Schlagwort-Archive: Verlag

DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN

Die, die die Welt verändern, sind keinesfalls die Langweiler. Es sind die Vordenker, die anderen, die Kurzweiler. Die unfreiwilligen Helden, deren Scheitern in der Luft liegt und das sie trotz dessen zu jenen macht, die sie sind: mutiger als andere, ein bisschen besser – ja auch, schlauer – nicht unbedingt. Und über jene schreibt Marion Alexa Müller in dem Buch DIE UNTERSCHÄTZTE KUNST DES SCHEITERNS UND WEITERE MYSTERIEN IM LEBEN VON MENSCHEN UND ANDEREN KLEINTIEREN. Ein Buch zum Staunen über sich und andere und zum Stolpern über die oft unterschätzte Banalität unseres Lebens. Auch über allzu oft überraschende und zu früh endende Leben. Denn so mancher Held bezahlt einen hohen Preis für sein Tun. Aber besser eben so, als gar kein Preis fürs nichts tun. So scheint es jedenfalls all den große und kleinen Lebewesen angetan zu sein.

Bei den Kurzgeschichten staunen Frau und Mann über so manche Wandlung und Überraschung mittendrin. Oft glaubt man, seinen Nachbarn, den Freund oder den Verwandten zu erkennen. Plötzlich wird aus jenen jedoch ein Bulle, ein Hamster, ein Vogel. All jene haben ihre Probleme mit der Welt, vor allem aber mit dem alltäglichen Normal- und Wahnsinn, weswegen sie sich absondern und den Langweilern den Rücken kehren. Sie preschen vor, sie machen es anders, sie denken größer. Ein Hamster Konrad kennt sich mit der Quantenphysik aus, die Erdkröte Artus greift zu Grube und Schild, um den Dachs zu verjagen, ein Schwan namens Hans-Friedrich ist unter den Enten die hässliche Ausnahme. Und wenn dann Bulle Bernd so seine Probleme mit den Fliegen auf der Weide hat, weil „man ein sehr entspanntes Verhältnis zu seinem Schließmuskel hat“ dann klappt man auch schon mal das Buch zu, um seine Lachmuskeln wieder zu entspannen. Nur aber, um es sogleich wieder aufzuschlagen. Denn es warten noch mehr TierMenschGeschichten, die alle so anders sind, dass man mit dem Lesen und Lachen erst am Ende aufhören kann. Und auch Weinen ist erlaubt, denn, und das ist ja hinlänglich bekannt, wer anders ist als all die anderen, ist eben oft zum Scheitern verurteilt. Aber das macht dieses Kleinod um so interessanter und lesenswerter. Am Ende der Geschichten warten kleine wissenschaftliche Aufklärungen über das Vorangegangene oder anderes. Interessant! 100prozentige Weiterempfehlung und zudem das einzige (mir) bekannte Buch mit Daumenkino!

MARION ALEXA MÜLLER: „Die unterschätzte Kunst des Scheiterns und weitere Mysterien im Leben von Menschen und anderen Kleintieren“, Softcover, 170 S., 19 x 13,5 cm, ISBN: 978-3-95996-070-0, Periplaneta, Edition Drachenfliege, 12,50 € (D) http://www.periplaneta.com/

Advertisements

GENQUOTIENT 8713

Liebe bpb-Leser, es gibt Neuigkeiten zu meinem Buch: Der Titelschutz ist durch, ich kann den Titel also schon einmal verraten: „Genquotient 8713“ (sprich: siebenundachtzig dreizehn).  Dahinter verbirgt sich ein Code, der die Identität schützen soll. Aber auch der ist in der heutigen Zeit nicht mehr sicher… Zudem gibt es „hot codes“ und „cold codes“. Dazu später jedoch mehr…

Auch das Cover ist noch weiß bzw. grau. Aber auch da wird fleißig dran gearbeitet. Außerdem kamen einige Anfragen: Was machst Du jetzt eigentlich? Wo doch dein Manuskript beim Verlag liegt und der sich um alles Weitere kümmert? Immerhin sind es ja noch fünf Monate bis zum Erscheinendes Buches. Nun, die Frage kann ich relativ schnell und leicht beantworten: Ich schreibe an Teil zwei. Das Gerüst des zweiten Buches steht schon lange, auch habe ich das Ende schon vor einiger Zeit geschrieben (wie ich auch beim ersten Buch zuerst das Ende geschrieben hatte). Nun sollte ich eigentlich vorn beginnen und mich zum Ende hinschreiben. Das funktioniert bei mir allerdings, wie auch schon beim ersten Teil, nicht so richtig.

