Jahr jeden Morgen mit der S-Bahn. Und singst jeden Morgen dieses eine Lied: Besame mucho. Auch das ist eine Zumutung. Sicher nicht für Touristen, die Dich einmal hören. Aber für Berlins arbeitende Bevölkerung, die Dich 200 Mal oder mehr im Jahr ertragen muss. Bitte lerne doch noch ein anderes Lied. Oder auch zwei. So bekommst auch Du vielleicht mal wieder ein en Euro in Dein Sammelsäckel.  Oder Du verlegst Deine Bettelstunden etwas weiter in den Tag hinein. Denn der Anteil spendabler Touristen hält sich morgens um halb acht ziemlich in Grenzen.

Und eine weitere Bitte an all die marodierenden Bettel-Bands, die Berlin mit ihren klanglosen Süd(osteuropa)staaten-Melodien verseuchen: Lasst es bleiben, drückt die Knöpfe auf dem Akkordeon und auf der Klarinette dort, wo der Pfeffer wächst. Oder wenigstens auf der Straße. Denn ein Vorteil hat jede Art von Straßenmusik. Man kann auch weitergehen. In der Bahn können wir das nicht. Oder aber Ihr geht zur Musikschule. Ansonsten droht Euch irgendwann einnmal der Zorn Apollons.

U2-Cocktail

Pub Crawls sind out. Ist ja auch nervig, immer dem Reiseleiter folgen zu müssen, von Pub zu Pub. Und überall auch noch auf die jeweiligen Getränke angewiesen zu sein. Das machen britische Jugendliche nun nicht mehr mit. Der neue Berliner Trend für die Gäste aus dem Empire heißt „U-Bahn Surf & Sauf“. Freitagabend, kurz vor acht, U2 Richtung Pankow. Am Potsdamer Platz steigt eine Gruppe schöner junger Menschen ein. Fünf junge Damen Anfang 20, ein Typ im gleichen Alter. Alle haben zwei Sachen gemeinsam: Sie sprechen alle englisch und haben alle ein geöffnetes Warsteiner in der Hand. Man plaudert fröhlich drauflos und währenddessen werden die Bierpullen geleert. Mit einer Geschwindigkeit, die selbst alteingesessene Biertrinker vom Hocker hauen würde.

Doch Bier allein macht ja nicht glücklich. Also wird, ab Station Hausvogteiplatz, eine Flasche Wodka nebst O-Saft zu  Nachspülen durchgereicht. Jeder nimmt jeweils einen Schluck aus der einen  und dann einen Schluck aus der anderen Pulle. Nachgespült wird mit Bier und am Alex machen nun drei derUK-Ladies, zwei von ihnen übrigens im Minikleid (bei drei Gard unter Null), auch noch jeweils ne Piccolo Sekt auf.  Nun ist der U-Bahn-Cocktail perfekt. Bier-Wodka-O-Saft-Sekt. Und wieder kreist die Wodka-Pulle und am Senefelderplatz ist diese dann auch leer. Wie auch die jeweils zweite Flasche Bier, die Piccolöchen sowieso. Schönhauser Allee ist für die Briten Endstation, sie steigen aus. Draußen auf dem Bahnsteig öffnen dann alle erst einmal ne Flasche Bier. Ist ja auch anstrengend, so ne U-Bahn-Fahrt.

Ein Berliner Morgen zwischen Tram und U-Bahn

Ein ganz normaler Donnerstagmorgen in Berlin. Die Tram der Linie 50 kommt mal wieder zu spät. Nichts Neues. In der Bahn riecht es aber diesmal verdammt streng. Das kommt eher selten vor. An einem Donnerstagmorgen zumindest. Ich will gar nicht hinsehen, entdecke dann aber doch den Grund. Ein Haufen Erbrochenes zwischen den hinteren Sitzenreihen, halb getrocknet schon. Was den Aggretatzustand noch nicht geändert hat, wabert sich langsam Richtung Fahrerkabine. Schafft es aber nicht bis zur Osloer Straße. Welch glücklicher Morgen.

