Geld sparen mit ver.di

Wieder einmal flatterte heute Post meiner geliebten Gewerkschaft ins Haus. Nicht, dass ich etwas dagegen hätte. War ich doch schließlich auch mal für ein paar Monate ver.di-Mitglied. Als ich noch freischaffend war. Doch das ist lange her. Interessiert ver.di aber nicht. Immer noch versuchen sie, den Quartals-Beitrag von meinem Konto zu buchen. Was ich alle drei Monate stornieren lasse. Immer wieder mit einer E-Mail an meine ehemalig Zuständigen: Hallo Erde, äh ver.di. Ich bin kein Mitglied mehr, bitte buchen Sie keine Beiträge von meinem Konto mehr ab.

Nun, wenn sie schon nicht an mein Geld über meine Bank kommen, haben sich die Damen und Herren der Dienstleistungsgewerkschaft (schöner Name in diesem Zusammenhang) etwas ganz tolles einfallen lassen. Sie schickten mir heute ein Angebot, dass ich nicht ablehnen sollte. Zitat: „Lieber Kollege Krüger, schön, wenn man einen starken Partner hat. Deshalb wird die umfangreiche Zusammenarbeit von ver.di und der SEB Bank fortgesetzt. Allen ver.di-Mitgliedern und deren Angehörigen bietet die SEB Bank interessante Vorteilsregelungen an…“

Inklusive 60 Euro Startguthaben (oder 100 Euro Geschenkgutschein) könne ich nun zu meinem Glück finden, wenn ich denn ein Konto bei der SEB Bank eröffnen würde. Natürlich mit Vorteilen ohne Ende. Maestro-Card für jeden Konto-Inhaber, VISA VarioCard mit flexibler Rückzahlungsmöglichkeit. Klingt gut. Sollte ver.di mal wieder Beiträge abbuchen wollen, oder sollte ich arbeitslos werden, könnte ich dann alles mit meiner ver.di-SEB-Card zahlen. Auf Wunsch gäbe es sogar einen individuellen Dispo-Sofort-Kredit, allerdings mit Winzig-Sternchen oben rechts. Winzig-Sternchen wird winzig unten links  erklärt: Bonität vorausgesetzt.

Nun, das klingt doch alles ganz gut. Besonders, wenn ich da so an die ganzen ver.di-Mitglieder denke, die derzeit entweder auf Kurzarbeit oder kurz vor Hartz IV sind. Die freuen sich sicher genau wie ich über Sofortkredite und eine kostenlose VisaCard, auf Wunsch „mit Ihrem ganz persönlichen Motiv erhältlich“. Vielleicht mit einem Foto des Arbeitgebers, der gerade sparen muss und deshlab zu wenig zahlt? Oder mit einem Portrait von Bsirske in der Südsee? Oder aber mit einem schönen Landschaftsfoto aus Spanien. Denn da ist ja wohl ein SEB-Kunde demnächst zuhause.

Ein Angebot, das sich lohnt, heißt es weiter im netten Anschreiben. Denn „Du sparst allein schon an jährlichen Gebühren mindestens 80 Euro gegenüber den Normalkonditionen der SEB Bank.“ 80 Euro sparen? Klar doch, her damit. Schade nur, dass ich kein ver.di-Mitglied mehr bin. Trotzdem noch eine letzte Bitte: Bucht bitte in Zukunft den Beitrag für meine ver.di-Nichtmitgliedschaft irgendwo bei der SEB Bank ab. Konten gibt es da sicher genug. Auch von ver.di.

Viel Streik um nichts (außer Tariferhöhungen)

So, so. Die Parteien im Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben haben sich also geeinigt. Nach wochenlangen Streiks in den Werkstätten, bei den Bussen oder gar beim Komplett-Ausfall aller Bahnen und Busse. Zwölf Prozent, schrie Ver.di. Darunter geht nichts. Höchstens der Streik. Viel zu viel, antwortete Finanzsenator Sarrazin. Jedes Mal. Und Ver.di blieb stur. So wie sich das für eine Gewerkschaft gehört.

Und jetzt? Jetzt haben sie sich geeinigt. Auf 4,6 Prozent Lohnerhöhung. Das ist nicht einmal die Hälfte der eigentlichen Forderung. Von zwölf Prozent ist keine Rede mehr . Ist Ver.di zusammengebrochen? Eingeknickt? Oder gab es einen Deal? So ein Deal im Hinterzimmer, zwischen BVG und Ver.di?

Jubeln tut jedenfalls keiner. Die BVG nicht, weil 4,6 Prozent auch ein paar Millionen Mehrausgaben bedeuten. Verdi nicht, weil das Ziel komplett verfehlt wurde. Die BVG-Mitarbeiter nicht, weil sie längts nicht den Lohn bekommen, den sie einst gefordert haben.

Und erst recht nicht die Fahrgäste. Die mussten in den letzten Wochen auf den öffentlichen Nahverkehr verzichten und dürfen dafür ab demnächst wieder höhere Tarife zahlen. Das nenn ich Betrug. Oder Beschiss. Oder beides.