An manchen Tagen habe ich eine Idee, wie die eine oder andere Szene ablaufen könnte, die sich aber nun einmal nicht am Anfang des Buches, sondern eher in der hinteren Mitte abspielt. Also schreibe ich das auf und füge es dann später, wenn ich jene Stelle erreicht habe, dort ein. Natürlich wird die Szene dann nicht mehr komplett passen, weil sich die Story anders entwickelt hat, als es ursprünglich geplant war. Aber so ist das, wenn ich schreibe. Andere mögen es anders machen. Ich bleibe bei meiner Art. So komme ich auch recht gut voran, am Jahresende werde ich mit der ersten Fassung fertig sein. Dann aber gibt es zunächst einmal Wichtigeres: Lesungen, Lesungen, Lesungen. Mehr dazu demnächst an dieser Stelle.

Hupe, Schlau Schlau & die Anderen

Der Florakiez ist gleich um die Ecke bei uns. Zu Fuß etwa 20 Minuten. Und doch kenne ich ihn kaum. Weil das eben so ist, wenn man in einem Berliner Kiez lebt. Wir waren schon mehrfach beim Italiener dort, auch einmal Kaffee trinken. Ansonsten bin ich selten dort, ja, ich meide sogar diesen Teil Pankows. Das hat mehrere Gründe. Hauptsächlich aber wohl liegt es an den aufgesetzten Straßencafés dort. Die wollen alle so cool und hip sein (es gibt Cafés nur für Mütter und Kinder dort. Seitdem überlege ich ständig, ob ich nicht ein Väter-Söhne-Café aufmachen sollte). Eins haben jedenfalls alle Cafés dort gemeinsam: Ordentlichen und guten Kaffee können sie nicht zubereiten. Einige verwechseln sogar die Bezeichnungen. Man bekommt einen Milchkaffee als Latte Macchiato oder der bestellte doppelte Espresso Macchiato entpuppt sich als kleiner Kaffee mit Milch. Und überhaupt – irgendwie hat sich die Florastraße und Umgebung zum kleinen Prenzlauer Berg Alt-Pankows entwickelt.

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben. Eine Buchvorstellung hat uns mal wieder dorthin verschlagen. Im Jugendzentrum Pankow, kurz JUP, las neulich  Johannes Krätschell aus seinem Buch „Herr Schlau Schlau wird erwachsen“ (Buch & MP3-CD, Hardcover, 178 S./104 min. 20,6×13,5 cm, ISBN: 978-3-95996-030-4, Edition Periplaneta). Er las das dort, weil in den Räumlichkeiten sich einst das „Stilbruch“ befand, des Autors früheres Schülercafé und somit auch Teil-Schauplatz seines Erstlingswerkes.  Lesenswerte und kurzweilig aufgeschriebene Kurzgeschichten, die zusammen eine kleine Geschichte ergeben. Herr Schlau Schlau fliegt mit 35 Jahren bei seinen Eltern raus und erbt eine 4000-Bücher-Bibliothek. Klassischer beginn einer langen Solo-Single-Karriere, könnte man meinen.

Nicht so bei Krätschell. Sein Protagonist trifft nicht nur auf den herzensguten (und bald besten Freund) Hupe. Nein, er trifft sogar Franziska, die bald schon seine Freundin werden soll (die Leute, die ich kenne, die mit 35 noch bei Mutti wohnten, haben heute noch keine Freundin). Und dann ist da noch Enrico – Hupes Sohn, der Holger aus dem Paket-Zeitungs-Shop, Herr Sobkowski und dessen Shop sowie weitere Freunde der Protagonisten. Sie alle vereint der Kiez und das Leben im Jetzt. Das Wohnen im Kiez ist nicht mehr billig und die Gäste in Geschäften und Kneipen ändern sich und somit ändert sich auch das Kiezgesicht.