Im Eingang zur U-Bahn dann stürzt ein etwa 13-jähriges Mädchen die Treppe hinunter. Vorher rempelt sie mich aber noch an. Nur das Treppengeländer verhindert meinen eigenen Sturz. Die junge Dame hat viel zu hohe Stöckelschuhe an, telefoniert und bedient gleichzeitig mit der anderen Hand ihr iPod. Die Treppe ist Nebensache. Sie überlebt es, auch Handy und Player scheinen nichts abbekommen zu haben. Und zum Glück stürzte sie nicht in das Erbrochene am Ende der Treppe (getrocknet, also ohne Geruch).

Im Bahnhofsuntergeschoss neben dem asiatischen Schnellnudelladen stehen wie immer die Penner bei Bier und Getränken aus anderen Flaschen. Sie unterhalten sich, rauchen (Scheiß auf das Verbot), lachen laut. Es scheint, als ginge es ihnen gut. Nun, sie müssen wohl nicht zur Arbeit. Ihre zwei Hunde (jeweils mit roten Halstüchern geschmückt) laufen aufgeregt durch den U-Bahnhof und beschnüffeln jeden und alles. Und pinkeln, neben den Papierkörben, auch einen Bettler an. Der bekommt es jedoch nicht mit. Weil er schläft. Oder besoffen ist. Oder beides.

Beim Bäcker direkt daneben stehen die Leute trotzdem an (obwohl es gar nicht gur riecht, an diesem Morgen hier). Die Schrippen sind preiswert und gut und besonders die Schnitten gehen weg wie warme Semmeln. Im Gegensatz zu Hunderten anderen Bäckern in Berlin werden hier, statt Baguettes und Schrippen, hauptsächlich Schnitten geschmiert. Hamburger Schnitte mit Käse und Ei oder Salami oder besonders beliebt auch die Schnitte mit Zwiebelmett. Und wenn man etwas flacher atmet und sich von Hunden, Papierkörben und schlafenden Pennern fernhält, schmeckt sogar der Kaffee hier.

Unten auf dem Bahnsteig der Linie 9 sind wie immer alle Sitzbänke belegt. Mit Liegenden. Denen es oben zu kalt ist, die schlafen hier unten. Ihren Rausch aus. Oder einfach nur so. Weil es sich im Liegen besser Bier trinklen lässt. Einer blickt kurz hoch, spuckt auf den Boden, dreht sich rum und schläft weiter. Daneben ein paar Jugendliche mit Migrationshintergrund. Sehen nicht so aus, als ob sie zur Schule wollten. Rauchen, reden lauthals outlandisch und treten sich gegenseitig. Zwischen die Beine und anderswo hin. Bei jedem Treffer sagen sie „wwwusch“.

Dann kommt auch schon die U9. Endlich kann ich mich in den Waggon flüchten. Und was muss ich sehen? Alle Sitze sauber, kein Erbrochenes, keine leeren Bierpullen, die durch den Wagen kullern. Irgenddwas stimmt hier nicht. An diesem Donnerstagmorgen in Berlin.

Smartes Phonen in der U-Bahn

Ja, ich muss es zugeben. Ich bin abhängig. In nur kürzester Zeit bin ich ein Sklave der mordernen Informationsgesellschaft geworden. Ohne geht gar nicht mehr, obwohl es ja davor lange Jahre funktioniert hat. Aber nun ist das, gerade neu angeschaffte Smartphone, ein Teil meiner selbst. Es lebt mit mir und ich mit ihm. Schon morgens in der U-Bahn lese ich die neusten internationalen Schlagzeilen, aktuelle Tweets und Posts auf diversen Blogs. Obwohl ich die gleichen Informationen kurze Zeit später auf dem Computer erhalten könnte.

