Bilder aus der Fotokiste X

carneval_club_01Kein Bild, aber immerhin aus ner alten Fotokiste. Ich weiß es noch wie heute: Wir hatten dazu einen Super-8-Film gedreht. Einen richtigen Western. Sind dazu in den Harz gefahren, nach Wettin und sonstwo hin. Nur, um diesen Karnevals-Western zu drehen. Und dann war alles im Arsch. Der Film war doppelt belichtet. Man sah unseren Haupthelden Festus, wie er von der Klippe sprang. Aber gleichzeitig sah man ein Fußballspiel. Der Film wurde dann aber trotzdem so gezeigt. Und an dieser Stelle waren es dann „die Träume“, die unseren Haupthelden durcheinander brachten. So wurde das damals gemacht. Keine Chance für eine Wiederholung. Weder zeitlich noch materiell. Aber Fußball und der Wilde Westen – auch damals schon zwei unzertrennliche Dinge. Was ich nicht mehr weiß: Warum es 6. ODER 7. März hieß… Konnte man es sich aussuchen? Oder waren wir uns nicht sicher, an welchem Tag wir im BALTIC Karneval feiern durften…???

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Auch das noch

Nun, mit Fußball kann ich ja noch leben. Mit den Randerscheinungen schon weniger. Und dass sie jetzt auch noch Serien wegen des Spektakels unterbrechen, passt mir gar nicht in den Kram. Da gibt es endlich mal eine, die ich mir gern ansehe, und dann das. Wirklich toll!

Blitzkrieg der Hirnfußballokraten

Es ist der Blitzkrieg der Hirnfußballer. Angriff, Sturm, Tipp, Tor. Berlin ist wieder Reichshauptstadt, hier werden Pläne fürs Tippangriffsspiel geschmiedet. Die selbsternannten Endrunden-Profis liefern sich das Gefecht auf den Büroetagen, am Schreibtisch. Dreimal täglich geht es ums Ganze, dreimal täglich schalten Hirne ein, zwei Gänge runter. Dann gibt es nur noch den Tipp für das Spiel. Sportliche Ziele der Kämpfer sind außen vor, schließlich geht es um die Ehre. Um die Ehre im Tippspiel.

Der Anfang war schlimm. Ganz schlimm. Eine Niederlage nach der anderen mussten die Ich-war-schon-beim-Fußball-als-Du-noch-mit-der-Trommel-um-den-Chistbaum-gerannt-bist-Tipper einstecken. Tipp, Gegentor, Niederlage. Größer noch die Schmach, als einige der Du-hast-doch-überhaupt-keine-Ahnung-Tipper nach Punkten vor den Profi-Tippern lagen. Schmerz verzerrte zerknautschte Gesichter waren noch die harmlosen Reaktionen. Und es kam noch schlimmer.

Einer hatte gar gewagt, die Spiele der WM-Endrunde blind zu tippen. Er deckte beim Tippen die Paarungen ab und schrieb wahllos Ergebnisse in die Kästchen. Welch ein Unglück, welch Unfairness in der Welt. Platz 3 für den blinden Tipper. Einer aus dem Osten. Auch noch. Was hatte die Fußballwelt denn ihnen bloß angetan? Wo war er geblieben? Der Fußballgott? Womit hatten sie das verdient? Die Checker und Blicker, die Opinhos, Xavinhos.

Unterdessen haben die Profi-Blicker doch den einen oder anderen Punkt geholt. Wenn auch Sieben-zu-Null-Ergebnisse nicht in den Angriffsplänen vorgesehen waren. So gab es doch wenistens zwei Punkte für den getippten Sieg. Doch noch sind nicht alle Netzer-Messen gesungen, der Tipper-Krieg geht erst noch richtig los. Und auch ich werde weiter tippen. Im Achtelfinale und weiter bis zum Schluss. Blind, natürlich.

Fuß(ball)volk Deutschland

Alle vier Jahre kommt sie wieder. Diese eine Frage. Wie ein wiederkehrender Horror, eine Heimsuchung. Es ist, als ob alle vier Jahre die Geister aus der Vergangenheit wieder kommen würden, um sich zu rächen. Sie sind im Kopf, in den Träumen und in machen Momenten spürbar im Raum. Und alle quälen sie mich mit jener einen Frage: Warum nur? Warum nur geht mir Fußball grundsätzlich und meistens am Arsch vorbei?