Es sind Geschichten zwischen Herbst und Sommer, zwischen Bürgerpark und Florastraße, zwischen Lachen und Weinen. Zusammen eine wunderbare Erzählung von Freundschaft und den Kräften, die nur Freunde bei einem selbst und bei anderen freisetzen können. Prädikat: unbedingt lesenswert.

Unbedingt hörenswert sind übrigens die Lieder von Bastian Mayerhofer, der an jenem Abend im JUP die Geschichten von Krätschell perfekt ergänzte.  Die Lieder Mayerhofers zu beschreiben würde jeden Blogpost sprengen. Seht selbst:

Wie damals bei der Treuhand

Bildschirmfoto 2013-07-03 um 11.18.57

Wissen Sie was? Ich will nicht mehr. Sagte der Mann neben mir auf der Bank. Dabei dachte ich immer: Der kennt sich aus. Der wird uns in dem Geschäft alle überleben. Der Preisträger. Autor. Exzellenter Schreiber. Aber nun das. Was meinen Sie? Fragte ich. Na zum Beispiel dieses hier: Sie nennen es Referenzen. Sie behaupten, „Kräfte zu bündeln und Freiraum für exzellenten Journalismus“ zu schaffen. Sie sprechen von „exklusiven Nachrichten und tiefen Analysen. So sieht das aus, wenn Arbeitsplätze eingespart werden. Wenn immer mehr auf den guten Journalismus verzichtet wird. Wenn die Recherche den Nachrichten-Agenturen überlassen wird. Weil Redakteure keine Zeit mehr dazu haben. Weil die in Schulungen sitzen, wo ihnen beigebracht wird, wie man mit dem Smartphone Fotos und Filmchen machen kann. Für die Online-Ausgaben. Weil Fotografen dann nicht mehr bezahlt werden. Weil es dann keine Fotografen mehr geben wird. Wer schreibt, der fotografiert. Und bleibt. Vieleicht.

Vielleicht? Naja, sagte der Mann. Bleiben werden nur wenige. Am besten die, die wenig Kosten verursachen. Mich kann dan keiner mehr bezahlen. Mich will dann keiner mehr bezahlen. Unter dem Deckmäntelchen „Die Zukunft heißt Online“ wird das Printgeschäft abgewickelt. Jedenfalls die, die ihn machen. Andere werden kommen. An den Online-PCs sitzen schon jetzt immer mehr Praktikanten und sogenannte kreative Seiteneinstieger. Die wirklich Ahnung haben. Keine Frage. Von PCs. Dem Internet und Einbettungsprogrammen. Aber selten gute Sätze geradeaus schreiben können. So sieht das aus, sagte der Mann. Leider.

Und, bei Ihnen? Schon was gehört? Fragte er mich. Naja, nichts Genaues weiß man nicht. Die einen sagen so, die anderen so. Wie immer eben. Ja, sagte der Mann. Es gibt immer Gerüchte. Zuerst. Und dann passiert es doch. Wissen Sie, ich komme mir derzeit vor wie Anfang der 90er. Als die Treuhand offiziell den Ostbetrieb retten sollte.  Dann aber doch alles verscherbelt hat. Nichts gegen Online und Internetnachrichten. Nichts gegen die Online-Zukunft des Verlagsgeschäftes. Das wird un muss kommen. Das seh ich auch so. Aber mit dem Verlust von Qualität, der damit einhergehen wird, kann und will ich nicht leben. Und eine Online-Schulung? In meinem Alter? Ich weiß nicht. Ich kann schreiben. Und recherchieren. Analysieren. Kommentieren. Also all das, was bald nicht mehr gebraucht werden wird. Trotzdem, schönen Tag noch. Der Sommer ist ja gar nicht so schlecht. Ja, danke! Sage ich. Manche Vorhersagen liegen eben doch voll daneben.