Ich sehe jeden Morgen nach, wie das Wetter auf La Palma ist, obwohl es noch sechs Wochen bis zum Urlaub dort sind. Ich checke meine E-Mails, die das Smartphone von allen Fächern sammelt und nach Eingang geordnet anzeigt, obwohl ich das gerade erst zuhause am Rechner gemacht habe. Ich schau in den Smart-Kalender, ob er über Outlook- und andere Verbindungen neue Termine für mich gefunden hat. Obwohl dies ziemlich unmöglich ist. Ach ja, und wie ist das Wetter gerade an der Ostsee? Oder in New York? Ein Wisch mit dem Finger über den Bildschirm und schon bin ich auf dem neusten Stand.

Natürlich will ich auch wissen, welche Kneipen, Restaurants, Tankstellen oder Museen sich gerade in meiner Nähe befinden. Man weiß ja nie, könnte ja sein. Also kurz auf Places getippt und schon werden alle Ziele in der Umgebung angzeigt. Idealerweise gleich mit Bewertungen der Kunden oder Gäste. So, so, das Restaurant dort an der Ecke, wo ich schon immer mal hin wollte, wird also gar nicht empfohlen. Schade eigentlich, es wäre so schön nah zur Wohnung. Aber wenn die dort nicht kochen können…

Ein kurzes Signal und ein Blinken in der Infoleiste zeigt mir einen neuen E-Maileingang an. Also nix wie nachgeschaut und, dank vollwertiger, ausfahrbarer QWERTZ-Tastatur (die passender QWERTZUIOPÜASDFGHJKLÖÄYXCVBNM-Tastatur heißen müsste, denn sie hört ja beim Z nicht auf) natürlich gleich geantwortet und zusätzlich noch ein paar Grüße in die Runde geschickt.  Morgens aus der U-Bahn, zwischen Osloer Straße und Kurfürstendamm. Und dann, ich bin kaum aus der U-Bahn raus, passiert etwas Merkwürdiges: Das Handy spielt plötzlich, ohne mein Zutun, den Soundtrack der Serie „Futurama“. Was soll das denn? Wieso macht es das? Und dann fällt es mir ein: Die Musik habe ich als Klingelton installiert. Da ruft also wirklich jemand an. Ja, telefonieren kann man nämlich mit dem HTC Desire Z auch.

Nicht mehr der Zukunft zugewandt

Sie ließen sich nicht einfach abwickeln wie die DDR. Man konnte sie nicht einfach abreißen wie den Palast der Republik in ihrem Rücken. Stolz und schön standen die beiden zu Bronze erstarrten Ikonen der Kommunisten auf ihrem Platz zwischen Fernseturm, Rathaus und Spree. Marx und Engels hielten, was andere versprachen: Ein Reiseziel mit Klasse, wenn es auch nur die Arbeiterklasse war. Doch kaum ein anderes Denkmal wird mehr besucht, mehr fotografiert als die beiden übergroßen Überväter des bei ihrer Einweihung schon recht schwankenden Sozialismus. 1986, als schon große Teile der volkseigenen Industrie im Konsumgüterproduktionsrausch untergangen waren, erblickten sie das Licht Ost-Berlins. Natürlich immer der Zukunft zugewandt, in Richtung aufgehender Sonne. Nun geht es andersrum. Weil unter ihnen die Tunnel für die neue U-Bahnlinie 5 gebaut werden, müssen Karl und Friedrich umziehen. Ein paar Meter weiter, hin zur Spree in Richtung Karl-Liebknecht-Brücke. Was die beiden nicht weiter stören würde. Wäre da nicht die neue Blickrichtung. Gen Westen.