Ist es eine angeborene Störung im Kleinhirn? Oder liegt die Ursache, wie in anderen Fällen, weit zurück in der Kindheit? Das könnte es sein, denk ich mir manchmal. Denn damals, als Freunde und Schulkamerade das Leder kickten, ging ich zur Musikschule. Violine lernen. Wenn Freundschaftspiele hinter dem Haus stattfanden, quälte ich mein Instrument. Wenn die Jungs sich zum Torwandschießen trafen, büffelte ich Noten und Takte.

Oder aber liegt es an meinen Fußball-Live-Erlebnissen in der Jugend? Immerhin war ich jahrelang bekennender HFC-Fan. Mit Schal. Mit Aufnäher auf der Ein-Strich-Kein-Strich-Jacke. Jeden zweiten Samstag ging´s ab ins Kurt Wabbel Stadion, ab und an sogar zum Auswärtsspiel. Doch eigentlich waren das die schönsten Tage der Woche. Daran kann es also nicht liegen.

Oder ist die Ursache in der Gegenwart zu suchen? Hier, im Jetzt? Vielleicht ist ja das Volk nicht ganz unschuldig? Das Fuß(ball)volk Deutschland. Das sich alle vier Jahre in Gesicht und Auto schwarzrotgold schminkt und schmückt, bei jedem Tor Silvesterböller zündet und so tut, als es ein Volk wär? Ich glaube, da kommen wir der Sache schon näher. Das Volk ist es, was mich zum psychisch gestörten Außenseiter macht. Ja genau, das ist es!

Weil auf einmal die Glatzen Pankows beim Türken sitzen, sich bei den richtigen Toren um die Arme fallen, gegenseitig auf die Schulter klopfen, während im TV die dazu passenden Sprüche kommen. Weil in den Augen der Kollegen nur noch das runde Leder glänzt, jeder Arbeitstag mit Fußball beginnt und endet, jedes andere Thema mit einem müden Lächeln quittiert wird. Weil Freunde gemeinsam geplante Treffen zur Vorbereitung von Geburtstagsfeiern absagen („Ist doch den ganzen Tag WM“). Weil es immer wieder nervige Lieder gibt, die das deutsche Fuß(ball)volk auch noch gut findet. Und, weil es die Fankurve fürs iPhone gibt.

So, muss jetzt mal hier aufhören. Deutschland-Serbien fängt an.

Nordkorea

Entdeckt bei Nusenblaten:

  • Fußball-WM, Brasilien gegen Nordkorea. Beim Abspielen der nordkoreanischen Hymne weinte der angebliche Stürmerstar Jong Tae Se – auch „roter Rooney“ genannt – bitterlich. Was Helene (wird im Juli 4), ansonsten dem Fußball-Turnier in Südafrika nicht sonderlich zugeneigt, natürlich sofort auffiel. „Papa, warum weint der so?“ „Keine Ahnung.“ „Ist der wütend oder traurig?“ „Ich glaube, er ist eher traurig.“ „Warum ist er traurig?“ „Vielleicht, weil er gern woanders leben würde als in Nordkorea.“ „Was ist Nordkorea?“ „Ein Land, das schrecklich ist zu seinen Menschen und niemanden rein oder raus lässt.“ „Kann man da nicht mit dem Flugzeug hinfliegen?“ „Doch, aber das ist schwierig und dauert sehr lange.“ „Dann können wir ja mit dem Auto dort mal hin fahren.“ „Das dauert noch länger. Außerdem ist das ganze Land von einem Zaun umgeben. Und hinter dem Zaun stehen Menschen mit Pistolen.“ „Hm, schießen die Männer auch?“ „Ja, auf die, die einfach abhauen wollen aus dem Land.“ „Schießen die auch auf mich?“ „Nein, Du wohnst ja nicht in dem Land.“ „Ich will da nicht hin, wenn die schießen.“ „Ja, besser Du bleibst hier.“ „Wird der Fußballer auch erschossen, wenn er zurück kommt in sein Land?“ „Wenn er heute gewinnt nicht, dann freuen sich die Menschen in seinem Land. Dann wird er auch nicht erschossen.“ „Und wenn er nicht gewinnt? Hört er dann nie wieder auf zu weinen?“