A ganz a Paddende

„Naus, mir missen naus“, ruft der Herr mit dem Zweireiher unter dem Kashmir-Mantel. Er zeigt mit dem Arm nach draußen auf den Bahnsteig des U-Bahnhofes Kurfürstendamm. „Dis kann nich sinn“, sagt daraufhin seine etwas übergewichtige in Pelz gewickelte Begleiterin. „Nu babbel nisch, lass dei Gschwätz un kumm“, verleiht er seinem Aussteige-Willen Nachdruck. Doch die Dame zieht ihn unsacht auf den Sitz zurück und sagt: „Kudamm, Franzl, Kudamm missen mir naus! Und, was steht dort? KURFÜRSTENDAMM. K.U.R.F.Ü.R.S.T. – wie Kurfürst und nicht wie Kuh!“ Franzl hat keine Chance, er wird kurzerhand auf den Sitz zurückgerissen und muss sich wieder setzen. „Dis is doch Boggmischd“, sagt er noch, als sich die Bahn in Richtung Osloer Straße in Bewegung setzt. Ein Berliner, der gegenüber sitzt, weist die Dame auf ihren Fehler hin. „Kudamm und Kurfürstendamm, das ist dasselbe. Sie hätten hier austeigen müssen.  „Disch koi nisch sei“, antwortet Franzl nach einer Pause. Und, mit einem Seitenblick auf seine Begleiterin: „Denn mei Frau, disch isch a ganz a Paddende.“

Klaus Wowereit auf dem Weg ins Kanzleramt oder warum gerade ich den ersten Fahrschein vom U-Bahnhof Brandenburger Tor besitze

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Es stand nicht im Protokoll. Aber Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ließ es sich heute nicht nehmen, bei der ersten Fahrt der neuesten, kürzesten und teuersten U-Bahn der Welt dabei zu sein – der U55. Offiziell gehts erst am Samstag los, die deutsche und internationale Journaille durfte vorab schon mal ne Runde in der Pendelbahn fahren.

Ganze 1800 Meter ist die „Kanzler-U-Bahn“ lang, 320 Millionen Euro hat sie gekostet. Das sind immerhin satte 178.000 Euro pro Gleismeter. Gerade mal drei Stationen hat sie – Brandenburger Tor, Bundestag und Hauptbahnhof. Dazwischen fährt sie nun bis 2017 immer hin und her, bis die Linie einmal ans U-5-Netz angeschlossen ist und wir vom Hauptbahnhof über den Alex bis nach Hönow fahren können. Aber das dauert noch etwas.

Heute jedenfalls war Medien-Fahrt und alle waren gekommen. Scheinbar alle Zeitungen des Landes, alle Schülerzeitungen dazu, die BVG- und Bahnspotterblätter sowieso. Und alle stürzten sich auf Wowereit, als wenn es keine Fotos von ihm geben würde. Aber gut, er war ja auf dem Weg ins Kanzleramt. Wenn auch nur mit der U-Bahn, immerhin.

Und während sich die Meute auf ihn und in die U-Bahn stürzte, habe ich den ersten BVG-Fahrschein am Brandenburger Tor abgestempelt. So war ich nicht nur der einzige mit gültigem Fahrschein, sondern besitze nun auch das erste BVG-Ticket vom U-Bahnhof Brandenburger Tor.

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S-Bahn in 322 Minuten

Die Berliner haben sich inzwischen mit dem Chaos bei der S-Bahn abgefunden. Man kommt eben auch mit der U-Bahn, dem Buss oder mit der Straßenbahn zum Ziel. Manch einer hat auch seinen Drahtesel entstaubt und dabei entdeckt, dass er mit dem Fahrrad genauso schnell auf Arbeit ist wie sonst mit der Bahn. Und weil Ferien sind, macht auch der Mehr-Verkehr auf den Straßen nicht soviel aus, wie außerhalb der Urlaubszeit. Verwirrung gibt es dennoch immer wieder mal. So gibt es auf der Strecke zwischen Bahnhof Zoologischer Garten und Ostbahnhof momentan keinen S-Bahnverkehr. Und doch taucht ab und an eine Doppelstock-Regionalbahn mit dem Schriftzug „S-Bahn“ auf. Wenn da nicht immer diese rätselhaften Anzeigen wären. Manchmal zeigt die Leuchtschrift „Kein S-Bahnverkehr“, dann wieder mal „S-Bahn Ostbahnhof“ oder auch „S-Bahn zum Olympiastadion – fährt in 322 Minuten“. Die Berliner lächeln wissend, Touristen fragen dann schon mal genervt, was hier eigentlich los ist. Eine junge Frau aus Oregon bekam vorige Woche denn auch folgende perfekte Antwort: You must fahr mit se U-Bahn. 

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Zwischen Osloer Straße und Leopoldplatz

U-Bahn Berlin, Linie 9, Osloer Straße. Es steigt ein: Er. Anfang, Mitte zwanzig. Er hat eine weiße Nike-Frottee-Jogging-Schlaghose an. Darunter schwarze Nike-Turnschuhe. Obenrum ein T-Shirt. Aufschrift: Ich bin ASSI – Absolut Schön, Sexy, Intelligent. Ah, ja. Genauso sieht Er aus.

Darüber eine silber schimmernde Kette. Das T-Shirt steckt in der Hose, welche von einem Schnürband gehalten wird. Über dem tollen Shirt trägt Er eine Kapuzenjacke mit Reißverschluss. Die Ärmel bis zum Ellenbogen aufgekrempelt. Links auf der Jacke steht CO drauf, rechts OL. Alles klar.

Aus der linken Hosentasche hängt ein Kabel heraus, scheinbar zu einem Handy-Kopfhörer gehörend. Das dazugehörige Handy hält er in der Hand. Es ist schwarz-rot. Das Kabel führt unter der Jacke bis zu den Ohren, ist dort auf beiden Seiten eingestöpselt.

Er ist etwa 1,60 m groß, wiegt maximal 50 Kilo. Er hat den Krach, den Er da hört, laut eingestellt. Die ganze U-Bahn kann hören, dass es sich nur im entferntesten Sinne um Musik handelt. Aber wenigstens der Takt stimmt. Er versucht, mit Kopfnicken im selbigen zu bleiben. Was ihm aber misslingt. Zum Glück klingelt sein Handy. Er muss also seinen Krach abstellen. Doch wir, die anderen Fahrgäste, haben uns zu früh gefreut. Denn jetzt fängt Er an zu telefonieren.

Ja? Was? Wass? Wass? Wasss? Ey, vaasch misch nüsch. Isch warne! Isch warne! Vaasch misch nüsch!!! Was? Wass? Wasss? Ich hau Fresse dir krass, wenn du weiter vaascht misch.  Fresse jetze, Fressse! Du sollst nüsch vaaschen misch! Hald die… Hald die… Hald die… Du blöde Fickenfressse Du!

Dann ist auf einmal Stille. Am anderen Ende hat wohl jemand aufgelegt. Zu seinem Entsetzen. Sein Blick verrät, das passt ihm jetzt gar nicht. Er tippt wie wild auf der Tastatur herum, hält das Telefon ans Ohr.  Fakking ey, besedsd. Blöde Fickenkuh, Du vaascht misch nüscht mehr. Uns auch nicht mehr. Leopoldplatz, Er steigt aus.

Farbenspiele

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Solch Farbenspiele wird es wohl am Alexanderplatz die nächsten Tage nicht geben. Das kann lediglich der Photoshop. Dafür aber wird es genau so leer werden. Denn bei den Berliner Verkehrsbetrieben wird zehn Tage lang gestreikt. Die U-Bahnhöfe bleiben also geschlossen. Und so wird auch über diese Treppenstufen am Alex tagelang niemand gehen. Schade eigentlich. Ist doch immer wieder ein schöner Anblick, wenn man dort aus den U2-Katakomben ans Tageslicht steigt. Für mich zumindest.